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<em>«Hör auf zu reden, sonst merken die, dass wir auch Schweizer sind!»</em>
«Hör auf zu reden, sonst merken die, dass wir auch Schweizer sind!»Bild: sda
User Unser

Sagt mal, warum meiden sich Schweizer gegenseitig in den Ferien?

Andere Nationen verbrüdern sich längst an der Strandbar. Nur die Schweizer wollen in den Ferien partout keine anderen Schweizer treffen. Wieso?
05.07.2022, 12:5507.07.2022, 09:16

Es war ein Schlüsselerlebnis. Ich weiss es noch, als wär's gestern gewesen:

Ende Neunzigerjahre, New York City: Ich besuchte meine (Schweizer) Freundin, die dort eine Schauspielschule absolvierte. Sie war bereits mehrere Monate in der Stadt und so war es nicht verwunderlich, dass sie sich freute, als wir eines Morgens im Diner vom Nebentisch her schweizerdeutsche Stimmen hörten. Spontan sprach sie dieses Paar an: Wie lange sie schon in der Stadt seien, ob sie ferienhalber hier seien und so weiter. Freundlich, halt.

Wow. Ich habe wohl in meinem ganzen Leben nie entsetztere Blicke gesehen als die, die das Paar am Nebentisch auf uns richtete.

Nach einigen Sekunden peinlich berührten Schweigens drucksten die beiden an einer Antwort herum, wobei sie ihren Widerwillen in jeder Silbe kundtaten.

Etwas später, als wir das Restaurant verliessen, entfuhr es meiner Freundin: «Typisch Schweizer! Die nerven sich immer, wenn sie im Ausland andere Schweizer treffen.»

Really? Ist das tatsächlich so?

<em>Hmm ... Bermudas, Käppli, «gute» Schuhe ...? Ah, aber das Kinderwägeli ist zu wenig hi-tech. Vermutlich kein Schweizer, also. </em>
Hmm ... Bermudas, Käppli, «gute» Schuhe ...? Ah, aber das Kinderwägeli ist zu wenig hi-tech. Vermutlich kein Schweizer, also. Bild: shutterstock

Natürlich, klar, LOGO: Dies ist schlimmstenfalls eine krasse Verallgemeinerung und bestenfalls eine Tendenz. Aber eine spontane Umfrage in der Redaktion scheint die These vorerst zu bestätigen: «Ich mag nun mal in den Ferien keine Schweizer treffen», sagt eine Redaktionskollegin achselzuckend. Oder der Kollege aus dem Auslands-Ressort: «Seit ich auf meiner ersten grossen USA-Reise 1989 an den unmöglichsten Orten Schweizerdeutsch gehört habe, bin ich dagegen allergisch.»

Eine weitere Kollegin führt etwas genauer aus:

«Irgendwie habe ich keine Lust, im Ausland mit Schweizern abzuhängen. Da will ich, wenn schon, neue Kulturen kennenlernen. Dazu kommt noch die Sache mit der Verbindlichkeit: Kann ich mit Renate und Karli ein Glas Wein trinken am Montag, ohne den Rest der Woche mit ihnen auf beste Freunde machen zu müssen? Werde ich sie je wieder los?»

Und schon beliefern mich etliche weitere Kollegen mit Bonmots und Anekdoten. Und ich stelle fest: Ja, irgendwas ist da dran. Eine interessante, etwas reflektiertere Erklärung gibt's vom Walliser Pultnachbarn:

«Wir kommen halt aus der kleinen, übersichtlichen Schweiz. Da ist die Chance gross, dass man – egal wo man hingeht – jemanden kennt: eine ehemalige Lehrperson, einen Arbeitskollegen oder eine Arbeitskollegin ... Nirgends kann man hin, ohne über einen Bekannten zu stolpern. Darum ist es doch schön, mal irgendwo hinzureisen, wo man überhaupt niemanden kennt, noch besser, wo einen auch niemand versteht. Ergo, ins Ausland in die Ferien. Deshalb habe ich keinen Bock, dort irgendwelchen Menschen zu begegnen, die mir diese wohlige Anonymität wegnehmen. Sonst gibt es noch mehr Menschen, denen ich ungeplant über den Weg laufen werde, wenn ich wieder zu Hause bin ...»
<em>Eventuell DESHALB?</em>
Eventuell DESHALB?bild: Outdoortester

Bekanntlich scheinen andere Nationen von diesem Problem weitgehend befreit: Deutsche, Italiener, Engländer, Amerikaner ... – sie alle freuen sich, in fernen Feriendestinationen auf ihresgleichen zu treffen. Oft kommt es noch am ersten Abend zum gemeinsamen Umtrunk an der Hotelbar.

