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Schweiz
Analyse

Allemann gegen Herzog: Was für und gegen die SP-Kandidatinnen spricht

Evi Allemann und Eva Herzog wollen beide für die SP in den Bundesrat.
Evi Allemann und Eva Herzog: Beide SP-Politikerinnen wollen in den Bundesrat.Bild: keystone/watson
Analyse

Evi gegen Eva: Was für und gegen die SP-Kandidatinnen spricht

Die SP hat zwei Frauen gefunden, die für die Nachfolge von Bundesrätin Simonetta Sommaruga kandidieren wollen. Sie retten die Partei aus ihrem selbst verschuldeten Schlamassel.
10.11.2022, 14:4210.11.2022, 15:36

Erst Evi und dann Eva: Am Mittwochabend gab die Berner Regierungsrätin Evi Allemann ihre Bewerbung für die Nachfolge von Bundesrätin Simonetta Sommaruga bekannt. Die Basler Ständerätin Eva Herzog tat es ihr am Donnerstagmorgen gleich. Sie hatte die Medien nach Bern geladen – ein klares Indiz dafür, dass sie antreten würde.

Die Frist läuft noch bis zum 21. November. Es ist möglich, dass sich weitere Anwärterinnen melden werden (im Gespräch sind Elisabeth Baume-Schneider und Edith Graf-Litscher). Vielleicht stellt sogar die Zürcher SP eine Frau auf, um den «Sololäufer» Daniel Jositsch auszubremsen. Aber vieles deutet auf einen Zweikampf zwischen Evi und Eva hin.

Daniel Jositsch, Staenderat SP-ZH, nimmt waehrend einer Medienkonferenz Stellung zur Bundesratskandidatur, am Dienstag, 8. November 2022, im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Daniel Jositsch kündigte am Dienstag seine Kandidatur an, obwohl die SP ein reines Frauenticket aufstellen will.Bild: keystone

Der Parteileitung wird ein Stein vom Herzen fallen. Zuvor hatten mehrere potenzielle und valable Kandidatinnen abgesagt. Jetzt stehen mindestens zwei Frauen zur Verfügung, denen man Bundesratsformat attestieren kann. Aber ansonsten hat sich die SP-Führung mit ihrer frühzeitigen Festlegung auf ein reines Frauenticket grandios verzockt.

Jositschs cleveres Kalkül

Es war blauäugig, die Männer auszuschliessen und Bewerbungen aus allen Landesteilen zuzulassen, obwohl bereits drei «Lateiner» im Bundesrat sitzen. Taktisch wäre es klüger gewesen, das Rennen offen zu lassen. Die Fraktion hätte immer noch ein reines Frauenticket beschliessen können. Jositsch hätte dieses Verdikt zwangsläufig akzeptieren müssen.

So aber kann sich der ehrgeizige Ständerat als Diskriminierungsopfer inszenieren. Es war ein cleveres Kalkül, denn Jositsch hat kaum etwas zu verlieren. Er ist für die SP viel zu wichtig, denn die Partei muss im nächsten Jahr den Verlust mehrerer Sitze in der kleinen Kammer befürchten. Und eine Chance bei der Wahl im Dezember hat er ohnehin nicht.

Kein Märtyrerbonus für die SP

Allenfalls kann er mit bürgerlichen «Proteststimmen» rechnen, doch das Parlament wird sich an die Vorgabe der SP halten, um der Partei knapp ein Jahr vor den Wahlen keinen «Märtyrerbonus» zu verschaffen. Damit könnte es am 7. Dezember zum Duell zwischen Evi Allemann und Eva Herzog kommen. Was spricht für und was gegen sie?

Evi Allemann

Die gewaehlte Regierungsratin Evi Allemann, SP, links, und Bundesraetin Simonetta Sommaruga, rechts, sprechen miteinander nach den Regierungsratswahlen des Kantons Bern, am Sonntag, 25. Maerz 2018 in  ...
Evi Allemann (l.) möchte Simonetta Sommaruga beerben.Bild: KEYSTONE

Alter: 44 Jahre
Ausbildung: Jus-Studium mit Lizenziat
Politik: 2003–2018 Nationalrätin
seit 2018 Vorsteherin der Direktion für Inneres und Justiz des Kantons Bern
Familie: ein Sohn (12) und eine Tochter (7), lebt in einer Patchwork-Familie

Pro

  • Es gab noch nie eine Bundesrätin mit schulpflichtigen Kindern. Allemann würde dieses «Manko» beheben.
  • Im Nationalrat war sie breit aufgestellt und käme auch für «unbeliebte» Departemente wie EJPD oder VBS infrage.
  • Als Mitgründerin der Reformplattform neben Daniel Jositsch und Pascale Bruderer gehörte sie zum rechten SP-Flügel und ist damit auch für Bürgerliche wählbar.

