Schweiz
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In Fribourger Pensionat wurden jahrzehntelang Kinder sexuell missbraucht und ausgepeitscht



Im katholischen Pensionat Marini im Kanton Freiburg sind Kinder von 1929 bis 1955 sexuell missbraucht worden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Bischof Charles Morerod in Auftrag gegeben hatte. Die Verantwortlichen vertuschten die Vorfälle.

Das Pensionat in Montet FR, das Platz für über hundert Kinder bot, stand von 1929 bis 1955 unter der direkten Verantwortung des Bistums. Während dieser Zeit haben sich «Misshandlungen sowie schwerwiegende und wiederholte sexuelle Missbräuche» ereignet, wie es in der am Dienstag veröffentlichten Studie heisst. Die Hauptsorge der Verantwortlichen habe darin bestanden, die Misshandlungen zu vertuschen.

«Der Wille, jegliche Publizität der Taten sexuellen Missbrauchs zu verhindern, ist eine Konstante der Behörden des Bistums und des Direktionsvorstands von Marini.»

Direktoren unter den Tätern

Denn es gab durchaus Beschwerden und Anzeigen, wie die Studienautoren anhand der Korrespondenz feststellten. Eine erste Auswertung dieser Dokumente habe es erlaubt, 21 sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche zu erfassen sowie 11 nachweisbare Täter, heisst es in der Studie.

Unter den Tätern seien zwei aufeinanderfolgende Priester-Direktoren und zwei Institutsgeistliche. Nur zwei Fälle – ein Institutsgeistlicher und ein Laienaufseher – seien jedoch vor Gericht gekommen.

Mantel des Schweigens

Die Vorfälle wurden wenn immer möglich vertuscht. In der Studie heisst es dazu: «Der Wille, jegliche Publizität der Taten sexuellen Missbrauchs zu verhindern, ist eine Konstante der Behörden des Bistums und des Direktionsvorstands von Marini.»

Einige Opfer wurden mit Macht- oder Einschüchterungsmechanismen zum Schweigen gebracht. Die kirchlichen Behörden begnügten sich derweil mit internen Untersuchungen. Wurden die Gerüchte zu wild, wurde der beschuldigte Priester versetzt – um den Skandal zu vertuschen. Überführt oder bestraft wurde er nicht.

Die Täter wählten gemäss der Studie oft platzierte Kinder aus besonders heiklen sozialen und familiären Verhältnissen als Opfer. Die Stigmatisierung der Armut und die gesellschaftliche Ächtung von unehelichen Kindern förderten das Schweigen und die Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit wie auch der Behörden.

Arbeit statt Schule

Die Studie gibt auch einen Einblick in den Alltag im Institut Marini, der geprägt war von der Härte der Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb und einem strengen Disziplin- und Strafsystem, das gemäss den Forschern an Misshandlung grenzte. Gewalt war üblich, Kinder wurden unter anderem mit der Peitsche geschlagen.

Laut Zeugen gab es auch Kinder, die gar keine Schule besuchten, obwohl sie noch nicht 16 Jahre alt waren – sie mussten arbeiten. Durch die Archive würden diese Zeugenaussagen zwar nicht bestätigt, sie blieben aber beunruhigend, heisst es in der Studie.

