Wenn Donald Trump für die SRG-Halbierung weibelt
Die Warnung ist düster: «Mit unserem Land geht es bergab», heisst es in einer Broschüre, die in der Deutschschweiz verteilt wurde. Demnach zerstören Linke und Nette die Schweiz: «Sie machen unseren Wohlstand kaputt, verscherbeln unsere Freiheit an die EU, machen uns zu Fremden im eigenen Land und zensieren freie Meinungen durch Cancel Culture.»
Es ist das Vokabular des Rechtspopulismus, und tatsächlich wird als Absender ein bislang unbekanntes Forum Freie Schweiz angegeben. In acht Schritten soll die Schweiz auf den rechten Weg gebracht werden, heisst es in dem sogenannten Leitfaden. Ein wichtiges Element ist ein Ja zur SVP-Initiative für die Halbierung der SRG-Gebühr am 8. März.
Ein solches Elaborat landete auch im Briefkasten des Autors dieser Zeilen. Allerdings macht schon die Titelseite stutzig, sie erinnert eher an linken Klassenkampf. Und dreht man das Heft um, muss man unweigerlich lachen. Denn dort erblickt man das Konterfei von niemand anderem als Donald Trump, samt Zitat: «Die Halbierungsinitiative war eigentlich meine Idee.»
«Linke Lamestreammedien»
Donald Trump weibelt für die SRG-Schrumpfung. Und nicht nur er. Auch Wladimir Putin findet halbierte Medien super. Viktor Orban, Geert Wilders, Marine Le Pen, Bibi Netanjahu, Hugo Chávez und Nicolás Maduro werden ebenfalls als Vorbilder genannt, um «die Wende einzuleiten und den linken Lamestreammedien den Stecke zu ziehen».
Alles klar? Natürlich handelt es sich bei der clever produzierten Broschüre um «Guerilla-Marketing» der Initiativgegner, oder genauer der Operation Libero, wie man erfährt, wenn man die Website des Forums Freie Schweiz aufruft. Demnach handelt es sich um «ein Satireprojekt gegen die Halbierungsinitiative».
Auch in Herrliberg verteilt
Man habe die Broschüre an 10’000 Haushalte in der Deutschschweiz verschickt, sagt Simon Städeli, Co-Geschäftsführer der Operation Libero, gegenüber watson. Berücksichtigt wurden Zürich oder Basel, mittelgrosse Städte wie Zug und Davos, aber auch kleinere Gemeinden wie Alpnach und Herrliberg. Letztere kam nicht zufällig zum Zug.
Bei der Broschüre lässt es die Operation Libero nicht bewenden. «Es wird auch eine Plakat- und eine Online-Kampagne geben», sagt Städeli. Verwendet werden Autokraten-Porträts aus dem Leitfaden, ergänzt durch Parolen wie «Keine russischen Lügen, keine amerikanischen Fake News». Eine geschwächte SRG würde demnach freie Bahn für beides bedeuten.
Harmlose Ja-Kampagne
Was in der Broschüre formuliert sei, würde niemand so offen sagen, räumen die Liberos selbst ein. Aber es sei ein Drehbuch, wie man es aus autokratischen Ländern kenne. Man kann einwenden, dass die Schweiz anders tickt und das Wohl unserer Demokratie kaum von der SRG allein abhängt. Aber die geschilderten Gefahren sind eine Realität.
Ob die Satire-Aktion etwas bewirkt? Erste Umfragen lassen darauf schliessen, dass die Halbierungsinitiative nicht chancenlos ist. Gleichzeitig agieren die Befürworter seltsam defensiv. Selbst die Kampagne wirkt für SVP-Verhältnisse harmlos. Während man der Operation Libero zumindest Originalität attestieren kann.
