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So hilft die Schweiz der kriegsgeplagten Ukraine – staatlich und privat

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Kundgebung in Chur, Ende Februar 2022, kurz nach Beginn der russischen Grossinvasion. Die Solidarität der Bevölkerung ist nach wie vor gross.Bild: keystone

So hilft die Schweiz der kriegsversehrten Ukraine – staatlich und privat

Vier Jahre nach Beginn der russischen Grossinvasion geht der Bombenterror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung weiter. Hier erfährst du, wie den Menschen von der Schweiz geholfen wird.
22.02.2026, 08:3622.02.2026, 08:36

Seit Beginn der grossangelegten russischen Invasion am 24. Februar 2022 hat der Bund die ukrainische Bevölkerung im In- und Ausland mit mehr als sechs Milliarden Franken unterstützt. Auch in den kommenden Jahren sollen die Hilfsgelder weiter fliessen.

Unter anderem wurde zuletzt, angesichts intensivierter russischer Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung, auch der Umfang der Winterhilfe erhöht.

Und die Schweizer Bevölkerung zeigt sich gemäss bekannten Hilfsorganisationen weiter solidarisch mit den von Putins Bombenterror betroffenen Menschen.

Hier erfährst du alles Wichtige.

Warum ist das wichtig?

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Der russische Despot Wladimir Putin terrorisiert ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten mit regelmässigen Drohnen- und Raketenangriffen.Bild: keystone

Die Hilfe für die vom Krieg gebeutelte Ukraine ist bitter nötig. Denn seit dem Beginn der grossangelegten russischen Invasion ist rund die Hälfte der ukrainischen Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Bis Ende 2025 setzte der Bund bisher insgesamt 6,08 Milliarden Franken für die vom Krieg in der Ukraine betroffene Bevölkerung ein, wie das eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) gemeinsam mit dem Aussendepartement auf Anfrage von Keystone-SDA mitteilte.

Rund 900 Millionen Franken stammten von den für die internationale Zusammenarbeit zuständigen Einheiten für humanitäre Hilfe sowie für Entwicklungs- und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Dies betraf namentlich die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und die Abteilung Frieden und Menschenrechte (AFM).

Was wurde mit dem Geld gemacht?

Von humanitärer Hilfe bis zur Minenräumung

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Warnschild wegen Sprengfallen: Gemäss UN-Fachleuten ist die Ukraine derzeit das am stärksten verminte Land der Welt.Bild: keystone

Mit den Steuergeldern setzt der Bund laut eigenen Angaben verschiedene Massnahmen um, um die Ukraine zu unterstützen. Diese reichen von humanitärer Hilfe und dem Einsatz für eine Friedenslösung über humanitäre Minenräumung und Finanzhilfe bis zur Gewährung des Schutzstatus S für geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer hierzulande.

Für die Minenräumung etwa, stellte der Bundesrat für den Zeitraum von 2024 bis 2027 insgesamt 100 Millionen Franken zur Verfügung. Damit ist die Schweiz laut dem Bund einer der grössten staatlichen Geldgeber für die Minenräumung in der Ukraine.

Im vergangenen Jahr setzte der Bund insgesamt 1,71 Milliarden Franken für die Ukraine ein. Der Löwenanteil, fast 85 Prozent, stammte vom Staatssekretariat für Migration (SEM). Weitere 15,5 Prozent oder 265,7 Millionen Franken stammten von der Deza, dem Seco und der AFM im Rahmen des Länderprogramms Ukraine.

Im Gesamtbetrag für 2025 waren zudem auch rund 800'000 Franken vonseiten des Verteidigungsdepartements integriert. Und auch weitere Bundesämter beteiligten sich mit rund 4,3 Millionen Franken an der Unterstützung der vom Krieg gebeutelten ukrainischen Bevölkerung.

Wie geht es weiter?

Bundesrat will langfristig unterstützen

Die Schweiz soll denn auch in Zukunft eine führende Rolle bei der Hilfe für die Ukraine spielen. Die Landesregierung entschied daher, langfristig in den Wiederaufbau des Landes zu investieren. Im Zeitraum zwischen 2025 und 2036 sind dafür im Rahmen des Länderprogramms Ukraine als Teil der vom Parlament beschlossenen Strategie zur internationalen Zusammenarbeit fünf Milliarden Franken vorgesehen.

Das Länderprogramm Ukraine fokussiert sich laut dem Bund auf drei Wirkungsfelder: Wirtschaftliche Erholung, Öffentliche Dienstleistungen sowie den Schutz der Zivilbevölkerung und Frieden.

In einer ersten Phase bis 2028 sollen insgesamt 1,5 Milliarden Franken gesprochen werden. Für das laufende Jahr sind laut den zuständigen Departementen 342,25 Millionen Franken reserviert. Für die zweite Phase zwischen 2029 und 2036 prüft der Bundesrat zusätzliche Finanzierungsquellen für die verbleibenden 3,5 Milliarden Franken.

Was hilft bei winterlichem Bombenterror?

