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Gesellschaft & Politik

SRG-Halbierungsinitiative: Darum kämpft die SVP nur halbherzig dafür

Darum kämpft die SVP nur halbherzig für die SRG-Halbierung

Ein Erfolg am 8. März scheint für die Volkspartei in Griffnähe. Aus zwei Gründen legt sie sich aber nicht voll ins Zeug.
19.02.2026, 22:2919.02.2026, 22:29
Francesco Benini

Das Nein-Komitee verstärkt seine Präsenz. Täglich treten Sportlerinnen, Sportler und Kulturschaffende mit Testimonials auf, in denen sie vor einer deutlichen Kürzung der Mittel für die SRG warnen.

Und vormalige SRF-Moderatoren zeigen nun in einem knapp zweiminütigen Film, was die Folgen eines Ja am 8. März wären: Die «Arena» würde künftig per Videokonferenz produziert, in der die Technik versagt. Im Fernsehquiz kämpfen die Teilnehmer derweil um ein Preisgeld von zehn Franken.

Das Engagement bleibt begrenzt: SVP-Nationalrat Thomas Matter.
Das Engagement bleibt begrenzt: SVP-Nationalrat Thomas Matter.bild: keystone

Der Humor ist zuweilen ein wenig angestrengt, aber der Kurzfilm wird beachtet. Die Gegner der Halbierungsinitiative treten aktiv auf. Ihre Plakate sind überall in der Schweiz zu sehen. Und die Befürworter? Originelle Ideen setzen sie keine um. Sie haben rund halb so viel Geld gesammelt wie die Gegner: Zwei Millionen Franken setzt das Ja-Lager ein, vier Millionen die Kontrahenten.

Die Abstimmung im Juni interessiert mehr als die im März

Der Schweizerische Gewerbeverband macht zwar in den sozialen Medien mit kurzen Stellungnahmen von Vertretern kleiner und mittlerer Unternehmen auf sich aufmerksam: Darin legen sie dar, warum es aus ihrer Sicht ungerecht ist, dass ihre Betriebe die Medienabgabe entrichten müssen. Die SVP hingegen engagiert sich bisher nur zurückhaltend.

Warum? Die Umfragen sagen ein knappes Rennen voraus. Müsste sich da eine Partei nicht stärker ins Zeug legen?

Gespräche mit Exponenten der Volkspartei zeigen zweierlei: Die angefragten Politiker wollen nicht namentlich genannt werden. In der Sache sind sie sich aber einig: Ja, man könnte mehr tun. Aber der 8. März sei für die SVP nicht so wichtig.

Eine einflussreiche Stimme aus der Partei meint: Zentral für die SVP sei das Thema Zuwanderung. Darum stehe die Abstimmung über die 10-Millionen-Schweiz vom kommenden Juni im Vordergrund. Für diesen Kampf gelte es, die Kräfte zu bündeln.

«Nehmen wir an, wir sind im März erfolgreich mit der 200-Franken-Vorlage – was geschähe dann?», fragt der Bundesparlamentarier. Und gibt die Antwort gleich selber: Die Schweiz sei stets auf einen gewissen Ausgleich bedacht. Ein Ja im Frühling lasse eine Gegenbewegung im folgenden Sommer erwarten, also eine besonders starke Mobilisierung des Mitte-Links-Lagers gegen die Zuwanderungsvorlage. «Das liegt nicht in unserem Interesse.»

Der Politiker sagt, dass ihm 48 Prozent Ja-Stimmen am 8. März beim SRG-Thema recht wären. Das könnte man als Achtungserfolg werten. Und es würde die wichtigeren Abstimmungskämpfe später im Jahr nicht beeinträchtigen.

Ein anderer SVP-Parlamentarier kommt zu einem ähnlichen Schluss. «Grundsätzlich ist es für die künftige Mobilisierung in einer Partei besser, wenn man eine Volksabstimmung knapp verliert», sagt er.

In dieses Bild passt das Verhalten des Parteivaters Christoph Blocher. Er redet in seiner Online-Talkshow «Tele Blocher» oft über die neuen Verträge mit der EU, über die Zuwanderung in die Schweiz und über seine Neutralitätsinitiative. Die SRG-Vorlage beschäftigt ihn hingegen nicht. Er greift nicht ins Portemonnaie, um den Abstand zur Nein-Kampagne zu verringern. Schriftlich zugestellte Fragen zur Halbierungsinitiative lässt Blocher unbeantwortet.

