Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Generation Netflix» lehnte No-Billag-Initiative am deutlichsten ab



Die Angst vor dem Ende der SRG war einer der Hauptgründe für die klare Ablehnung der No-Billag-Initiative. Dies geht aus der Voto-Nachwahlbefragung hervor. Ausgerechnet die Generation der «Digital Natives» stimmte am deutlichsten gegen die Abschaffung der Gebühren.

80 Prozent der 18- bis 29-Jährigen legten bei der Abstimmung vom 4. März ein Nein in die Urne, wie die Autoren der Studie am Donnerstag mitteilten. Dies, obwohl im Abstimmungskampf oft von den veränderten Mediengewohnheiten der Jungen die Rede gewesen sei. Gleichzeitig lag die Stimmbeteiligung dieser Altersgruppe mit 35 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt.

Auch bei den über 50-jährigen Stimmberechtigten kam die Initiative nicht gut an: In dieser Altersklasse lag der Nein-Anteil zwischen 69 und 73 Prozent. Die 40- bis 49-Jährigen standen dem Anliegen am positivsten gegenüber. Aber auch sie lehnten die Initiative mit 60 Prozent ab.

ZUR ABSTIMMUNG UEBER DIE NO-BILLAG-INITIATIVE AM SONNTAG, 4. MAERZ 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZU SRF, RSI, RTS UND RTR ZUR VERFUEGUNG - Un cameraman regle sa camera et prepare le plateau de l'emission A Bon Entendeur avant son tournage dans le nouveau studio high tech STIM au siege de la Radio Television Suisse, RTS, photographiee ce lundi 4 decembre 2017 a Geneve. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Die Angst vor dem SRG-Ende war entscheidend für das Nein zur No-Billag-Initiative. Bild: KEYSTONE

Service-Public-Argument entscheidend

Den Initiativ-Gegnern sei es gelungen, die Stimmbevölkerung davon zu überzeugen, dass bei einem Ja zur Initiative für die SRG «Sendeschluss» sei, heisst es in der Studie weiter. 60 Prozent hätten sich überzeugt gezeigt, dass die SRG ohne Billag-Gebühren nicht weiter hätte existieren können.

Der wichtigste Grund für ein Nein zur Initiative war denn auch der Wunsch nach dem Erhalt des Service public in allen Landesteilen (43 Prozent). Dabei spielte der Solidaritätsgedanke eine grosse Rolle: Denn ein vielfältiges Informationsangebot sei für den nationalen Zusammenhalt und die direkte Demokratie wichtig.

Obwohl die Initiative die Abschaffung der Gebühren und nicht der SRG verlangte, war auch die Haltung zur SRG und deren Programmen von Bedeutung: So wurde als zweithäufigster Grund für eine Ablehnung der Initiative der positive Bezug zur SRG oder die Qualität ihrer Programme genannt (26 Prozent).

Stimmende mit einem hohen oder sehr hohen Vertrauen in die SRG lehnten die No-Billag-Initiative mit 79 beziehungsweise 90 Prozent klar ab. 12 Prozent der Nein-Stimmenden schliesslich gaben an, dass sie die Gebühren für angemessen hielten oder befürchteten, in Zukunft für Pay-TV-Angebote mehr bezahlen zu müssen.

Ablehnung bis Mitte-Rechts

«Bedeutsam» für den Stimmentscheid war gemäss der Studie auch die politische Haltung: Die Anhänger von Grünen, SP, GLP und CVP lehnten die Initiative mit Anteilen zwischen 90 und 84 Prozent wuchtig ab. Auch bei den FDP-Wählern lag die Ablehnung noch bei 73 Prozent.

Nur gerade die Anhänger der SVP sagten mit 54-Prozent knapp Ja zur Vorlage. Damit wich ein «beträchtlicher Teil» der SVP-Wählerschaft von der Parteilinie ab. Sogar bei denjenigen Personen, die sich selber als politisch «rechtsaussen» verorten, erreichte die Initiative keine Mehrheit: Lediglich 49 Prozent von ihnen sagte Ja.