Bund leistet Soforthilfe

Im Rahmen des Länderprogramms stellt die Schweiz der Ukraine jeden Winter auch einen Betrag für die Winterhilfe zur Verfügung. Im Winter 2025/2026 wurden dafür rund 15,4 Millionen Franken ausbezahlt, wie das WBF auf Anfrage von Keystone-SDA mitteilte.

Darüber hinaus beschloss der Bundesrat am 11. Februar ein Hilfspaket zur Lieferung von dringend benötigten Energiegütern im Umfang von 32 Millionen Franken. Darunter sind etwa erdgasbetriebene Strommodule und Diesel-Generatoren.

Der durch die Landesregierung gesprochene Betrag kommt ebenfalls aus dem Topf des Länderprogramms. Damit ist der Gesamtumfang der staatlichen Hilfe höher als noch im Winter 2024/2025: Damals wurden 45 Millionen Franken ausgezahlt.

Lastwagen mit zehn Diesel-Generatoren unterwegs in die Ukraine
Im Rahmen des Schweizer Hilfspakets für die Ukraine sind am Freitag in Amriswil TG zehn Diesel-Generatoren auf einen Lastwagen verladen worden. Die Generatoren sollten noch am gleichen Tag die Schweiz in Richtung Ukraine verlassen.

Das sagte ein Sprecher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten am Freitag auf Anfrage. In den kommenden Wochen werden weitere 18 erdgasbetriebene Strommodule und insgesamt bis zu achtzig Diesel-Generatoren in die Ukraine entsandt. Dafür bewilligte der Bundesrat am vergangenen Mittwoch einen Kredit von 32 Millionen Franken.

Nach Angaben des Schweizer Wirtschaftsdepartements werden voraussichtlich vier Schweizer Unternehmen Material im Energiesektor in die Ukraine schicken. Ein Teil dieser Generatoren wird an das ukrainische Entwicklungsministerium geliefert – dieses wird sie nach Dringlichkeit einsetzen.
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Verlad eines Dieselgenerators am 20. Februar 2026.Bild: keystone

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am World Economic Forum (WEF) im Januar in Davos bei Bundespräsident Guy Parmelin um Hilfe gebeten. Aufgrund der intensivierten russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur lebten derzeit viele Ukrainerinnen und Ukrainer ohne Heizung – dies bei extrem tiefen Temperaturen.

Tut der Bundesrat genug?

In der öffentlichen Debatte darüber, ob der Schweizer Staat die Ukraine ausreichend unterstützt, gehen die Meinungen zwischen Politik, Hilfswerken und internationalen Beobachtern weit auseinander.

Fachleute des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) wiesen wiederholt darauf hin, dass die Schweiz im Verhältnis zu ihrer beträchtlichen Wirtschaftskraft weniger leistet als viele EU-Länder. Während skandinavische Länder oder das Baltikum signifikante Anteile ihres Bruttoinlandprodukts (BIP) investieren, belegt die Schweiz oft hintere Plätze in internationalen Rankings.

Kritiker haben der Schweiz wiederholt vorgeworfen, von der Sicherheit zu profitieren, die andere Länder durch Militärhilfe an die Ukraine garantieren, während sie sich selbst hinter der Neutralität verstecke.

Wegen der Neutralität liefert die Schweiz keine Waffen und verbietet zudem auch die Wiederausfuhr von Schweizer Rüstungsgütern durch Drittstaaten. Fachleute für Sicherheitspolitik sehen darin eine Schwächung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit.

Wie steht es um die private Spendenbereitschaft?

Neben dem Bund unterstützen auch zahlreiche Schweizer Hilfswerke die wegen des Krieges notleidende ukrainische Bevölkerung. Die Spendenbereitschaft ist zwar nicht mehr so hoch wie zu Beginn der russischen Grossinvasion, aber nach wie vor vorhanden. Dies stimme hoffnungsvoll, teilten mehrere Hilfswerke mit.

Von einer «einmaligen Solidarität» nach dem Spendenaufruf im ersten Kriegsjahr 2022 spricht Christian Engeli, Direktor Kommunikation und Fundraising bei der Glückskette. Damals handelte es sich laut Engeli um die zweitgrösste Spendensammlung in der Geschichte der Glückskette. 130 Millionen Franken kamen zusammen.

Einen Sammlungsaufruf habe es in dem Ausmass seither nicht mehr gegeben. Trotzdem bekomme die Glückskette bis in die Gegenwart weiterhin Spenden für die notleidende ukrainische Bevölkerung, was bei anderen Katastrophen nicht der Fall sei. Daher nehme man noch immer eine grosse Solidarität wahr.

Caritas Schweiz wiederum registriert heute zwar eine nicht mehr so hohe Spendenbereitschaft wie zum Beginn der grossangelegten russischen Invasion, aber es gebe nach wie vor Private sowie Institutionen und Vereine, die kontinuierlich Projekte unterstützten, hiess es auf Anfrage.

