Schweiz
Arbeitswelt

Bund räumt Fehler ein nach Panne bei Arbeitslosengeldern

Eine Person zieht waehrend eines Marktes auf dem Hevetiaplatz in Zuerich Schweizer Banknoten aus ihrem Portemonnaie, fotografiert am Freitag, 16. Februar 2024. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Die Systemumstellung im Januar führte zu Übertragungsproblemen der Versichertendaten, wodurch Arbeitslosengelder verspätet ausgezahlt wurden.Bild: KEYSTONE

Bund räumt Fehler ein nach Panne bei Arbeitslosengeldern

08.04.2026, 10:2108.04.2026, 15:51

Die Probleme bei der Auszahlung der Arbeitslosengelder werden laut der zuständigen Bundesbehörde kleiner. Es soll jedoch noch mehrere Wochen dauern, bis alle Rückstände aufgearbeitet sind. Die zuständige Bundesbehörde räumt Fehler ein.

«Das Auszahlungsystem ist stabil und funktioniert zuverlässig», sagte Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Mittwoch an einer Video-Medienkonferenz. Die Performance des neuen IT-Systems Asal 2.0 werde laufend verbessert – die Fortschritte zeigten sich beispielsweise im steigenden Auszahlungsvolumen.

Cosandey räumte aber ein, dass aktuell noch Rückstände bei Neuanmeldungen bestünden. Auch diese würden kontinuierlich abgebaut. Viele Mitarbeitenden der Arbeitslosenkassen leisteten weiterhin Überstunden. «Es geht noch mehrere Wochen, bis wir wieder im grünen Bereich sind.»

Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist gesetzlich garantiert. Für Betroffene in finanziellen Engpässen stehen laut dem Seco Vorschusslösungen zur Verfügung. Betroffene seien gebeten, direkt mit der zuständigen Arbeitslosenkasse Kontakt aufzunehmen. Seit Januar wurden Vorschüsse für insgesamt 3791 Personen geleistet, mit einer Gesamtsumme von 3,7 Millionen Franken.

«Kommunikativ ungeschickt»

Er wolle nichts schönreden, sagte Cosandey weiter. «Die Geschwindigkeit des neuen Systems ist noch nicht dort, wo wir sie wollen.» Immerhin sei die Situation deutlich besser als im Januar, als 150'000 Arbeitslose ihre Dokumente nicht digital einreichen konnten und Mitarbeitende der Arbeitslosenkassen nach Hause geschickt wurden, weil das neue System nicht stabil war.

Auf die Frage einer Journalistin, ob der Bund Vertrauen verspielt habe, gab der Seco-Kadermann Fehler zu. Anfang Jahr habe seine Behörde «kommunikativ ungeschickt» agiert, sagte er. Ende Januar habe man das eingesehen. «Seit Februar kommunizieren wir offen.»

Bei der schweizweiten Einführung des neuen Systems am 6. Januar habe das Seco mit Kinderkrankheiten gerechnet, so Cosandey weiter. Jedoch habe man nicht damit rechnen können, dass gleichzeitig ein anderes System ausfalle.

«Wir haben den tiefsten Punkt hinter uns», zeigte er sich zuversichtlich. Ein grosser Teil des Rückstands habe aufgeholt werden können. Versicherte könnten die Dokumente seit Februar wieder digital einreichen, weshalb es zu weniger Besuchen an den Schaltern der Arbeitslosenkassen komme. Jedoch bestünden weiterhin Herausforderungen technischer und menschlicher Natur.

Neue Server in Betrieb

Cosandey sprach von einem «grossen Sonderaufwand», den Mitarbeitende der Arbeitslosenkassen zu leisten hätten. «Sie machen am Morgen, am Abend, teilweise auch am Wochenende Überstunden, um den Rückstand aufzuholen.» Es brauche viel Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz.

Etwas besser sei die Situation bei der IT. Deren Mitarbeitende müssten nicht mehr Brände löschen, sondern könnten endlich die Geschwindigkeit des neuen Systems verbessern. Erste Erfolge sind laut dem Seco schon erzielt worden. So seien beispielsweise neue Server in Betrieb genommen worden.

Insgesamt bewerteten die IT-Fachleute die Situation in der ersten Februarwoche mit einem Durchschnittswert von 1,96 - auf einer Skala von eins bis zehn. Mittlerweile sei dieser Wert bei 4,85.

Das Thema beschäftigt auch die Politik. In der Frühjahrssession hielt Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin in der Fragestunde des Nationalrats fest, dass der Rückstand bei der Auszahlung von Taggeldern bis zum Sommer aufgeholt werden solle. Die Geschäftsprüfungskommission des Ständerats (GPK-S) ist an Abklärungen. Sie hatte sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit dem Projekt befasst. (nil/sda)

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Die beliebtesten Kommentare
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MikTuef
08.04.2026 10:45registriert Februar 2022
Cosandey ein absoluter Totalausfall. Übernimmt keine Verantwortung und erkennt weder Problem noch Folgen wirklich an. Ich arbeite täglich mit über 100 RAV Klienten. Das Problem betrifft überhaupt nicht nur mehr Neuanmeldungen. Und Vorschüsse gibt es für genau diese eben auch explizit nicht! Betroffene werden zum Sozialdienst geschickt, der jedoch nicht zahlt, da ja RAV Anspruch besteht. 10 Jahre Projekt, über 200 Mio Budget und nach 5 Monaten immer noch eine Katastrophe. Aber schön, traut er sich alle paar Monate mal vor die Medien und redet alles schön. Manager vom Feinsten.
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klar+deutlich
08.04.2026 11:36registriert Juni 2021
Für das Verharmlosen und Schönreden der Probleme gibt es für das Seco eine glatte 10.
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mute
08.04.2026 11:53registriert März 2021
Meine Freundin wartet nun schon seit Wochen - bringt leider auch nichts wenn man anruft und nach 38min Warteschleife der Call einfach abgebrochen wird.
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