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Schweiz
Abstimmungen 2020

FDP: Nein zum Vaterschaftsurlaub, Ja zu Kampfflugzeugen

Petra Goessi, Praesidentin der FDP Schweiz, spricht an einer E-Delegiertenversammlung zu den Mitgliedern, am Samstag, 27. Juni 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
FDP-Präsidentin Petra Gössi. Bild: keystone

FDP sagt Nein zum Vaterschaftsurlaub und ein klares Ja zu Kampfflugzeugen

22.08.2020, 20:1923.08.2020, 16:30
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Die FDP Schweiz hat ihre Parolen zur Eidgenössischen Abstimmung am 27. September gefasst: Klares Ja zu neuen Kampfflugzeugen, Ja zu höheren Kinderabzügen, ein Ja zum geänderten Jagdgesetz, ein äusserst knappes Nein zum Vaterschaftsurlaub und ein Nein zur SVP-Begrenzungsinitiative.

Dies teilte die Partei am Samstagabend in einer Mitteilung mit. Rund 270 FDP-Delegierte diskutierten demnach intensiv digital über drei Abstimmungsvorlagen. Die Parolen zur SVP-Begrenzungsinitiative und zum Jagdgesetz waren bereits gefasst.

Mit 134 Nein- zu 133-Ja-Stimmen so knapp wie nur möglich abgelehnt wurde «der staatlich verordnete zweiwöchige Vaterschaftsurlaub» – er sei nicht die von der FDP gewünschte Lösung, hiess es in der FDP-Medienmitteilung.

Es sei allerdings ein Grundanliegen der Partei, dass Frauen und Männer ihr Leben frei und eigenverantwortlich gestalten können. Die FDP anerkenne insbesondere auch «die wichtige Rolle der Väter in der Familie», hiess es weiter.

Warnung: Wachsender Einfluss des Staates

Parteipräsidentin Petra Gössi hatte zuvor vor dem wachsenden Einfluss des Staates gewarnt. Das Land dürfe sich nicht weiter lähmen lassen und alles auf eine Zeit nach dem Coronavirus verschieben.

Auch von Notrecht und Ausnahmeregeln dürfe sich die Schweiz nicht weiter leiten lassen, sagte die Schwyzer Nationalrätin in ihrer Rede. Die finanziellen Hilfspakete hätten den Pandemie-Schock gelindert, sie wirkten aber letztlich wettbewerbsverzerrend.

Der Digitalisierungsschub der Pandemie ändere die volkswirtschaftlichen Gegebenheiten. Die Freisinnigen müssten jetzt aufpassen, dass die Rahmenbedingungen diese Strukturerneuerung nicht verhindern, nur weil sich niemand getraue, althergebrachte Strukturen zu ändern.

Moral statt Sachlichkeit

An die Adresse der rot-grünen Konkurrenz sagte Gössi, der Ruf nach stärkerer Regulierung aller Aspekte des Lebens durch den Staat ertöne immer lauter. In den grossen Städten der Schweiz sei indessen genau zu beobachten, was geschehe, wenn Linksgrüne ihre Vorstellungen durchsetzen.

Klientelismus und «zutiefst ideologische Vorstellungen eines 'richtigen' Lebensstils, den alle zu teilen haben, bestimmen das politische Handeln», sagte Gössi. Mobilität, Ernährung und das korrekte politische Verhalten würden nach moralischen statt sachlichen Kriterien von oben verordnet.

Im weiteren drückte Gössi die Hoffnung aus, dass es mit den digitalen Delegiertenversammlungen ein Ende hat. Sie sagte, die nächste Versammlung im Oktober solle wieder von Angesicht zu zu Angesicht stattfinden. (sda)

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Frankreich: Den Vätern stehen 28 Wochen Urlaub zu. Allerdings werden bloss die ersten elf Tage, nicht aber die gesamte Auszeit finanziert. Im Zuge der Gleichstellung steht dem Mann dieselbe Anzahl Tage wie der Frau zu: Die Eltern sollen sich die Arbeit während eines Jahres teilen. Die Mutter erhält die ersten 16 Wochen vergütet.
Quelle: «Nordwestschweiz»
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«Das kann die Mutter alleine eigentlich gar nicht schaffen.»
Video: srf
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40 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gurgelhals
22.08.2020 21:06registriert Mai 2015
Ich finds ja echt frustrierend, wie eklatant *unintelligent* diese Partei mittlerweile geworden ist. Der Freisinn, das war mal eine fortschrittliche Denktradition, gespiesen von humanistischen Bildungsidealen und aufklärerischem, säkularem Gedankengut.

Und heute? Ein Verein von privilegierten aber geistlosen BWLern, Anwälten und Finanzheinis. Und ironischerweise sind die inzwischen (quasi-)religiöser als eine CVP, nämlich in dem Sinne wie sie stupide ihren Gott namens Wirtschaft anbeten und ihren Antichrist namens Staat verteufeln – denselben Staat den ihre Vorväter notabene gegründet haben.
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Andi Weibel
22.08.2020 21:13registriert März 2018
Gegen Staat und Klientilismus wettern und dann 24 Milliarden für unnötige Kampfjets verpulvern. Genau mein Humor.
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peterli90
22.08.2020 21:07registriert Mai 2017
Ich war eigentlich bisher FDP Wähler. Jetzt nicht mehr. Schwer enttäuscht wegen Vaterschaftsurlaub. Wir können uns das nicht leisten, 0.05%.lol

Aber Flugzeuge... Klares ja. Lol

Ihr seid so 1960, FDP!
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