Schweiz
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ARCHIV --- Ein Feuerwehrauto in Rupperswil AG, wo ein Brand in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus vier Tote forderte, am Montag, 21. Dezember 2015. Alle vier Menschen, die am Montag in Rupperswil AG nach einem Brand tot in einem Wohnhaus aufgefunden wurden, sind Opfer eines Kapitalverbrechens. Sie wurden erstochen. Der Brand wurde absichtlich gelegt. Die Opfer sind noch nicht identifiziert. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

A fire truck stands in front of a family home were four bodies have been found in Rupperswill, Switzerland, Monday, December 21. The police confirmed on December 22 that the four people have been stabbed and the fire has been set. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Mordfall Rupperswil: In diesem Mehrfamilienhaus fand man die vier Toten. Bild: KEYSTONE

Mordfall Rupperswil: Warum trotz Geständnis noch kein Gerichtstermin feststeht

Der geständige Tatverdächtige Thomas N. sitzt in Lenzburg hinter Gittern. Wann kommt es zum Prozess? Erstmals äussert sich die Staatsanwaltschaft dazu.

mario Fuchs / Aargauer Zeitung



Am Mittwoch, dem 21. Dezember, jährt sich das Tötungsdelikt von Rupperswil zum ersten Mal. Der 33-jährige Thomas N. aus Rupperswil ermordete in einem Doppel-Einfamilienhaus Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona F. (†21). Nach dem mutmasslichen Mörder hatten die Ermittler monatelang gesucht, Tag und Nacht. Am 13. Mai konnten sie schliesslich den Durchbruch vermelden: N. wurde in Aarau verhaftet. Er hatte im Haus seiner Mutter gewohnt, nur 500 Meter vom Tatort entfernt. Aktuell befindet er sich in Untersuchungshaft.

Thomas N., mutmasslicher Mörder von Rupperswil, bild: Tele M1

Thomas N. soll die Morde begangen haben. foto: Tele M1

Die brennendste Frage: Wann kommt es zum Prozess? Wie AZ-Recherchen zeigen, wurde der polizeiliche Untersuchungsbericht bereits im Sommer abgeschlossen. Was verzögert die Ansetzung des Gerichtsverfahrens also jetzt noch?

«Wir gehen davon aus, dass der Fall wie der vorliegende prioritär behandelt wird.»

Daniel von Däniken, Oberstaatsanwalt

Untersuchungen sind weit fortgeschritten

Grundsätzlich beantwortet die Staatsanwaltschaft keine Fragen zum laufenden Untersuchungsverfahren. Interviewanfragen werden freundlich, aber bestimmt abgelehnt. Man will – gerade um den bevorstehenden Jahrestag herum – Rücksicht auf die Angehörigen nehmen. Zudem könnte die Staatsanwaltschaft im Prozess von der Verteidigung als befangen kritisiert werden, weil ihr Vorabinformationen in den Medien als Stimmungsmache ausgelegt werden könnten.

Die AZ konnte aber einige Fragen schriftlich stellen – und erhielt von Oberstaatsanwalt Daniel von Däniken schriftliche Antworten. Die Untersuchungen seien insgesamt «weit fortgeschritten, aber noch nicht ganz abgeschlossen», schreibt von Däniken. Dies vor allem, weil die psychiatrische Begutachtung des Beschuldigten noch nicht abgeschlossen sei. Wann Anklage erhoben werden könne, hänge davon ab, wann die psychiatrische Begutachtung abgeschlossen sei.

Gerichtstermin wohl im nächsten Jahr

Die Priorisierung von verschiedenen Gutachteraufträgen liege im Ermessen des Gutachters, der naturgemäss mehrere Aufträge gleichzeitig zu erfüllen habe und nicht die ganze ihm zur Verfügung stehende Zeit nur an einem Gutachten arbeite – so wie auch ein Staatsanwalt mehrere Fälle gleichzeitig bearbeite. Von Däniken betont aber auch, man gehe davon aus, «dass ein Fall wie der vorliegende prioritär behandelt wird»

«Die Einschätzung, dass innerhalb des Jahres 2017 mit einer Anklage und einem Gerichtstermin zu rechnen ist, erachten wir als realistisch.»