Sind die Schweizer am Ende doch vielleicht ein bisschen ... bünzliger? Die Kollegin aus der Sales-Abteilung sieht es so:

«Im Ausland wollen wir Schweizer:innen für einmal vergessen, was für furchtbar kleinkarierte Bünzlis wir sind. Für ein paar Tage oder Wochen wähnen wir uns im Glauben, dass auch in unseren Adern ein bisschen südländisches Blut fliesst und wir genauso offen, spontan und locker drauf sein können wie die Locals. Wir geben uns alle Mühe der Welt, die Hotelregeln nicht ganz so ernst zu nehmen, wagen es, das Curry für einmal a little bit hot zu bestellen und versuchen uns gar im Smalltalk, wenn wir auf dem Frühstücksbuffet am anderen Ende der Welt nach Birchermüesli und Roland Zwieback suchen. Kurz gefasst, im Ausland geben wir uns WIRKLICH Mühe, die entspannteste Version unseres Selbsts zu sein! Da gibt es nichts Unerträglicheres als andere Schweizer:innen, die uns aufzeigen, was wir auch im Urlaub sind: Schweizer Bünzlis halt.»

Nun also die Frage an euch, liebe Userinnen und User (und gellet: Hand aufs Herz!):

Wie habt ihr's so mit Schweizern in den Ferien?
Die Kommentarspalte steht euch offen.

Ihr reist an eine ferne Feriendestination; am Nebentisch hat es ein Schweizer Pärli.

... und los! Zu den Kommentaren!

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Situationen, die du aus den Ferien kennst – in Grafiken

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Situationen, die du aus den Ferien kennst – in Grafiken
quelle: watson
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«Im Ausland gibt es überall nur Schweizer! Sie nerven mich!»

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291 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Matrixx
05.07.2022 12:11registriert März 2015
Die Schweizer, die du in den Ferien von weitem erblickst sind meistens die Schweizer, die du zu hause auf keinen Fall als Nachbar haben willst...
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Gandalf-der-Blaue
05.07.2022 11:50registriert Januar 2014
Ich finds unproblematisch und wenns passt, dann passts. Muss ja nicht mit allen Schweizern im Ausland gleich anstossen, aber ein kurzer Gruss, ein Lachen - das ist doch easy! Dieses krampfhafte ausweichen und wegdrehen ist doch irgendwie auch kindisch, oder?
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lily.mcclean
05.07.2022 11:56registriert Juli 2015
Im Urlaub sprechen wir so gut es geht ausschliesslich Romanisch damit auch die Deutschen o. Östereicher nicht auf die Idee kommen uns ansprechen zu wollen 🤣

Der Hauptgrund warum ich allgemein nicht möchte das ich als Schweizerin erkannt werde ist das man je nach Land das man besucht dann gleich das doppelte bezahlen muss oder man sogar noch schlimmer abgezockt wird. Mit dem romanisch realisieren die meisten nicht mal das wir europäer sind 🤣🤷‍♀️
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«Nope» von Jordan Peele ist ein Feuerwerk, das virtuos furzt, statt vollends zu betören
Gut, auch virtuoses Furzen ist eine Unterhaltungskunst, die man nicht gering schätzen darf. SPOILERWARNUNG: Wer rein gar nichts über den Film wissen will, soll diesen Text nicht lesen.

Der Schlüssel sind die Augen. Das Auge eines Rangers, das von einer herabfallenden Münze zerschnitten wird und an das berühmteste zerschnittene Auge der Filmgeschichte erinnert, das aus dem surrealen Kurzfilm «Un chien andalou» von Luis Buñuel und Salvador Dalí.

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