Hohe Kosten für Nein

Der wichtigste Grund für ein Ja zur No-Billag-Initiative waren gemäss der Studie die Kosten: Für 36 Prozent der Ja-Stimmenden war die Höhe der Empfangsgebühr entscheidend. Besonders verbreitet war dieses Argument bei französischsprachigen Initiativ-Befürwortern.

Das zweitwichtigste Argument für eine Zustimmung zur Initiative war die Kritik an der SRG. Ein Viertel der Ja-Stimmenden ärgerte sich über die «schlechte Qualität» der Programme, die hohen Kosten der SRG oder die «Vetterliwirtschaft».

Entsprechend legten fast drei Viertel der Abstimmenden, die der SRG misstrauen, auch ein Ja in die Urne. Auch diejenigen Befragten, die die Qualität der SRG-Programme als durchschnittlich oder schlecht einstuften oder diese nie oder weniger als einmal pro Woche konsumieren, befürworteten die Initiative.

Libertäre Argumente wie die «Entscheidungsfreiheit bezüglich des eigenen Medienkonsums» oder die «Befreiung von Zwangsgebühren» überzeugten dagegen nur gerade 17 Prozent von ihnen.

«Von grosser Bedeutung»

Die No-Billag-Initiative war am 4. März 2018 mit einer Mehrheit von 71,6 Prozent abgelehnt worden. Die Vorlage hatte mit 55 Prozent der Stimmbevölkerung überdurchschnittlich viele Stimmberechtigte an die Urne gelockt.

Insgesamt glaubte eine grosse Mehrheit der Umfrageteilnehmer (84 Prozent), dass die Vorlage für sie persönlich von grosser bis sehr grosser Bedeutung war. Das sei einer der höchsten Bedeutungswerte in der laufenden Legislatur, schreiben die Forscher.

Die Voto-Studien sind ein gemeinsames Projekt des Schweizer Kompetenzzentrums Sozialwissenschaften Fors, des Zentrums für Demokratie Aarau (ZDA) und des Befragungsinstituts LINK. Finanziert wird Voto von der Schweizerischen Bundeskanzlei. Für die Studie wurden zwischen dem 6. März und dem 21. März 2018 1531 Stimmberechtigte aus allen Landesteilen befragt. (sda)

Peter Blunschi analysiert die No-Billag-Abstimmung

Video: Peter Blunschi, Nico Franzoni, Angelina Graf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Berset will 1000er-Grenze ab Oktober aufheben

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • hävi der 3. 20.04.2018 07:56
    Highlight Highlight Nur ein Beweis, wie die Generation Netfix durch die gebündelte Macht der GESAMTEN Medien in diesem Land, zerzaust werden konnte.

    Ich vermute jetzt mal, das von diesen NoBillag Gegner, 97% nicht wussten, wieso sie nein stimmten.

    Durch diese massierte Propaganda, glaubten sie aber, das es sich bei der Initiative um etwas ganz Schlimmes handelte und sie mit Sicherheit Nazis wären, wen sie ja stimmen würden.

    So läuft das.

Nach Cyanobakterien-Fall: Im Neuenburgersee darf wieder gebadet werden

Das Baden im Neuenburgersee ist wieder erlaubt. Es wurden zwar Cyanobakterien im Wasser nachgewiesen. Die Wasserproben, die an verschiedenen Stellen des Sees entnommen wurden, enthielten aber keine Giftstoffe.

Die Anrainerkantone Neuenburg, Waadt und Freiburg warnen in einer Mitteilung vom Mittwoch jedoch davor, dass «bei hohen Temperaturen und stehendem Wasser an allen Ufern des Sees Vorsicht für Kleinkinder und Haustiere geboten ist».

Vergangene Woche war ein Badeverbot für mehrere …

Artikel lesen
Link zum Artikel