Thomas Matter hat an Podium zur SRG schweren Stand

Ein Ja im März könnte Fortschritte in Dossiers erschweren, die der Partei wichtiger sind. Das erklärt einen Teil der Zurückhaltung in der SVP. Hinzu kommt ein zweiter Grund: Die Partei pflegt ihre Feindbilder. Der Rundfunk eignet sich dafür. Er macht Fehler, man kann ihn attackieren, und die Verantwortlichen der SRG sind zu Zurückhaltung verpflichtet. Die Kritik an den öffentlich finanzierten Sendern dient der Profilierung der SVP.

Müsste der Rundfunk sein Budget bald stark reduzieren, das Programmangebot verkleinern und viele Hunderte Angestellte entlassen – die SRG wäre als Zielscheibe weniger geeignet als heute. Es ergäbe keinen Sinn, sie weiter unter Druck zu setzen.

Am Dienstagabend trat der SVP-Kampagnenleiter Thomas Matter im Zürcher «Kaufleuten» an einem Podium zur Halbierungsinitiative auf. Nationalrat Matter hatte einen schweren Stand. Das Publikum im Saal bedachte fast jede Wortmeldung der Gegner mit Applaus – manche Äusserungen des SRG-Kritikers wurden hingegen mit einem Raunen und gar mit Pfiffen quittiert.

Susanne Wille, Generaldirektorin der Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, Jonas Lüthy, Präsident der Jungfreisinnige und Co-Präsident des Initiativkomitees, sowie Thomas Matter, National ...
Susanne Wille, Generaldirektorin der Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG, Jonas Lüthy, Präsident der Jungfreisinnige und Co-Präsident des Initiativkomitees, sowie Thomas Matter, Nationalrat der SVP und Co-Präsident des Initiativkomitees, sprechen an einer Podiumsdiskussion.bild: keystone

Die SVP hatte es versäumt, ein paar Leute aufzubieten, die akustisch dagegenhalten und dem SVP-Politiker Applaus spenden. Das ist ein Fehler, den Parteien nur begehen, wenn sie ein Thema nicht als prioritär einstufen. Unter Exponenten des Gewerbeverbandes sorgt das für Ernüchterung. Der Verband will sämtliche Unternehmen in der Schweiz von der Medienabgabe befreien. Ein Vertreter sagt, das Ziel sei in Griffnähe. Aber solange die SVP die Hände in den Schoss lege, dürfte es unerreichbar bleiben.

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Die beliebtesten Kommentare
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Acai
19.02.2026 22:51registriert März 2017
Nun, ich wünsche der SVP bei beiden Abstimmungen eine Niederlage. Themen nur des Lärmes Willen zu bewirtschaften soll abgestraft werden. Und ja, über Zuwanderung haben wir oft genug abgestimmt, und geändert hat es nichts. Also wäre es endlich an der Zeit, Lösungen zu suchen, statt Phrasen zu dreschen. Günstiger Wohnraum, Lohnschutz, usw usf…
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equus asinus
19.02.2026 22:55registriert November 2023
Logisch ist das Thema nicht priorisiert. Es geht um nicht mal 200 Franken, die ein Haushalt sparen könnnte. Das ist nichts. Jährlich steigen die KK Prämien um mehr. Mwst. Erhöhung würde die meisten ebenfalls mehr treffen. Die EU Verträge auch ( je nach Betrachtungsweise in die eine oder andere Richtung)
Es gibt praktisch niemanden in diesem Land, der Ende Jahr etwas davon merken würde.
Mit dieser Abstimmung kann man nichts gewinnen.
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M.Ensch
19.02.2026 22:43registriert März 2020
Das Argument, die von Krankenkassenprämien und Mietzinsen gebeutelte Bevölkerung hätte nach einem Ja mehr Geld zur Verfügung zum Leben ist komplett lächerlich von den Initianten. Denn genau gegen die Prämien bieten dieselben null Lösungen. Und auch gegen die Mieten nichts.
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