Die Menschen wüssten, dass es wichtig sei – insbesondere in den Wintermonaten. Auch die Präsenz des Konfliktes in den Medien trage ihren Teil dazu bei. Eine Müdigkeit beobachtet Caritas laut einer unlängst veröffentlichten Mitteilung eher auf politischer Ebene.

Auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) verzeichnete 2022 eine Rekord-Spendensumme in der Höhe von 51 Millionen Franken. Unterdessen seien die Spenden für die Ukraine aber zurückgegangen, teilte eine Sprecherin auf Anfrage von Keystone-SDA mit. Mit der Kältewelle, die das Kriegsland im Januar traf, spüre man aber, «dass es den Menschen nahegeht und sie sich dann auch solidarisch zeigen», sagt eine Sprecherin.

Humanitäre Bedürfnisse ungebrochen hoch

Seit dem Februar 2022 haben die Schweizer Hilfswerke ihre Hilfe für die ukrainische Bevölkerung denn auch stark ausgebaut. Save the Children Schweiz beispielsweise unterstützte gemeinsam mit Partnerorganisationen bis anhin mehr als 4,7 Millionen Menschen, darunter rund 1,9 Millionen Kinder. Caritas Schweiz hat mit Partnern in der Ukraine seit 2022 bis heute Projekte im Umfang von über 35,3 Millionen Franken umgesetzt.

Anfänglich habe der Fokus dieser Projekte vor allem auf der Soforthilfe gelegen. Diese werde man in den kommenden Jahren weiterführen. Denn die humanitären Bedürfnisse seien «ungebrochen hoch» und würden auch nach einer Waffenruhe lange weiter bestehen, teilte Caritas mit.

So macht es auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), das seine Hilfe mit einem Schwerpunkt auf die akuten Bedürfnisse der Bevölkerung wie warme Mahlzeiten oder Zelte und Heizkörper für den Winter ausgebaut hat. Beim Hilfswerk der evangelischen Kirche (Heks) konzentrierte sich die Hilfe in der Anfangsphase ebenfalls auf das Überlebensnotwendige.

Von der Soforthilfe zur langfristigen Perspektive

Gleichzeitig wollen die Hilfswerke auch langfristige Perspektiven fördern. Caritas will dies etwa mit dem Projekt «Remarket», das zum Ziel hat, den lokalen Markt so zu stärken, dass er auch in Kriegszeiten funktionsfähig bleibt. Konkret erhalten 1300 Binnenvertriebene und 221 kleine und mittlere Betriebe finanzielle Hilfe in der Höhe von insgesamt 7,5 Millionen Franken.

Das Heks wiederum setzt einen Schwerpunkt auf die Unterstützung von Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Seit 2022 verteilte das Hilfswerk mehr als 23’000 Notunterkunfts-Sets und reparierte zahlreiche Wohnhäuser für betroffene Familien. Insgesamt wurde im Bereich Unterkünfte laut Angaben des Heks so fast 250’000 Personen geholfen.

Mit der Unterstützung der Glückskette setzte das Heks insgesamt 739 Häuser instand, weitere 447 Reparaturen seien noch im Gange. Auch versorgte das Heks angesichts der massiven Angriffe auf die Energieinfrastruktur bis anhin 21'700 Menschen mit Brennstoffen. In den Oblasten (Regionen) Charkiw und Saporischschja wurden zudem Gesundheitseinrichtungen unterstützt und renoviert, was 137'000 Menschen einen angemessenen Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichte.

Seit 2022 erhielten weiter auch fast 80’000 Frauen und Mädchen psychosoziale Unterstützung, Hilfe bei geschlechtsspezifischer Gewalt sowie sogenannte Würde-Sets mit Hygieneartikeln. Auch 2026 setze das Heks seine Aktivitäten zur Reparatur von Häusern, zum Schutz von Frauen und Mädchen und zur Instandsetzung der Wasserversorgung in abgelegenen Gemeinden fort, hiess es auf Anfrage. Derzeit seien für die Ukraine mindestens drei Millionen Franken budgetiert.

Die Glückskette konzentriert ihre Unterstützung vor allem auf die besonders betroffenen Regionen im Osten des Landes nahe der Frontlinien, wie sie mitteilte. Die Unterstützung umfasst neben der Nothilfe auch langfristige Projekte wie die Instandsetzung von Unterkünften oder Hilfen im Bereich Gesundheitsversorgung, psychosoziale Hilfe oder Bildung.

Stadt Bern spendet für Winterhilfe
Die Stadt Bern unterstützt die Winterhilfe in der Ukraine mit 25'000 Franken. Sie lässt den Beitrag dem Schweizerischen Roten Kreuz zukommen, das in Zusammenarbeit mit dem Ukrainischen Roten Kreuz beheizte Zufluchtsorte bereitstellt. Dort sind die Betroffenen vor Kälte geschützt und erhalten warme Mahlzeiten, wie die Stadt Bern am Freitag mitteilte. In der Ukraine leben hunderttausende Menschen in lebensbedrohlicher Kälte ohne Heizung und Licht.

Quellen

  • Nachrichtenagentur Keystone-SDA

(dsc)

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