Contra

  • In ihrer langjährigen Politkarriere ist Allemann nie besonders aufgefallen.
  • Sie sitzt seit vier Jahren nicht mehr im Nationalrat. Viele kennen sie nicht oder kaum.
  • Am 7. Dezember ist der SVP-Sitz von Ueli Maurer zuerst an der Reihe. Schafft es Topfavorit Albert Rösti, wird die Bundesversammlung kaum nochmals jemanden aus dem Kanton Bern wählen. 2010 gab es zwar eine Berner «Doppelwahl» mit Sommaruga und Johann Schneider-Ammann, aber eine Wiederholung ist schwer vorstellbar.

Eva Herzog

Eva Herzog, Staenderaetin SP-BS, nimmt waehrend einer Medienkonferenz Stellung zur Bundesratskandidatur, am Donnerstag, 10. November 2022, im Hotel Bern in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Eva Herzog am Donnerstag vor den Medien in Bern.Bild: keystone

Alter: 60 Jahre
Ausbildung: Studium der Geschichte, Wirtschaftswissenschaften und Spanisch, Dr. phil
Politik: 2005–2020 Vorsteherin des Finanzdepartements des Kantons Basel-Stadt
seit 2019 Ständerätin
Familie: zwei erwachsene Söhne, lebt in einer Beziehung

Pro

  • Sie war schon als Basler Finanzdirektorin eine national bekannte Persönlichkeit und kann einen beachtlichen Leistungsausweis vorweisen.
  • In Steuerfragen hatte sich Herzog mit der eigenen Partei angelegt. Mit ihrem Einsatz für Soziales und Gleichstellung kommt sie aber auch beim linken SP-Flügel gut an.
  • Sie vertritt eine Region, die trotz ihrer Wirtschaftskraft (die Region Basel ist Hauptstandort der Pharmabranche) seit fast 50 Jahren nicht mehr im Bundesrat vertreten war.

Contra

  • Am Weihnachtstag wird Eva Herzog 61 Jahre alt. Eine Verjüngung des Bundesrats wird es mit ihr nicht geben.
  • Sie gilt als eher distanziert. Die Sympathien fliegen ihr nicht unbedingt zu.
  • Bei den Bürgerlichen könnte es Vorbehalte gegen das rotgrüne Basel geben, das eine stärkere Bindung zu den Nachbarn in Deutschland und Frankreich hat als zum Rest der Schweiz.

Unter dem Strich spricht einiges für die Wahl von Eva Herzog. Es kommt dabei auch auf die SVP an. Am Freitag fällt ein Vorentscheid. Die Findungskommission wird der Fraktion ihren Wahlvorschlag unterbreiten. Bleibt Rösti im Rennen, ist er fast schon gewählt. Und Evi Allemann müsste als Bernerin ihre Ambitionen vermutlich begraben.

Das von den Medien gepushte Argument, es brauche eine junge Mutter im Bundesrat, muss man hinterfragen. So hinkt der Vergleich mit ausländischen Vorbildern wie Sanna Marin und Jacinda Ardern. Die Schweiz hat ein anderes System. Unsere Regierung besteht salopp formuliert aus sieben Chefinnen und Chefs, die auch noch Fachministerien leiten.

Entsprechend gross ist das Arbeitspensum. Natürlich gibt es Beispiele wie Moritz Leuenberger, der das «Tagesgeschäft» weitgehend seinem Generalsekretär Hans Weder überlassen hatte. Oder den «Home-Office-Bundesrat» Didier Burkhalter. Aber gerade Frauen klagen nicht zu Unrecht häufig, dass sie härter beurteilt würden als Männer.

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quelle: keystone / peter klaunzer
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161 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ubu
10.11.2022 14:59registriert Juli 2016
Sorry Freunde, aber wo genau hat Basel eine stärkere Bindung zu D/F als zur CH?!

Dass Herzog aus einer Grenzregion kommt ist ein Plus: Sie kennt die Probleme angesichts von Cassis‘ Scherbenhaufen besser als zB der Ueli aus Hinwil und das werden zB Nationalräte aus SH, VD, GE zu schätzen wissen.
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sansibar
10.11.2022 15:07registriert März 2014
Und nach der Wahl trinken sie zusammen ein Eve 🍻
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Grobianismus
10.11.2022 15:02registriert Februar 2022
Auch wenn ich sehr gerne eine Mutter von schulpflichtigen Kindern als Bundesrat hätte, würde ich Herzog bevorzugen, einfach weil man von ihr weiss, dass sie fähig ist. Ansonsten wäre da ja auch noch Jositsch...
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