Der Schweizer Kurzfilm «Parvaneh» hat den Oscar in der Kategorie «Live Action Short Films» verpasst. Die Auszeichnung bei den 87. Academy Awards in der Nacht auf Montag ging an das Werk «The Phone Call» von Mat Kirkby and James Lucas.
«And the Oscar goes to ‹The phone Call›», hiess es um 03.25 Uhr (Schweizer Zeit) im Dolby Theatre in Los Angeles. Die Schweizer Filmemacherin Talkhon Hamzavi, ging diesmal leer aus. Sie war mit dem 24-minütigen Film «Parvaneh» im Rennen.
Siit mir das leider nöd hend chöne uf de bühne mache: we want to thank the academy, zürcher hochschule der künste, the great crew, swiss fil
— ZHdK (@zhdk) February 23, 2015
... damn... twitter isch sogar kürzer als die 40sek uf de oscarbühni.drum: danke allne wo parvaneh unterstützt hend. it was a awesome ride!
— ZHdK (@zhdk) February 23, 2015
«Wir sind ehrlich gesagt schon ziemlich enttäuscht», sagte Produzent Stefan Eichenberger nach der Preisverleihung gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Zusammen mit der Regisseurin Talkhon Hamzavi und der Hauptdarstellerin Nissa Kashani wohnte er der Preisverleihung bei.
Zwar liege die Chance für den Sieg bei fünf Nominierten theoretisch bei 20 Prozent. Doch mit einer umfangreichen Kampagne hätten sie im Vorfeld versucht, den Bekanntheitsgrad des Filmes bei den Academy-Mitgliedern zu steigern. «Wir sind Anfang Februar bereits ein erstes Mal nach Los Angeles gereist und haben Pressetermine wahrgenommen und öffentliche Screenings organisiert», sagte Eichenberger.
Zudem hätten sie die Adressliste der Academy erworben, um den Mitgliedern ein Mailing zum Film zukommen zu lassen. Denn: «Es ist extrem wichtig, in den Nebenkategorien überhaupt wahrgenommen zu werden.»
Dass am Ende mit «The Phone Call» ein anderer Film das Rennen machte, führte Eichenberger auf drei Hauptgründe zurück. Erstens sei der Film englisch, während die Academy-Mitglieder bei «Parvaneh» mit Untertiteln konfrontiert seien.
Zweitens stamme der Siegerfilm aus Grossbritannien, ein Land mit einem grossen Anteil an Academy-Mitgliedern. Und drittens sei die Hauptdarstellerin Sally Hawkings eine preisgekrönte Schauspielerin. «Für diesen Film zu stimmen war wohl die einfachste Wahl», sagte Eichenberger.
Sie hätten dagegen mit einer Regisseurin und einer weiblichen Hauptrolle auf den Trumpf «Frauenfilm» gesetzt und auf die weibliche Unterstützung in der Jury gehofft. «Meryl Streep hat sich für unseren Film eingesetzt.» Hauptdarstellerin Kashani habe auch ein längeres Gespräch mit der US-Schauspielerin geführt.
Zwar suche weder er noch Regisseurin Hamzavi die Filmwelt Hollywoods, dennoch sei der Oscar-Wettbewerb spannend gewesen. Ihm hätte es vor allem gezeigt, wie anders in der US-Industrie Filme wahrgenommen würden. «In der Schweiz sehen sich Filmschaffende als Kulturschaffende. In Hollywood ist es ein knallhartes Business.»
Der Kurzfilm «Parvaneh» war einer von fünf nominierten Filmen in der Kategorie «Live Action Short Films». Parvaneh, gespielt von Nissa Kashani, lebt in einem Durchgangszentrum in den Schweizer Bergen. Als sie von der Krankheit ihres Vaters erfährt, reist sie zum ersten Mal nach Zürich, um ihrer Familie Geld zu schicken. Dies ist der Beginn einer Reihe unterschiedlichster Begegnungen. Verloren in der Grossstadt und in einer fremden Kultur, lernt sie ein Punkmädchen kennen, zu dem sich eine zarte Freundschaft entwickelt.
Mit dem Werk hatte die 1979 im Iran geborene und in der Schweiz aufgewachsene Filmemacherin Hamzavi 2012 ihr Masterstudium Film an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) abgeschlossen.
Entsprechend stolz äusserte sich ZHdK-Rektor Thomas D. Meier in einer Mitteilung: «Eine Oscar-Nomination ist eine der grössten Auszeichnungen, die es im Filmbusiness zu gewinnen gibt.» Die ZHdK habe den Rahmen dafür geboten, dass ein international erfolgreicher Film entstehen konnte.
Die Schweiz muss somit weiter auf einen Oscar warten. Zuletzt wurde vor 25 Jahren das Werk eines hiesigen Künstlers von der Academy in Hollywood ausgezeichnet. 1990 hatte Xavier Koller mit «Reise der Hoffnung» einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewonnen.
Ein anderer Schweizer Oscarpreisträger wurde im Rahmen der Gala vom Sonntag geehrt: In Memoriam gedachte die Filmgemeinde unter anderem dem Schweizer Künstler H.R. Giger, der im vergangenen Mai 74-jährig verstorben ist. Der Erschaffer des extraterrestrischen Wesens «Alien» für Ridley Scotts gleichnamigen Film (1979) hatte 1980 einen Oscar gewonnen. (sda)
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