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Bob Dylan und das «verlorene» Album mit Johnny Cash



FILE - In this Jan. 1, 1972 file photo, Bob Dylan performs at the Academy of Music in New York. While country music has long been synonymous with Nashville, rock and folk musicians in the late '60s and early '70s made the Southern city the new hip spot to record. Nashville’s rock period is the subject of the next exhibit at the Country Music Hall of Fame and Museum, called “Dylan, Cash, and the Nashville Cats: A New Music City,” which opens in March 2015. The city’s talented session musicians helped to create some of the seminal country-influenced rock albums of the period, including Bob Dylan’s “Blonde on Blonde” and “Nashville Skyline.” (AP Photo/File)

Bob Dylan in Nashville Bild: AP/AP

Der 17. Februar 1969 war für populäre Musik ein denkwürdiger Tag: Im Columbia Studio A in Nashville kamen Bob Dylan und Johnny Cash für eine Session zusammen. 50 Jahre später, am Freitag, erscheinen die Mitschnitte erstmals offiziell.

«Travelin' Thru» nennt sich die 15. Ausgabe der «Bootleg Series», die essenzielle Karriereabschnitte Dylans näher beleuchtet und erstaunliches Archivmaterial zugängig macht.

Ein passender Titel, denn Bob war wieder einmal auf der Durchreise - diesmal vom Hipster, der mit «Blonde On Blonde» zum Rockstar geworden war, zum Country-Barden. Von 1967 bis 1969 dauerte diese Phase, in der zwei Alben entstanden. Während die Popwelt von «Sgt. Pepper» beeinflusst psychedelisch in allen Farben aufblühte, präsentierte Dylan mit dem nüchternen Country-Folk auf «John Wesley Harding» einen Gegenentwurf. Das anschliessende «Nashville Skyline» überraschte Fans wie Kritiker mit einem puren Country-Sound.

Drei Tonträger

Drei CDs beziehungsweise Vinyl-Scheiben umfasst «Travelin' Thru». Der erste Tonträger wartet mit alternativen Versionen von Liedern der beiden Alben von 1967 und 1969 auf. Im Gegensatz zu den Sessions für «Blonde On Blonde», die ebenfalls in Nashville stattgefunden haben, ging Dylan für diese Produktionen mit ganz klaren Vorstellungen ins Studio. Es gab keine grossen Experimente und verworfene Ideen.

Die Köpfe hinter der «Bootleg Series» verzichten daher darauf, mehrere Versionen eines Songs in die Compilation aufzunehmen, und stellen nur jeweils einen alternativen Take vor. Mit «Western Road» gibt es einen Song, der es nicht auf «Nashville Skyline» geschafft hat.

Der zweite Tonträger besteht aus Höhepunkten der zweitägigen Dylan-Cash-Sessions. Dylan klingt wie vor Ehrfurcht gehemmt, als man sich zunächst an Cashs «I Still Miss Someone» versuchte. Anschliessend wandte man sich «Don't Think Twice, It's All Right» zu, zu dem Cash einen alternativen Text geschrieben hatte. Sie sangen nun zur selben Melodie unterschiedliche Zeilen. Am 18. Oktober kam die Band von Johnny Cash dazu, mit Carl Perkins an der Gitarre. Man nahm sich eigene Songs (etwa «One Too Many Mornings», «Ring Of Fire») vor, aber auch Klassiker wie «You Are My Sunshine» und Rock-and-Roll-Standards («That's All Right, Mama» und Perkins' «Matchbox»).

Bob Dylans Leben in Bildern

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Bob Dylans Leben in Bildern
quelle: ap / kevork djansezian
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Eine frühe Version von «Wanted Man» eröffnet den dritten Teil von «Travelin' Thru». Mit der von Dylan geschriebenen Nummer, die dieser nie wieder gesungen hat, eröffnete Cash eine Woche später sein legendäres Konzert in der Strafanstalt San Quentin. Schräg sind zwei «Jimmie Rodgers Medley», denn die Songs des «Vaters der Country Music» erfordern Jodeltechnik - keine Stärke von Dylan und schon gar nicht von Cash. Drei Songs aus der «Johnny Cash Show», in der Dylan am 7. Juni 1969 auftrat, und Sessions mit dem Banjo-Spieler Earl Scruggs runden die Kopplung ab. Dann gibt es noch zwei Outtakes, die es nicht auf Dylans nächstes Album «Self Porträt» geschafft haben: «Ring Of Fire» und «Folsom Prison Blues» in der Interpretation von His Bobness.

Nicht perfekt, dafür gefühlvoll

Es macht viel Spass, den beiden Giganten zuzuhören, wie sie sich an Songs herantasten, wie Cash mit seiner Persönlichkeit und Stimme die Sessions dominiert, wie sie Freude am gemeinsamen Musizieren haben, manchmal beinahe scheitern, dann aber doch irgendwie die Kurve kratzen - und vor allem wie sie Grenzen überschreiten und Regeln brechen.

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Es ist bei weitem nicht perfekt, was Dylan und Cash eingespielt haben, aber gerade das macht die Sessions hörenswert, denn es geht ums Feeling, das im cleanen Pop oft verloren geht. «Travelin' Thru» ist aber auch wegen der Dylan-Takes auf Tonträger eins ein wertvolles Dokument.

Die Soundqualität macht bisherige Bootlegs obsolet, ein informatives Booklet rundet das Set ab. Dylan hat nach 1969 nie wieder in Nashville aufgenommen. (aeg/sda/apa)

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Bob Dylan 50. Nötli

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