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Nach Köln und Rupperswil: Frauen kaufen massenweise Pfefferspray

Der Angriff auf eine junge Studentin beim Spaziergang an der Aare macht betroffen. Und immer mehr Frauen wehren sich. Schon vor dem Vorfall war in Aarau regelrechter Run auf Pfeffersprays festzustellen. Nicht zuletzt nach dem Vierfachmord in Rupperswil und den Übergriffen in Köln.



Gestern machte die «Aargauer Zeitung» publik, wie eine junge Frau beim Spazieren an der Aare von einem Unbekannten niedergeschlagen wurde und nur mit viel Gegenwehr Schlimmeres verhindern konnte. Das kommt bei der Polizei offenbar nicht besonders gut an. Mediensprecher Bernhard Graser sagte gestern gegenüber Tele M1, in diesem Fall schade eine öffentliche Information: «Wir wollen den Täter fangen. Wenn er durch die Medien gewarnt wird und sein Verhalten ändert, wird das schwierig.»

Ganz anders sehen das Leserinnen: «Ich finde es verantwortungslos seitens der Polizei, dass solch ein Vorfall nicht publik gemacht wird», schreibt eine auf Facebook. «Müssen immer erst Frauen vergewaltigt werden, bevor eine Gefahrenlage öffentlich gemacht wird?». «Übel, dass wir Frauen uns bewaffnen müssen, wenn wir vor die Türe wollen», sagt eine andere. Und viele offenbaren, dass sie immer einen Pfefferspray dabei haben – ist das sinnvoll?

Spray online oder im Laden kaufen?

Pfeffersprays kann man im Internet bestellen. Sinnvoller ist aber, ihn dort zu kaufen, wo man instruiert wird, wie das Ding zu benutzen ist: in Drogerien, Apotheken – oder beim Waffenhändler. Auch «Waffen Pauli» in Aarau führt Pfeffersprays. Dort gab es in den letzten Wochen einen veritablen Run auf die Sprays – wohl wegen des Vierfachmordes von Rupperswil und der Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln. «Normalerweise verkaufen wir etwa ein, zwei Sprays pro Woche», sagt Mitarbeiterin Amanda Bär. «Anfang Jahr waren es aber mehrere pro Tag.» Mittlerweile sei die Nachfrage wieder abgeebbt. Gut möglich, dass sich das in den nächsten Tagen erneut ändert.

Auf die Frage, ob Pfeffersprays denn in jedem Fall empfehlenswert seien, erklärt Amanda Bär: «Die Modelle haben Vor- und Nachteile. Es gibt solche, die einen Sprühnebel verbreiten. Damit ist es einfacher, das Ziel zu treffen. Bei starkem Gegenwind könnte aber auch der Sprayer selber etwas abbekommen.» Das passiert bei Modellen, die einen starken, fokussierten Strahl sprühen, weniger. «Wenn aber die Zielperson eine Brille trägt, ist es schwieriger, mit diesem Spray die Augen zu treffen», sagt Bär. Sie berät deshalb Kaufinteressenten genau und zeigt ihnen die Handhabung des Pfeffersprays – allerdings nur als «Trockenübung», wie sie lachend beteuert.

Die Pfeffersprays haben noch einen weiteren Nachteil: Sie wirken nicht bei allen. Wer Drogen oder viel Alkohol konsumiert hat, reagiert unter Umständen kaum auf das Spray. Auch bei Menschen, die viel Scharfes essen, hat das Spray nur eine eingeschränkte Wirkung.

Treten und Schreien

Barbara Breitschmid, Mediensprecherin der Kantonspolizei, empfiehlt Pfeffersprays ebenfalls nur bedingt: «Einerseits können sie wirksam sein. Andererseits besteht die Gefahr, dass das Opfer selber Pfefferspray abbekommt oder ihm der Täter gar den Spray aus der Hand nimmt und ihn gegen das Opfer einsetzt.»

Gefahrlos einsetzbar seien hingegen Schrillalarme, die man in der Hosentasche mittragen kann. Bei Gefahr zieht man einen kleinen Stift aus dem Gerät, worauf dieses einen sehr lauten Alarmton von sich gibt. «Oft lassen sich Täter dadurch vertreiben», sagt Breitschmid. Auch Schreien, Treten oder Kratzen können helfen.

Besser ist es jedoch, den Angreifer gar nicht erst an sich herankommen zu lassen, sofern man die gefährliche Situation rechtzeitig bemerkt. Barbara Breitschmid rät: «Wenn man alleine unterwegs ist und eine Person sieht, der man nicht ganz traut, sollte man als erstes die Strassenseite wechseln.»

Folgt die verdächtige Person oder fühlt man sich immer noch unwohl, rät Breitschmid dazu, lieber einmal zu viel als zu wenig den Polizeinotruf 117 zu wählen. «Oft hilft es schon, sich nicht alleine zu fühlen. Die Diensthabenden in der Einsatzleitstelle sind entsprechend geschult und helfen mit, die Situation einzuschätzen. Falls nötig, schicken sie Hilfe.» (aargauerzeitung.ch)

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