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Ein Blahnik ist natürlich viel mehr als nur ein Schuh: Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) beim Liebkosen von einem ihrer «Lovers».
Ein Blahnik ist natürlich viel mehr als nur ein Schuh: Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) beim Liebkosen von einem ihrer «Lovers».Bild: 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™
Review

Unter welchem Stein waren denn die? Der Start von «And Just Like That» in 8 Punkten

SPOILER-ALERT! SPOILER-ALERT! SPOILER ... Okay, aber beschwert euch nachher nicht! Hier kommt die erste Folge der siebten Staffel von «Sex and the City».
09.12.2021, 16:0810.12.2021, 13:29

Es war einmal

Altern ist schwierig. Für Menschen und Serien.

Es war einmal eine Show über vier Frauen, ihre Freundschaft, ihre Schuhe und Männerprobleme. Carrie schrieb Kolumnen – bei Starbucks und auf einem MacBook –, Charlotte war Galeristin mit Traumberuf Mutter, Samantha war Maklerin mit Traumberuf Samantha und Miranda Anwältin. Neben Fussball war «Sex and the City» (SATC) das einzige TV-Ereignis, das es zu Public Screenings brachte. Es war befreiend und prickelnd, frivol, es war frech, schnell, stylish, sexy, es war der Glamrock unter den TV-Serien. Vier Frauen, die sexuell so befreit und finanziell so unabhängig waren, dass es zu schön war, um wahr zu sein. Bis Familiengründung und Hochzeit zu den alles bestimmenden Themen wurden.

Als die Serie 1998 startete, fragten sich die Männer dieser Welt verblüfft, ob Frauen, wenn sie unter sich sind, wirklich so dirty über Sex und Männer reden. Und ob sie eigentlich auch noch über etwas anderes reden. Antwort: gelegentlich und meistens. Sehr junge Frauen hatten den einzigen Berufswunsch, Kolumnistin wie Carrie Bradshaw zu werden, und entdeckten enttäuscht, dass sich damit in Realität kein Kleiderschrank mit Designermode füllen liess.

Alle Frauen lernten die Worte Manolo und Blahnik und sahen, dass sie nicht gut taten. Weder dem Budget noch dem Fuss. Aber sie waren das ultimative Statussymbol. Sind sie heute immer noch (siehe Punkt 8). Und auch der Talk der Frauen ist im SATC-Reboot «And Just Like That» (AJLT) noch genau gleich. Nach heutigen Standards ist er allerdings auf dem Level verklemmter Klosterschülerinnen. Ein bisschen so, als wären plötzlich alle Charlotte. Und wer will schon Charlotte sein?

Der Trailer

Samantha fehlt viel zu sehr

Kim Catrall als Samantha ist bekanntlich ausgestiegen. Weil sie wollte, dass alle vier Hauptdarstellerinnen gleich viel Lohn wie Sarah Jessica Parker als Carrie bekommen. Zu ihrem und unserem Leidwesen war sie damit allein. In AJLT ist Samantha nach London ausgewandert und beantwortet keine Mails und Messages von Carrie, Miranda und Charlotte mehr. Nach London, «wo sexy Sirenen in ihren Sechzigern noch lebensfähig sind», wie Society-Bitch Bitsy Von Muffling gleich zu Beginn sagt. Samantha war die Unzähmbare mit der losesten Zunge, von Anfang an tough im Geschäft und unsentimental in der Liebe, grosszügig in ihrer Erotik, Komik und Tragik. Zu viel war nie genug. Sie war der erhöhte Pulsschlag der Serie. Sie fehlt.

Eine haarige Angelegenheit

Carrie, Miranda und Charlotte sind inzwischen Mitte Fünfzig. Die Natur ist da bei sehr vielen sehr gnadenlos. Gerade wenn es um Haare geht. Carrie und Charlotte färben. Miranda nicht. Weil sie als Anwältin, die jetzt einen Master in «Human Rights» macht, ein Vorbild sein will. Darüber kann man sich nun minutenlang auslassen. «Wir können nicht bleiben, wer wir waren!», sagt Miranda. Ja, das wäre mal was. Hilft aber nichts. Miranda fühlt sich schlecht mit grauen Haaren.