Mit dem Fall vertraute Personen gehen von einem Gerichtstermin im nächsten Jahr aus. Ist das auch in den Augen der Staatsanwaltschaft eine gute Prognose? Von Däniken: «Die Einschätzung, dass innerhalb des Jahres 2017 mit einer Anklage und einem Gerichtstermin zu rechnen ist, erachten wir als realistisch, wollen uns jedoch nicht darauf behaften lassen, da auch Unvorhergesehenes nie ganz ausgeschlossen werden kann.»

HANDOUT - Ein Rucksack, Kabelbinder, Tape, eine alte Armeepistole und Stricke, welche beim Taeter im Vierfachmord Rupperswil sichergestellt worden sind, werden am Freitag, 13. Mai 2016 an der Medienkonferenz der Aargauer Polizei und Staatsanwaltschaft praesentiert. Der Vierfachmord vom 21. Dezember 2015 im aargauischen Rupperswil ist geklaert. Die Polizei hat den mutmasslichen 33-jaehrigen Taeter gefasst. Hinter der Tat stehen finanzielle und sexuelle Motive, wie die Staatsanwalt und Polizei vor den Medien mitteilten. Am 21. Dezember 2015 wurden in einem Einfamilienhaus in Rupperswil AG eine 48-jaehrige Frau, deren Soehne im Alter von 13 und 19 Jahren sowie die 21-jaehrige Freundin des aelteren Sohnes brutal getoetet. Die Opfer waren mit Kabelbindern gefesselt. Sie wiesen Stich- oder Schnittverletzungen auf. Ein vorsaetzlich gelegter Brand im Haus der Familie sollte die Spuren verwischen. (KANTONSPOLIZEI AARGAU) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Ein Rucksack, Kabelbinder, Tape, eine alte Armeepistole und Stricke stellte die Polizei beim mutmasslichen Täter im Vierfachmord Rupperswil sicher. Bild: KAPO AG

Thomas N. hatte schon kurz nach der Verhaftung ein umfassendes Geständnis abgelegt. Erleichtert dies der fallführenden Staatsanwältin Barbara Loppacher die Arbeit? Von Däniken betont, die Würdigung der in einem Strafverfahren vorliegenden Beweise – unter anderem ein Geständnis, aber auch Zeugenaussagen etc. sei Aufgabe des Gerichts.

«Die Aufgabe der Staatsanwaltschaft ist es, diese Beweise zu sammeln.» Da es immer wieder vorkomme, dass Geständnisse widerrufen werden können, dürfe sich die Staatsanwaltschaft die Arbeit nicht leichter machen, wenn ein Geständnis vorliege, sondern müsse die übrigen Beweise genau so seriös zusammentragen, wie wenn keines vorliegen würde.

Keine Informationen bis zum Prozess

Zur Frage, ob nebst dem Beschuldigten Thomas N. auch gegen andere Personen eine Untersuchung geführt wird, nimmt die Staatsanwaltschaft keine Stellung.

Die Pflichtverteidigung von Thomas N. hat die Badener Rechtsanwältin Renate Senn übernommen. Kurz nach Ankündigung des Mandats im Frühling hatte sie erklärt: «Die Tat erschüttert und macht auch mich zutiefst betroffen» – und sie werde bis zum Gerichtsprozess keine Informationen in die Öffentlichkeit tragen. Dies hält sie weiterhin so, wie eine Nachfrage bestätigt. Senn schreibt, sie müsse leider mitteilen, «dass ich bis auf weiteres keine Auskünfte gebe, weder zu meinem Klienten noch zum Stand des Verfahrens».

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