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Asylunterkunft Windisch AG: Druck auf die Kantonsbehörden wächst

Eklat um Asylunterkunft Windisch AG: Druck auf die Kantonsbehörden wächst

28.02.2023, 12:08
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In diesen Liegenschaften in Windisch plant der Kanton Aargau eine Asylunterkunft – dafür erhalten fast 50 Mieterinnen und Mieter die Kündigung
Bild: Google Street View

Im Kanton Aargau wächst der politische Druck, auf die geplante Asylunterkunft in Windisch AG zu verzichten. Auf Unverständnis und Kritik stösst die Tatsache, dass wegen der geplanten Unterkunft 49 Mietende die Kündigung erhielten.

«Kurzsichtige und bornierte Scheinlösungen sind brandgefährlich», schrieb der Verein Netzwerk Asyl Aargau in einer Stellungnahme. Der Kanton verfüge über keine Strategie, wie er mit den steigenden Asylzahlen umgehen wolle. Der Kanton habe es versäumt, temporäre Kapazitäten einzurichten, die bei Bedarf schnell in Betrieb genommen werden könnten, hielt der eher linke Verein fest. Die Verteilung der Geflüchteten auf die Gemeinden habe sich in der Praxis nicht bewährt.

Auch die GLP wies darauf hin, dass es sich der Kanton bei Windisch «zu einfach mache». Es räche sich, dass der Kanton nicht vorausschauend gehandelt habe. Die kantonale SVP forderte, dass «der genaue Sachverhalt geklärt und analysiert wird». Sie sieht in der Situation ein Beispiel dafür, dass «das Asylwesen komplett aus dem Ruder gelaufen ist». Der für die Asylpolitik im Aargau zuständige Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati gehört der SVP an.

Regierung soll über die Bücher

SVP-Parteipräsident Marco Chiesa forderte seinen Parteikollegen Gallati unterdessen auf, im Fall Windisch über die Bücher zu gehen. Dieser müsse dafür sorgen, dass die Mieter in ihren Wohnungen bleiben könnten, sagte Chiesa am Dienstag dem Portal blick.ch.

Die Kantonsbehörden haben sich bisher zurückhaltend geäussert. Man wolle die bestehenden Differenzen zwischen dem Kantonalen Sozialdienst (KSD) und der Gemeinde Windisch «nicht über die Medien austragen», hiess es in einer kurzen Stellungnahme am Montagabend. Es handle sich in Windisch um «eine reguläre Anmietung zweier Altliegenschaften», deren Sanierung in nächster Zeit bevorstehe.

Online-Petition mit Medienpartnerschaft

Gleich drei Aargauer Jungparteien sind ebenfalls auf das Thema aufgesprungen. Die Jungfreisinnigen schrieben von «Staatsversagen» und von einem «Missbrauch staatlicher Gewalt». Die Jungsozialisten schrieben, es dürfe «keine Asylpolitik auf Kosten der finanziell Schwachen» geben.

Die Junge SVP lancierte eine Online-Petition. Der Regierungsrat solle die Pläne für Unterkunft stoppen. Die Petition zählte am Dienstagmittag rund 3000 Unterstützer. Das entsprechende Portal gehört dem Medienunternehmen CH Media; unter der Petition steht: «Begleitet von 'Aargauer Zeitung'». (aeg/sda)

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120 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nik G.
28.02.2023 14:06registriert Januar 2017
Der Vermieter kann dann die Wohnungen auf Staatskosten sanieren. Stellt sie für ein paar Jahren für Asylsuchende zu Verfügung und kann sie dann später teuer vermieten. Wäre nicht das erste mal wo das im Aargau passiert.
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Fred_64
28.02.2023 13:08registriert Dezember 2021
Die SVP macht sich für Mieter stark?
Nur schon das stinkt zum Himmel!
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Albert Anker
28.02.2023 12:45registriert April 2021
Viel Ärger, viel Frust.... und alles sehr verständlich was die Nöte der bisherigen Mieter betrifft. Doch sind einige Fakten dazu nicht aufgeführt. Die Liegenschaft gehört einer Firma ( somit privat) welche Kündigungen aussprechen darf. Und mit der Unterbringung von Asylbewebern steigen die Mieteinnahmen heftig. Und ganz klar: die Kündigungen wären früher oder später in jedem Falle ausgesprochen worden, um einem neuen Projekt Platz zu machen. Diese Firma hat ja erklärtermassen das Ziel, Projekte " zu entwickeln". Dad Problem für die Mieter bleibt jedoch bestehen.
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