Miranda Hobbes (Cynthia Nixon, links), Carrie Bradshaw und Charlotte York (Kristin Davis): Wieso trägt Carrie zwei Taschen übereinander? Und diesen fürchterlichen Hut?
Miranda Hobbes (Cynthia Nixon, links), Carrie Bradshaw und Charlotte York (Kristin Davis): Wieso trägt Carrie zwei Taschen übereinander? Und diesen fürchterlichen Hut? Bild: 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™

Der Stein der Zeit

Das Verblüffendste am Reboot von «Sex and the City» ist die Frage: Unter welchem Stein haben die Frauen eigentlich die letzten zehn Jahre verbracht? Vor zehn Jahren lief nämlich SATC-Film Nr. 2, irgendwas mit Kamelreiten in Dubai, ich konnt's mir nicht anschauen, sorry.

Seither hat sich die Erde doch ein paar Male um sich selbst gedreht, ein paar weisse Männer sind von ihren hohen Rössern gefallen, Diversity wird nicht mehr mit einer Teilchenreaktion im Cern verwechselt, kurz, alles, was mit Geschlechterrollen und Sex zu tun hat, Dinge, die um 2000 die Kernkompetenz von SATC waren, sind heute sehr viel weiter.

Nur nicht für Carrie, Miranda und Charlotte. Es ist, als hätten sie all die Jahre verschlafen. Anders ist nicht zu erklären, wieso sie sich jetzt komplett als alternde weisse Frauen gebärden und in brutalste Fettnäpfchen treten. Miranda an der Uni, wo sie, die angeblich so Kluge, unfreiwillig, dafür ausführlich eine schwarze Professorin beleidigt (vermutlich werden sie später neue beste Freundinnen). Und Carrie bricht während eines Podcasts zum Thema Masturbation nur noch in verschämtes Kichern aus.

Selbstverständlich ist die Auseinandersetzung mit neuen Diskursen, die nicht immer reibungslos verläuft, begrüssenswert, aber derart unsouverän, peinlich und grotesk unglaubwürdig können zwei Figuren echt nur werden, wenn sie NICHT an einem Ort wie New York leben, sondern in einem Erdloch auf einer Insel, wo jahrein jahraus «Bachelor» gedreht wird.

Carrie versucht, was ernsthaft Lustiges zum Thema Masturbation zu schreiben. Doch es kommt ihr nicht (in den Sinn).
Carrie versucht, was ernsthaft Lustiges zum Thema Masturbation zu schreiben. Doch es kommt ihr nicht (in den Sinn).Bild: 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™

The BIG Problem

Carries grosse Liebe, Mr. Big, wurde schon vor Jahrzehnten zum «schlechtesten Freund der Seriengeschichte» abgestempelt. Weil er sie wollte und dann wieder nicht und dann eine andere hatte, die er mit Carrie betrog, die er heiraten wollte oder doch nicht – und so weiter. Seit zehn Jahren sind die beiden nun zusammen.

Im Lockdown ist es ihnen offenbar gut gegangen, er kann kochen und Carrie ein bisschen, und zusammen haben sie eine stimulierende Feierabendunterhaltung entwickelt, die darin besteht, jeden Abend eine andere seiner Schallplatten zu hören. Und zwar in alphabetischer Reihenfolge (gähnstöhn). Mr. Big ist 66 und steht auf noch Älteres. Und so folgt eben auf Linda Ronstadt (Jahrgang 1946) Todd Rundgren (1948). Mr. Big tanzt dann mitsingend durch die Wohnung. Wenn er nicht gerade fette Zigarren raucht. Gibt es eine entsetzlichere Vorstellung?

