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«Island Boy»: Der beste, schlechteste Ohrwurm des Jahres

27.10.2021, 17:3127.10.2021, 18:01

Immer wenn man denkt, man habe alles gesehen, wird man eines Besseren belehrt. Das Bessere heisst in diesem Fall «Island Boy» und ist ein einminütiges «Freestyle-Rap»-Video der beiden Zwillingsbrüder Flyysoulja und Kodiyakredd aus Florida, USA. Ob es sich dabei um Freestyle und Rap handelt, sei dahingestellt. Aber unter diesem Label läuft das Video.

Die Island Boys:

Abwechslungsweise stolpern die beiden über ihre eigenen Zeilen, das Gejaule erinnert an geprügelte Hunde. Doch das verhindert den Erfolg nicht.

Video geht viral

Innerhalb von zwei Wochen kriegten sie dafür 300'000 Likes, die Parodien schiessen wie Pilze aus dem Boden. Und bei aller Kritik für das unverständliche Gemurmel und die schiefen Töne: Die «Melodie» saugt sich im Hirn fest wie ein Krake. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der «Song» tatsächlich produziert wird und dann vermutlich sogar in den Charts auftaucht.

Ist das noch Kunst?

Trotzdem fragt sich der neutrale Beobachter: Ist das noch Kunst oder eher die Folge von suchtartigem Tablettenkonsum? Und geht es hier überhaupt um Musik? Oder sehen wir hier die 2021er Version der Freakshow, die früher mit den Jahrmärkten mitzog, um die Leute mit dem guten Gefühl zurückzulassen, doch ganz okay und ansehnlich zu sein?

Auf jeden Fall ist es faszinierend.

So wie auch «Tiger King» faszinierend war: Als Einblick in soziale Schichten, zu denen man sonst keinen Zutritt hat. Im Fall der «Island Boys» heisst diese Schicht «Florida Man». Der Ausdruck entstand, weil der «Florida Man» immer wieder im Zusammenhang mit bizarren Geschichten in den Medien auftauchte.

«Betrunkener Florida-Mann benutzt Taco als ID, nachdem sein Fahrzeug bei Taco Bell in Flammen aufgeht.»
«Betrunkener Florida-Mann benutzt Taco als ID, nachdem sein Fahrzeug bei Taco Bell in Flammen aufgeht.»
«Florida-Mann verhaftet, weil er sich an eine Ampel hangelt und auf vorbeifahrende Autos kackt.»
«Florida-Mann verhaftet, weil er sich an eine Ampel hangelt und auf vorbeifahrende Autos kackt.»
«Florida-Mann kidnappt Wissenschaftler, um seinen Hund unsterblich zu machen.»
«Florida-Mann kidnappt Wissenschaftler, um seinen Hund unsterblich zu machen.»

Hier gibt es weitere Florida-Man-Schlagzeilen.

Begleitet werden die unfassbaren Florida-Man-Storys jeweils mit Polizeifotos. Von denen gibt es auch von Flyysoulja und Kodiyakredd zur Genüge. Die kriminelle Karriere von Alex und Frank Venegas, wie die beiden mit bürgerlichem Namen heissen, begann schon in frühen Jahren.

Das sind die beiden Rapper:

Alex Venegas alias flyysoulja.
Alex Venegas alias flyysoulja.
Frank Venegas alias kodiyakredd.
Frank Venegas alias kodiyakredd.

Nach ein paar Gefängnisaufenthalten haben sie sich nun aber entschieden, Rapper zu werden. Das war vor wenigen Monaten. Unter ihren Künstlernamen betreiben sie nun diverse Social-Media-Kanäle – und das mit ziemlichem Erfolg. Bereits vor dem «Durchbruch» mit «Island Boys» verzeichneten sie mehrere hunderttausend Follower auf TikTok. Ihr Song «Rain» schaffte über eine Million Klicks auf YouTube.

Und so lautet die unglaubliche Florida-Man-Story von heute: Talentfreie Social-Media-Typen landen viralen Hit. Wobei. Ist die Story wirklich so unglaublich?

Zum Schluss noch dies: Wer nun glaubt, die Zwillinge müssten eigentlich «Peninsula Boy» «singen», weil Florida ja eine Halbinsel ist, der irrt. Die Eltern der Venegas stammen aus Kuba. So simpel sind die beiden dann doch nicht.

Werden wohl irgendwann in den Charts auftauchen: Die Island Boys im Remix.Video: YouTube/The Kiffness

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Video: watson/Aya Baalbaki
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quelle: pixabay.com/thomaswhitaker
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