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Drohnenabwehr: So will die Schweizer Armee den Luftraum besser schützen

Ein Soldat des Gebirgsinfanterie Bataillon 29 der Schweizer Armee nutzt eine Drohne bei einem Gefechtsschiessen, aufgenommen am Dienstag, 27. Mai 2025, in Chur. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller).
Die Schweiz wappnet sich gegen verschiedene Bedrohungen von oben...Bild: keystone

Drohnenabwehr und ein Satellit: So will die Schweizer Armee den Luftraum besser schützen

Der Bundesrat macht vorwärts, um den Luftraum besser zu schützen. Geplant ist die Beschaffung eines Drohnenabwehrsystems und von Luftverteidigungssystemen bis in eine Höhe von 8000 Metern. Und auch die Aufklärung aus dem Weltall wird vorangetrieben.
20.03.2026, 16:3820.03.2026, 16:38
Othmar von Matt / ch media

Heute kann die Armee den Schweizer Luftraum weder gegen Raketen, Marschflugkörper noch gegen Drohnen schützen. Sie verfügt nur gerade über zwei veraltete Luftabwehrsysteme: die 35-Millimeter-Fliegerabwehrkanonen aus den 1960er Jahren mit einer Reichweite von vier Kilometern und das mobile Abwehrsystem Stinger mit einer Reichweite von sechs Kilometern. Stinger ist seit den 1990er Jahren im Einsatz.

Beide Systeme erreichen lediglich eine Höhe von 3000 Metern und eignen sich vor allem zur Bekämpfung von Kampfhelikoptern. Drohnen können sie nur bedingt ausschalten. Auch für den Schutz kritischer Infrastrukturen sind sie wenig geeignet.

Diesen Missstand will die Armee nun Schritt für Schritt beheben. Sie plant, ein Drohenabwehrsystem zu beschaffen, ein Luftabwehrsystem der Rheinmetall Air Defence AG für kurze Distanzen und zwei weitere Iris-T-Systeme mittlerer Distanz. Parallel dazu will sie einen eigenen Aufklärungssatelliten im Weltall bauen.

Das Drohnen-Abwehrsystem

Die Armee will 70 Millionen investieren, um die Schweiz besser vor kleinen, schwer erkennbaren Mini-Drohnen zu schützen. Sie stellen eine wachsende Bedrohung dar für den Luftraum, weil sie sowohl für die Aufklärung als auch für Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie Flughäfen und Energieanlagen genutzt werden können. In den letzten Monaten haben sich solche Angriffe in Europa gehäuft.

Abwehr von Mini-Drohnen, Schweizer Armee, Armeebotschaft 2026.
Dieses Foto eines Anti-Drohnen-«Gewehrs» stammt aus der Armeebotschaft 2026.Bild: VPS/DDPS

Die Armee plant, ein verlegbares Abwehrsystem zu beschaffen, das sich dafür eignet, Mini-Drohnen zu erkennen und abzuwehren. Es ist modular aufgebaut und kann für unterschiedliche Einsätze angepasst werden. Das System besteht aus verschiedenen Sensoren und Effektoren, die Mini-Drohnen erkennen, identifizieren und neutralisieren. Das geschieht durch Überwachungssysteme, Störsender oder Laser. «Mit einer Kombination dieser Mittel können militärische Verbände, die Zivilbevölkerung sowie kritische Anlagen geschützt werden», heisst es in der Armeebotschaft.

Geeignete Abwehrsysteme sollen unter realen Einsatzbedingungen getestet werden und ab 2028 bei der Truppe eingeführt werden. Weil sich die Drohnenabwehr rasant entwickelt, entscheidet die Armee erst kurz vor der Beschaffung, welche Komponenten sie beschaffen will.

Die Luftverteidigung im Nahbereich

Für die Luftverteidigung der kleinen Reichweite bis etwa 6000 Meter Höhe will die Armee ein Abwehrsystem der Rheinmetall Air Defence AG beschaffen. Diese ist in der Schweiz ansässig. Das System besteht aus einem 33-Millimeter-Flugabwehrgeschütz und kann auf Lastwagen montiert werden. Deshalb ist es zumindest teilmobil einsetzbar.

Bodengestützte Luftverteidigung kleiner Reichweite, Armeebotschaft 2026.
Das System soll ab 2028 eingeführt werden.Bild: VBS/DDPS

Das neue System soll kritische Infrastrukturen ziviler und militärischer Art wie Kraftwerke, Flugplätze oder Armeelogistikzentren vor Angriffen aus der Luft schützen. Es kann mit einer sogenannten Revolverkanone verschiedene Munitionstypen verschiessen. Damit kann es ein breites Spektrum von Bedrohungen aus der Luft bekämpfen, unter anderem Drohnen unterschiedlicher Grösse.

Das Abwehrsystem werde bereits von verschiedenen europäischen Streitkräften «erfolgreich» eingesetzt, heisst es in der Armeebotschaft. Deshalb verzichtet das Bundesamt für Rüstung auf eine umfassende Evaluation. Das System soll ab 2028 eingeführt werden. Es kostet 800 Millionen Franken.

Die Flugabwehr mittlerer Reichweite

Mit dem Rüstungsprogramm 2024 bewilligte das Parlament 660 Millionen Franken für die Beschaffung von fünf Iris-T-Systemen mittlerer Reichweite. Das System soll vor allem Marschflugkörper, taktische Drohnen sowie Kampfflugzeuge abwehren. Es wird im mittleren Luftraum bis zu 8000 Metern Höhe eingesetzt.

Die fünf bestellten Systeme, die bis 2028 einsetzbar sind, genügen dem Bundesrat aber nicht. Er will einen grösseren Raum abdecken und zusätzliche kritische Infrastrukturen schützen können. Deshalb beantragt er, zwei weitere Iris-T-Systeme des deutschen Herstellers Diehl Defence zu kaufen. Sie sollen ab 2030 einsetzbar sein. Dafür beantragt er einen Verpflichtungskredit von einer Milliarde Franken.

Das Flugabwehrsystem Iris-T SLM besteht aus drei Fahrzeugen: dem Gefechtsstand, dem Startgerät der Lenkflugkörper und dem Radar (von links).
Das Flugabwehrsystem Iris-T SLM besteht aus drei Fahrzeugen: dem Gefechtsstand, dem Startgerät der Lenkflugkörper und dem Radar (von links).Bild: Diehl Defence GmbH & Co. KG

Der Aufklärungssatellit

Noch ist die Schweizer Armee im Weltraum schwach vertreten, obwohl dieser immer wichtiger wird. Das soll aber ändern. Die Armee will mit ihrer «Gesamtkonzeption Weltraum» eigene Fähigkeiten aufbauen.

Im Vordergrund steht der Bau eines Prototyps als Aufklärungssatellit. Er soll auch passive Aufklärung bieten und Radarstationen und Sender am Boden orten können. Parallel dazu plant die Armee, eine Bodeninfrastruktur zu realisieren.

Der Prototyp wird in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA und Partnerstaaten entwickelt. Mittelfristig soll der Aufklärungssatellit industrielle Serienreife erlangen, damit er kostengünstig beschafft werden kann.

Die Einführung ist ab 2027 geplant. Für die erste Etappe des Fähigkeitsaufbaus im Weltraum beantragt die Armee einen Verpflichtungskredit von 30 Millionen Franken.

(aargauerzeitung.ch)

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