Schweiz
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Halbierungsinitiative: Operation Libero wirbt mit Trump für Nein

Kampagne Operation Libero Halbierungsinitiative
Die Broschüre wurden an 10'000 Haushalte der Deutschschweiz verteilt.Bild: operation libero

Wenn Donald Trump für die SRG-Halbierung weibelt

In zahlreichen Briefkästen ist ein Leitfaden «für eine erfolgreiche, konservative Revolution in der Schweiz» gelandet. Tatsächlich ist es eine Satire-Aktion gegen die Halbierungsinitiative.
16.01.2026, 18:2916.01.2026, 18:29

Die Warnung ist düster: «Mit unserem Land geht es bergab», heisst es in einer Broschüre, die in der Deutschschweiz verteilt wurde. Demnach zerstören Linke und Nette die Schweiz: «Sie machen unseren Wohlstand kaputt, verscherbeln unsere Freiheit an die EU, machen uns zu Fremden im eigenen Land und zensieren freie Meinungen durch Cancel Culture.»

Es ist das Vokabular des Rechtspopulismus, und tatsächlich wird als Absender ein bislang unbekanntes Forum Freie Schweiz angegeben. In acht Schritten soll die Schweiz auf den rechten Weg gebracht werden, heisst es in dem sogenannten Leitfaden. Ein wichtiges Element ist ein Ja zur SVP-Initiative für die Halbierung der SRG-Gebühr am 8. März.

Mit Putin, Orban und Trump warnt Operation Libero vor der Halbierungsinitiative.
Mit Putin, Orban und Trump warnt Operation Libero vor der Halbierungsinitiative.bild: ho

Ein solches Elaborat landete auch im Briefkasten des Autors dieser Zeilen. Allerdings macht schon die Titelseite stutzig, sie erinnert eher an linken Klassenkampf. Und dreht man das Heft um, muss man unweigerlich lachen. Denn dort erblickt man das Konterfei von niemand anderem als Donald Trump, samt Zitat: «Die Halbierungsinitiative war eigentlich meine Idee.»

«Linke Lamestreammedien»

Donald Trump weibelt für die SRG-Schrumpfung. Und nicht nur er. Auch Wladimir Putin findet halbierte Medien super. Viktor Orban, Geert Wilders, Marine Le Pen, Bibi Netanjahu, Hugo Chávez und Nicolás Maduro werden ebenfalls als Vorbilder genannt, um «die Wende einzuleiten und den linken Lamestreammedien den Stecke zu ziehen».

Alles klar? Natürlich handelt es sich bei der clever produzierten Broschüre um «Guerilla-Marketing» der Initiativgegner, oder genauer der Operation Libero, wie man erfährt, wenn man die Website des Forums Freie Schweiz aufruft. Demnach handelt es sich um «ein Satireprojekt gegen die Halbierungsinitiative».

Auch in Herrliberg verteilt

Man habe die Broschüre an 10’000 Haushalte in der Deutschschweiz verschickt, sagt Simon Städeli, Co-Geschäftsführer der Operation Libero, gegenüber watson. Berücksichtigt wurden Zürich oder Basel, mittelgrosse Städte wie Zug und Davos, aber auch kleinere Gemeinden wie Alpnach und Herrliberg. Letztere kam nicht zufällig zum Zug.

Gregor Rutz, Nationalrat SVP-ZH, Heinz Theiler, Praesident Kantonal-Schwyzerischer Gewerbeverband, Nationalrat FDP-SZ, Fabio Regazzi, Praesident SGV, Staenderat Die Mitte-TI,Thomas Matter, Nationalrat ...
Die Befürworter warben am Mittwoch für die Initiative.Bild: keystone

Bei der Broschüre lässt es die Operation Libero nicht bewenden. «Es wird auch eine Plakat- und eine Online-Kampagne geben», sagt Städeli. Verwendet werden Autokraten-Porträts aus dem Leitfaden, ergänzt durch Parolen wie «Keine russischen Lügen, keine amerikanischen Fake News». Eine geschwächte SRG würde demnach freie Bahn für beides bedeuten.

Harmlose Ja-Kampagne

Was in der Broschüre formuliert sei, würde niemand so offen sagen, räumen die Liberos selbst ein. Aber es sei ein Drehbuch, wie man es aus autokratischen Ländern kenne. Man kann einwenden, dass die Schweiz anders tickt und das Wohl unserer Demokratie kaum von der SRG allein abhängt. Aber die geschilderten Gefahren sind eine Realität.

Ob die Satire-Aktion etwas bewirkt? Erste Umfragen lassen darauf schliessen, dass die Halbierungsinitiative nicht chancenlos ist. Gleichzeitig agieren die Befürworter seltsam defensiv. Selbst die Kampagne wirkt für SVP-Verhältnisse harmlos. Während man der Operation Libero zumindest Originalität attestieren kann.

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175 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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banda69
16.01.2026 18:42registriert Januar 2020
Leider ist es keine Satire.

Was passiert, wenn man Rechtspopulisten, Faschisten und Diktatoren nicht ernst nimmt, sieht man in den USA und Russland.

Und die SVPler so: "Trump ist unser Wunschpräsident und für Putin haben wir Verstandnis. Und ja, die SRG muss zerstört werden."
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Maurmer
16.01.2026 18:46registriert Juni 2021
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Mühe mit der Form der Finanzierung der SRG habe. Service publique sollte normalerweise aus Steuern finanziert werden oder zumindest irgendwie das Verbrauchsprinzip berücksichtigen. Steuern hätten Progression und wer nicht konsumiert sollte eher nicht zahlen müssen.

Wenn ich mir jedoch ansehe, was die Alternative ist, wenn Medien privatisiert werden, dann graut es mir dermaßen, dass ich entgegen meiner Überzeugung dennoch für die Beibehaltung stimmen werde.
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Pantoffelheld
16.01.2026 19:36registriert September 2025
Ich finde die Aktin von Operation Libero hervorragend. Und so falsch ist es ja nicht, was die Broschüre aussagt.
Denn was ist die Alternative zu einer unabhängigen, freien SRG?
Private Medienhäuser, die nach dem Diktat ihrer Besitzer berichten müssen, die in erster und letzter Linie nicht seriösen Journalismus im Auge haben, sondern Einnahmen und Gewinn.
Was daraus folgt sieht man in Deutschland beim Axel Springer Verlag, der rechtsextremen Fake News-Schleuder und Hetzschrift Nius und anderen, privaz ten Medienhäusern. Man sieht es auch im Paradebeispiel USA.
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