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Musig im Pflegidach

Miguel Zenón & Luis Perdomo @ Musig im Pflegidach, Muri

Miguel Zenón & Luis Perdomo @ Musig im Pflegidach, Muri
christoph biegel

Wie ein Kreislauf der Klänge, rund und endlos

Ein Konzert, das die Grenzen des Jazz sprengte: Am vergangenen Sonntagabend, im Pflegidach Muri, sorgten der Saxophonist Miguel Zenon und Pianist Luis Perdomo für eine kraftvolle Performance, welche lateinamerikanische Rhythmen bis hin zu subtilen Klängen des Jazz umfasste.
17.03.2023, 14:32
Sara Ellaisy
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Die Melodien des Saxophons und des Pianos durchdrangen den Saal und versetzten das Publikum bereits nach den ersten Tönen in eine angenehme Hypnose. Sogar ein Mitbewegen des Körpers konnte von den Zuschauer*innen nicht zurückgehalten werden. Gleich nach einer Danksagung von Stephan Diethelm, dem Organisator der Pflegidach- Konzerte, betraten der puerto-ricanische Saxophonist Miguel Zenon und der venezolanische Pianist Luis Perdomo die Bühne. Der Schauplatz war nicht wie gewöhnlich aufgebaut, sondern hatte zur kreativen Abwechslung eine kreisförmige Anordnung. Die Zuschauer waren rund um die Auftretenden platziert und konnten die Aufführung aus nächster Nähe geniessen. Die Bühne ermöglichte es den Musikern, in alle Richtungen zu spielen und das Publikum aus verschiedenen Perspektiven zu erreichen

Hinweis
Die Autorin ist Schülerin an der Kantonsschule Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schülerinnen und Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Es war eine Nacht, in der sich die Grenze zwischen Musik und Magie aufzulösen schien. Als die beiden Musiker den Raum betraten und zur Bühne gingen, richteten sich alle Blicke/Augen direkt auf Zenons goldglänzendes Saxophon, das das Licht der Scheinwerfer reflektierte und fast wie ein Schmuckstück wirkte. Nach sanftem Nicken und einem breiten Lächeln begann der Abend direkt mit einem energetischen Stück namens «La Vida es un sueño» («Das Leben ist ein Traum»). Voller Leidenschaft bewegte sich Miguel zum Takt der Musik und fesselte das Publikum mit seinem phänomenalen Auftritt. Luis begleitete ihn am Klavier und sorgte mit geschickten Fingern für eine harmonische Ergänzung. Die Töne wechselten zwischen schnellen und aggressiven Soli ab, bis hin zu ruhigen und emotionalen Passagen.

Miguel Zenón & Luis Perdomo ::: El Arte Del Bolero - "Caballo Viejo" @ musig im pflegidach, Muri

Rhythmen aus der Heimat

Die puerto-ricanischen Rhythmen waren an diesem Abend stark erkennbar. Die Fähigkeit, Einflüsse aus der Heimat der Komponisten in die Musik zu integrieren, führte weit in ihre Kindheit zurück. Die Latinoamerikaner teilten bereits früh eine unbeschreibliche Faszination für den Jazz. Miguel wuchs in einem kleinen Dorf in Puerto Rico auf, wo er schon früh in Kontakt mit der traditionellen Musik und insbesondere dem Jazz kam. Jedoch war es ein Konzert von Charlie Parker, das ihn dazu inspirierte, eine Karriere als Jazzmusiker zu verfolgen. Luis hingegen entdeckte seine Liebe zum Jazz erst an einem späteren Zeitpunkt seines Lebens. Aufgewachsen in Venezuela, weckte damals eine Gruppe von Musikern seine Leidenschaft. Genau dieses Potenzial hat das Duo am vergangenen Sonntagabend genutzt, um die Rhythmen ihrer Heimat in eine moderne Musikform zu bringen.

Interaktion ohne Augenkontakt

Nach einigen Stücken fiel auf, wie stark das Zusammenspiel der beiden, trotz des seltenen Augenkontaktes, war. Als würden sie sich auf eine telepathische Weise ergänzen. «Es liegt eine 20-jährige musikalische Geschichte hinter uns, weshalb wir uns mittlerweile blind verstehen», so Perdomo. «Wir wissen, was der andere macht und wohin die Musik fliesst.» Als Zenon spielte, fiel besonders auf, dass er während des gesamten Konzerts seine Augen geschlossen hielt. «Es hilft mir, mich in die Musik einzufühlen und tiefer in den Moment einzutauchen», erwähnte der Saxophonist beim Interview.

«Champagner zum Zmorge»

Für das Duo konnte der Abend nicht besser laufen, insbesondere für Perdomo, der den Abend seines Geburtstages mit gutem Gewissen ausklingen liess/abschliessen konnte. Nach einer kurzen Unterbrechung erzählte Zenon, sein 52 gewordener Duo-Partner habe einen aussergewöhnlichen Start mit Champagner zum Frühstück gehabt. Zudem gab es für ihn noch ein Geburtstagsständchen mit Applaus. Speziell wurde das letzte Stück, welches ursprünglich aus Venezuela stammt, Perdomo persönlich gewidmet. Die Mischung aus Jazzklängen und Geburtstagsstimmung der beiden Musiker hatten das Publikum restlos begeistert, so dass ein letzter kräftiger Applaus nicht ausblieb.

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