DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Herausgeschnittene «Tatort»-Szene sorgt für Wirbel

Boerne und Thiel ermittelten bereits zum 39. Mal gemeinsam im «Tatort». Für Jan Josef Liefers' Rolle war es ein besonderer Einsatz, denn gegen ihn gab es einen Plagiatsvorwurf. Und genau darum gab es Diskussionen.
03.05.2021, 09:1903.05.2021, 13:43
Jan Josef Liefers kann am Ende aufatmen.
Jan Josef Liefers kann am Ende aufatmen.Bild: Wdr
Ein Artikel von
t-online

Jan Josef Liefers und Axel Prahl hat es als Ermittlerduo Boerne und Thiel am Sonntagabend in eine schräge Community mit Hippie-Touch, Bauwagen und Alpakas verschlagen. In «Rhythm and love» wurde das junge Aktmodell Maik Koslowski, Mitglied der spirituell angehauchten Kommune «Erlenhof», tot aufgefunden und die Münsteraner Kult-Ermittler hatten alle Hände voll zu tun.

Neben der detektivischen Arbeit war es vor allem eine persönliche Herausforderung von Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne, die viel Raum in dem Sonntagskrimi einnahm. Von einem drohenden Plagiatsverfahren gegen den eitlen Professor war die Rede. Hat Boerne bei einer Forschungsarbeit von einem renommierten Kollegen abgekupfert? Und wer ist dieser Kollege eigentlich?

Prof. Dr. Michael Tsokos von der Charité spielt Gastrolle

Ein gewisser Professor Thomsen wird erwähnt, doch nicht gezeigt. Nur in einer klitzekleinen Einstellung ist eine Silhouette des Herren zu erkennen, als er Boerne in der Rechtsmedizin besucht und die Vorwürfe aus der Welt schafft. Das war ursprünglich anders geplant, wie nun herauskam. Denn: Prof. Dr. Michael Tsokos, Leiter der Rechtsmedizin an der Charité in Berlin, hat sich für eine Gastrolle beim « Tatort » anheuern lassen – unentgeltlich. Doch Tsokos war für einen grösseren Auftritt am Set des ARD-Krimis und spielte mehr als diese eine Mini-Szene.

«Wo fängt Zensur an?», beginnt der Professor einen Instagram-Beitrag am Sonntag und erklärt dort, wie es zu der kuriosen Kürzung kam. «Ok, es war keine hohe Schauspielkunst und nicht vergleichbar mit den Hauptdarstellern des Münsteraner Tatorts, aber das ist nicht der Grund», so Tsokos, der anschliessend die Entscheidung des Senders wiedergibt: Seine Serie «Obduktion», die im Privatfernsehen gezeigt wird und ebenfalls mit Jan Josef Liefers geplant ist, sei schuld. Die ARD erfuhr erst im Nachhinein von der Produktion und wollte unfreiwillige Werbung für das Format verhindern.

Anfangs zeigt der Professor der Charité dafür kein Verständnis. Er schimpft: «Im Ernst, das ist die Begründung! Die mir aber natürlich nicht ins Gesicht gesagt wurde, sondern (feige?) hintenrum kommuniziert wurde.» Und es wird noch dramatischer im Ton: «Gerade in einer Zeit wie heute, in der potenzielle Meinungsmache öffentlich-rechtlicher Sender immer wieder hinterfragt wird (und auch hinterfragt werden muss!), damit die GEZ-finanzierten Sender nicht endgültig zu einer Art Staatsfernsehen verkommen – was wir bekanntlich schon einmal in einem deutschen Staat hatten – halte ich so ein Agieren für gefährlich.»

Eine Gastrolle, eine gekürzte Version und ein renommierter Professor, der von «Staatsfernsehen» spricht: Selten hat eine geschnittene «Tatort»-Szene für derart viel Wirbel gesorgt. Doch nach etwa drei Stunden legt sich die allgemeine Anspannung etwas und Michael Tsokos beschwichtigt auf Instagram mit einem neuen Post.

Er zeigt den Screenshot einer WDR-Antwort und ergänzt in seinem Kommentar: «Da hat er WDR aber schnell reagiert und ich rechne es den Verantwortlichen hoch an, dass Sie hier nichts unter den Tisch fallen lassen.» Tsokos wendet sich allerdings an einige Kommentatoren, die ihn in die «rechte Ecke» gesteckt hatten nach seinen Aussagen gegen die öffentlich-rechtlichen Sender. Das sei «wirklich das Allerletzte von einigen, die meinen letzten Post entsprechend kommentiert haben». 

«Diesen ganzen Blindfischen, die völlig verblendet sind, kann man sowieso nichts recht machen», schreibt er abschliessend und erklärt, sich nun wieder vor allem zur Rechtsmedizin zu äussern. Seinen ersten «Tatort»-Auftritt hatte er sich wohl anders vorgestellt. 

(sow/t-online)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

«Tatort» im Kino: Tschillen ist nicht

1 / 12
«Tatort» im Kino: Tschillen ist nicht
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So reagiert das Publikum auf den neuen Schweizer «Tatort»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

31 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
R10
03.05.2021 10:24registriert Juli 2016
Ich hab den Artikel jetzt ungefähr 3x gelesen und verstehe die Aufregung immer noch nicht. Überall Zensur zu schreien ist genauso dämlich, wie eine beleidigte Leberwurst in die rechte Ecke zu stellen.

Schönen Tag euch allen ✌️
2179
Melden
Zum Kommentar
avatar
bbelser
03.05.2021 10:35registriert Oktober 2014
Schittstürmchen im Wassergläschen...
1232
Melden
Zum Kommentar
avatar
G͓͚̼u͇̠̞g̻͚͔i̺̘̘
03.05.2021 10:17registriert August 2015
Es schreit Mal wieder einer "Zensur!" und "Staatsfunk!", ohne den geringsten Anlass dafür... Prof. Dr. Zokos soll sich bitte ein Hobby suchen.
8920
Melden
Zum Kommentar
31
Boris Becker beschwert sich nicht über Gefängnisleben

Dem in London inhaftierten Ex-Tennisprofi Boris Becker geht es nach Angaben seines langjährigen Anwalts Christian-Oliver Moser den Umständen entsprechend gut.

Zur Story