Sex in the Kitchen? Mr. Big (Chris Noth) und Carrie machen irgendwas mit Fisch.
Sex in the Kitchen? Mr. Big (Chris Noth) und Carrie machen irgendwas mit Fisch.Bild: 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™

Im Westen nichts Neues – ausser den Neuen

Carrie, Charlotte und Miranda sind noch exakt die, die sie einmal waren. Carrie steht immer noch schmachtend vor ihrem Schuhregal, und findet wilde Dinge wie Instagram und Podcasts eine echte Belastung. Charlotte ist noch kein bisschen entspannter. Von Miranda werden wir wohl nie erfahren, was sie in ihrem superanspruchsvollen Superjob eigentlich macht, sondern bloss, was ihre langweiligen Familienproblemchen sind.

Alle haben alle Wände mit Tapeten beklebt, das scheint man jetzt in New York so zu machen. Vielleicht aus Angst, in einer leeren Wand das Spiegelbild ihrer inneren Leere zu erblicken? Keine hat einen Ausbruch gewagt. Keine hat am Lack ihres schicken Luxuslebens kratzen mögen. Das Tragen eines Pussy-Hats (kann man ja gelten lassen, weil Fashion-Statement) ist Auflehnung genug. Corona ist in AJLT vorbei und auch nichts weiter als ein Fashion-Zitat: Carries Lieblingsaccessoire sind jetzt Glitzerhandschuhe. Und der schwule Anthony hat einen Sauerteig-Handel.

Nicole Ari Parker spielt Lisa Todd Wexley, kurz LTW.
Nicole Ari Parker spielt Lisa Todd Wexley, kurz LTW. Bild: 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™

Neu dabei ist Lisa Todd Wexley (Nicole Ari Parker), eine Dokumentarfilmerin und Wohltäterin, natürlich reich, schick und dabei tiefenentspannt – Carrie, Charlotte und Miranda kommen einem dagegen vor wie Korkenzieher, die sich verzweifelt in die Luft schrauben. Und dass Mirandas Professorin (Karen Pittman) weiterhin wichtig sein soll, ist ebenfalls ein Lichtblick.

Vorteil Kinder

Ich hätte von mir nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber: Danke für die Kinder! Kinder retten die AJLT-Welt! Mirandas Sohn sorgt dafür, dass sie am frühen Morgen auf seinem gebraucht-gefüllten Kondom ausrutscht. Charlottes Adoptivtochter Lily ist zwar das Klaviergenie, das Charlotte immer schon gern gehabt hätte, aber enorm stressfrei, und ihre zweite Tochter Rose ist ein couturefeindliches Skatergirl. Cringe sind nur ihre Mütter.

Charlottes Tochter Lily (Kathy Ang) liebt wie ihre Mutter Haute Couture, Blümchen und Tapeten.
Charlottes Tochter Lily (Kathy Ang) liebt wie ihre Mutter Haute Couture, Blümchen und Tapeten.Bild: 2021 WarnerMedia Direct, LLC. All Rights Reserved. HBO Max™

SPOILER!

Schuhe waren in SATC sehr wichtig. Sie kamen in jedem unpassenden Moment vor. Einmal wurde ein Paar Louboutins nass: Mirandas Fruchtblase platzte und benetzte Carries bis dahin teuerste Schuhe. «Und so, mit einem Paar zerstörter Louboutins, begann Mirandas Entbindung», sagt Carrie dazu aus dem Off.

Jetzt wird wieder ein Paar Schuhe nass. Die bisher wichtigsten Schuhe in Carries Leben. Ihre blauen Hochzeitsschuhe. Von Manolo Blahnik. Denn SPOILER SPOILER SPOILER Carrie kommt nach einem triumphalen Klavierkonzert von Lily nach Hause und findet Big unter der Dusche. Er hatte einen Herzinfarkt und stirbt in ihren Armen. Die Manolos lösen sich – wie Carries Ehe – im Wasser auf. Ein doppelter Verlust. «And just like that – Big died», sagt sie aus dem Off. Und man ist versucht zu sagen: Gut so, wenigstens ein Problem erledigt.

«And Just Like That» wurde von HBO produziert und läuft bei uns auf Sky Show. Immer donnerstags gibt's eine neue Folge.

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