Diese hatte der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, vor einem Jahr in Auftrag gegeben. Er hatte bei einem Treffen mit Opfern, die in katholischen Institutionen platziert wurden, von sexuellen Übergriffen im Institut Marini erfahren. Die mit der Studie beauftragten externen Experten sprachen mit 14 Zeugen und durchforsteten verschiedene Archivbestände. (whr/sda)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 27.01.2016 22:27
    Highlight Highlight Traurige Geschichte. Ich habe in den letzten Jahren von mehreren ähnlich töneneden Geschichten erfahren und muss leider davon ausgehen, dass diese Sorte Mensch, sehr gut organisierte Pädophile in Machtposition, leider noch nicht vom Aussterben bedroht ist.
    In den 80ern waren pädophile Triebtäter in den Schlagzeilen, das Credo lautete: "Hüte dich vor dem bösen Mann."
    Heute würde ich vielmehr behaupten, in den Institutionen lässt es sich doch entspannter fummeln, als als Einzelgänger-Triebtäter.
  • Calvin Whatison 26.01.2016 17:31
    Highlight Highlight ... über 30 Jahre, und erst nach Jahrzehnten wir es aufgearbeitet. Ein Leides Thema, und ich bin überzeugt, auch wenn wir 2016, dass solches noch immer geschieht, wie hoch diese gesamte Dunkelziffer wohl ist !? in der einen Hand die Bibel, in der...muss aufhören, sonst kotz ich noch.
  • DavidP38 26.01.2016 16:37
    Highlight Highlight Jeder solche Glaubensvertreter gehört auf den Stock !
  • zombie woof 26.01.2016 15:16
    Highlight Highlight Und heute im Jahr 2015 wird die Institution Kirche immer noch als unantastbar behandelt! Was passiert heute mit einem Priester oder Pfaffen der sich an Kindern vergeht? Nichts, er wird versetzt.
  • Linus Luchs 26.01.2016 13:49
    Highlight Highlight Die Vorgänge im katholischen Pensionat – sind das vielleicht die „christlichen Werte“, an die in letzter Zeit so gerne appelliert wird? Empörtes Schimpfen bei den Gläubigen über diese Frage. Aber es waren und sind die Frommen, die mit ihren rigiden Regeln und ihrem Machtanspruch den Boden schaffen für Heimlichkeit, Missbrauch und Grausamkeit. Christliche Werte im Sinne von Christus wären vielleicht ein guter Orientierungsrahmen. Auf die Unterdrückungssysteme der Kirchen können wir aber bestens verzichten.
  • MacB 26.01.2016 13:11
    Highlight Highlight Genau wegen solcher Geschichten, das ist ja wahrlich nicht die erste in der Schweiz, verweigere ich seit einigen Jahren die Zahlung einer Kirchensteuer. Ich bin froh, bin ich nicht mehr in diesem Verein, obwohl bei uns im Dorf der Katholizismus durchaus positiv gelebt wurde.
  • Robert K. 26.01.2016 12:43
    Highlight Highlight 1929-1955 und dann ... ? Katholische Bischöfe der Schweiz schreien auf, wenn ein Pfarrer ein lesbisches Paar segnet und gleichzeitig sind ihre Institutionen ein Hort der Kriminaltät. Wie wollen Bischöfe ihren Anspruch auf Moraliät rechtfertigen?
  • Mänu Renfer 26.01.2016 12:33
    Highlight Highlight böcke mit heiligenschein
    immer-und übetall
  • Matrixx 26.01.2016 12:29
    Highlight Highlight Ich bin mir sicher - nein, ich weiss - dass solche Fälle auch heute noch stattfinden.
  • Too Scoop 26.01.2016 11:18
    Highlight Highlight Der Mensch ist eine Bestie. Unvorstellbar dieses Leid was, von angeblich "geistlichen Gutmenschen", den Opfern damals angetan wurde.
  • Tepesch 26.01.2016 11:15
    Highlight Highlight Früher war alles besser... not
    • Human 26.01.2016 11:39
      Highlight Highlight Früher war alles noch einfacher zu vertuschen...
    • lily.mcclean 26.01.2016 11:54
      Highlight Highlight Es passierte nicht nur früher, ich kenne jemanden der in einem christlichen weisenhaus aufgewachsen ist in den 90gern und da wurden, wie sie mir erzählt hat, mehrere mädchen und jungs missbraucht. wenn sie es den nonnen sagten wurden sie fürs "lügen" bestraft.
    • Human 26.01.2016 11:59
      Highlight Highlight Ja kenn ich auch, aber heute kommt etwas mehr ans Licht wie früher - wenn auch immer noch zu wenig - aber ich hab das Gefühl früher gings zum Teil noch viel krasser zu und die meisten Menschen waren nicht auf das Thema sensibilisert - es gab Parteien in Deutschland die offen gefordert haben Sex mit Kindern zu legalisieren...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mafi 26.01.2016 11:13
    Highlight Highlight Gut, dass sich der Bischof für die Aufarbeitung stark macht. Solche Persönlichkeiten bringen die katholische Kirche weiter, besonders in diesem Bereich.
    • Human 26.01.2016 11:43
      Highlight Highlight Solange sich die Kirche nicht von Grund auf Reformiert werden, werden die Leute wohl weiter weg laufen ... und ehrlich gesagt ich finde das gut!


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