Katy Perry sorgt in letzter Zeit immer wieder für Schlagzeilen. So sollen gerade die spanischen Behörden gegen die Musikerin ermitteln, weil ihr neues Musikvideo in einem Naturschutzgebiet ohne Bewilligung gedreht wurde. Jedoch eckt die Sängerin nicht nur mit ihren Videos, sondern auch mit ihrer Musik an. Mit ihrem Song «Woman's World» stach sie in ein Wespennest, das einen längst begrabenen Rechtsfall wieder an die Oberfläche holte.
So arbeitete Perry laut Rolling Stone für ihr sechstes Studioalbum «143» mit mehreren Musikproduzenten zusammen. Dem Bericht zufolge soll die Musikerin unter anderem Produzenten angeworben haben, die bereits an den Hits ihrer Alben «Teenage Dream» und «Prism» mitwirkten – darunter Max Martin, Stargate und Dr. Luke.
Letzterer ist nun auch der Grund, dass Katy Perry gerade in der Kritik steht. So wurde Dr. Luke in der Vergangenheit von der Sängerin Kesha unter anderem wegen sexueller Nötigung angeklagt.
Dr. Luke und Kesha arbeiteten bereits an ihrem Debüt-Album «Animal» zusammen, welches ihnen beiden 2010 zum grossen Durchbruch verhalf. Unter Vertrag war Kesha bei Dr. Luke jedoch schon seit 2005. In diesem Jahr geschah auch das, was für die beiden zu einem zehnjährigen Rechtsstreit führte.
Im Oktober 2005 luden die damaligen It-Girls Nicky und Paris Hilton zu sich zu einer Party ein. Dort soll Dr. Luke Kesha K.-o.-Tropfen verabreicht und sie daraufhin in einem Hotelzimmer vergewaltigt haben, während sie bewusstlos war. So erzählte Kesha ihrer Mutter Pebe Sebert am nächsten Tag: «Mama, ich weiss nicht, wo ich bin. Ich glaube, wir hatten Sex. Mir ist schlecht und ich fühle mich wund.»
Im Januar 2014 wurde Kesha wegen einer Essstörung in eine Reha-Klinik eingewiesen. Dort erzählte sie den Ärztinnen und Ärzten, dass Luke sie sexuell und körperlich missbraucht und ihr Drogen gegeben hatte. Im darauffolgenden Oktober reichte sie dann laut Los Angeles Times Klage gegen ihren Produzenten ein und beschuldigte ihn der sexuellen Nötigung, Körperverletzung und psychischen Misshandlung. Sie schilderte den Vorfall bei der Hilton-Party und einen weiteren Anlass, bei dem er «brutal mit den Armen» nach ihr schlug. Sie forderte unter anderem eine Vertragsauflösung zwischen ihr und dem Produzenten.
Dr. Luke antwortete daraufhin sofort mit einer Verleumdungsklage. Er meinte, dass Kesha mit ihrer Klage aus ihrem Vertrag flüchten und so das Geld, welches sie mit Hits wie «Tik Tok» machte, für sich beanspruchen wollte. Er klagte gegen Kesha, ihren Manager und ihre Mutter Pebe. Diese war eng in den Rechtsstreit von Kesha und Dr. Luke involviert, da sie ebenfalls Songs für ihre Tochter schrieb. Viele Fans hinterfragten jedoch Pebes Motivation, da sie jahrelang immer wieder Geldprobleme hatte und sich mehrmals wegen Alkoholismus behandeln liess. Dabei kam der Verdacht auf, dass sie vor allem auf das Geld aus war, welches ihre Tochter mit ihrer Musik machte.
2016 verlor Kesha den Einspruch gegen ihre Entlassung bei Dr. Lukes Musiklabel Kemosabe Records. Das sorgte für grosse Aufruhr. Online ging der Hashtag #freekesha viral und Promis wie Taylor Swift, Jack Antonoff und Adele schlugen sich auf Keshas Seite.
Besonders stark setzte sich Lady Gaga für die damals 29-jährige Kesha ein. Wie Rolling Stone schrieb, meinte sie in einer Befragung zum Fall: «Das Mädchen hat ein schweres Trauma erlebt und steckt gerade mittendrin. Ihr alle seid daran beteiligt.» Kesha habe sich Gaga bereits anvertraut, bevor eine Klage überhaupt zur Debatte stand. «Ich kann mich an ihre Angst und ihre Depression erinnern», so die Sängerin.
Als Gaga von Dr. Lukes Anwälten nach Beweisen gefragt wurde, meinte sie nur: «Nun, wissen Sie – wenn Männer Frauen missbrauchen, laden sie für gewöhnlich keine Leute ein, die zuschauen.» Lady Gaga sprach in der Vergangenheit bereits über den sexuellen Missbrauch, den sie selbst erlebte. Sie wisse also, dass wenn so etwas in der Branche passierte, es streng geheim gehalten und durch Verträge und manipulative Machtspiele vertuscht würde.
Dies bestätigte Kesha mit einem Instagram-Post, in dem sie schrieb, dass ihr angeboten wurde, dass sie aus dem Vertrag käme, wenn sie sich entschuldigen und sagen würde, dass sie nie vergewaltigt worden sei. «Das ist es, was hinter verschlossenen Türen passiert. Ich werde nicht die Wahrheit zurücknehmen», meinte sie dabei.
Trotz dieses Posts zog Kesha ihre Klage gegen Dr. Luke 2016 zurück. Seine Klage wegen Verleumdung blieb jedoch bestehen. Der Rechtsstreit ging also weiter.
Kesha veröffentlichte während fünf Jahren keine Musik, da sie nicht mit einem «Monster» zusammenarbeiten wollte. Im Jahr 2020 entschied der Oberste Gerichtshof von Manhattan, dass Kesha Dr. Luke diffamiert hatte. Und zwar ausgerechnet wegen einer SMS der Sängerin an Lady Gaga. Darin schrieb sie, dass Katy Perry von «demselben Mann vergewaltigt» worden sei, und meinte damit den Produzenten. Perry sagte jedoch aus, dass dies nicht der Fall sei. Also ein weiterer Rückschritt für Kesha.
Am 22. Juni 2023 verkündeten Kesha und Dr. Luke jedoch relativ überraschend, dass der Prozess eingestellt und eine Einigung erzielt worden sei. Was das für eine war, ist nicht bekannt. Kesha musste jedoch keinen Rappen zahlen und sich auch nicht bei Dr. Luke entschuldigen. Die Sängerin meinte dazu auf Instagram: «Nur Gott weiss, was in dieser Nacht wirklich passiert ist.»
So, und nun, nach diesem sehr langen Exkurs zu Kesha: Was ist jetzt das Problem mit Katy Perry?
Kesha und Katy Perry kennen sich bereits seit vielen Jahren, da sie zusammen in LA aufwuchsen. Kesha war gar im Musikvideo zu Perrys «I Kissed a Girl» zu sehen. Im Prozess gegen Dr. Luke bekam die Freundschaft jedoch einen riesigen Knick. Als Katy Perry Kesha nicht unterstützte, machte diese öffentlich, dass sie wütend auf die «Teenage Dream»-Sängerin sei, weil sie alles hätte ändern können, jedoch zu feige war.
Als nun Katy Perry am 11. Juli die erste Single ihres neuen Albums, «Woman's World», veröffentlichte, flog ihr das Drama mit Kesha um die Ohren. So soll der Song laut Perry eine feministische Hymne sein, um zu zeigen, dass Frauen alles haben können. Das sah das Internet jedoch anders und das Musikvideo zum Song wurde in Stücke gerissen.
Im Clip sind Katy Perry und eine Gruppe von Frauen bei typischen «Männerarbeiten» zu sehen. Viele der Zuschauenden fanden, dass das Video so wirkte, als wolle es feministisch sein, dabei aber völlig auf den «Male Gaze» ausgerichtet sei. Es sei also so gedreht, dass es Frauen objektifiziere. Daraufhin meinte Katy Perry laut Rolling Stone, dass es sich beim Video um Satire handle.
Diese Kritik scheint aber noch harmlos, wenn man den Hass sieht, den Katy Perry für ihre Entscheidung, wieder mit Dr. Luke zusammenzuarbeiten, bekommt. «Einen Song über Frauenpower schreiben, aber gleichzeitig mit dem Vergewaltiger einer Freundin zusammenarbeiten – good Job, Katy, wirklich», schrieb etwa eine TikTok-Userin auf der Plattform. Dass Dr. Luke nie verurteilt wurde, scheint dabei keine Rolle zu spielen: «Kesha hat nicht zehn Jahre lang für nichts gekämpft, wir glauben ihr», meint dazu ein weiterer Fan.
@katyperry Replying to @matt I promise I’m a professional 💃 @brookieandjessie ♬ Lifetimes - Katy Perry
Allgemein findet sich unter Katy Perrys Promo für ihr neues Album vor allem Kritik. Der meistgelikte Kommentar unter ihren Videos ist dabei immer: «Joyride – Kesha». Damit spielen die Kommentatoren auf den neuen Song von Kesha an, den sie ohne Dr. Luke produziert hat und der in den Charts besser performte als «Woman's World». Aber auch Fans, die nichts von der Kontroverse um Dr. Luke wissen, sind enttäuscht von der neuen Musik. So schreibt ein User auf TikTok: «Keine Ahnung, wer Luke ist, aber der Song klingt, als wäre er von Dieter Bohlen geschrieben.»
Bisher hat sich Katy Perry nicht zu den Vorwürfen geäussert. Kesha tweetete am Tag, als bekannt wurde, dass Katy Perry wieder mit Dr. Luke arbeitet, ganz einfach das Wort: «LOL».
lol
— kesha (@KeshaRose) June 17, 2024