Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Schweizer Bundesanwalt reicht Klage gegen 25-jährigen Dschihad-Reisenden ein



Zum ersten Mal in der Schweiz wird ein mutmasslicher Dschihadreisender, der vor seiner Ausreise in ein Kampfgebiet verhaftet werden konnte, vor Gericht gebracht. Der 25-jährige Schweizer aus Winterthur muss sich vor Bundesstrafgericht verantworten.

ZU DEN AUSFUEHRUNGEN VON MICHAEL LAUBER ZUM VERFAHREN GEGEN DIE FIFA IN DER SAMSTAGSRUNDSCHAU VON RADIO SRF STELLEN WIR IHNEN AM SAMSTAG, 17. OKTOBER 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Bundesanwalt Michael Lauber aeussert sich zum Fall FIFA und zu seiner Wiederwahl, am  Mittwoch, 17. Juni 2015, in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bundesanwalt Michael Lauber nimmt Schweizer Dschihadisten ins Visier.
Bild: KEYSTONE

Die Bundesanwaltschaft reichte gemäss Mitteilung vom Freitag am Donnerstag eine Klage ein. Sie wirft dem Beschuldigten in der Anklageschrift vor, er habe beabsichtigt, sich dem sogenannten «Islamischen Staat» anzuschliessen.

Der junge Mann wird mutmasslicher Verstösse gegen das sogenannte «IS»-Gesetz beschuldigt sowie allenfalls der Unterstützung einer kriminellen Organisation. Des Weiteren werden ihm mehrfache Verstösse gegen das Verbot von Gewaltdarstellungen zur Last gelegt.

Die Strafanträge zu den Sanktionen werden anlässlich der Hauptverhandlung gestellt, heisst es vonseiten der Bundesanwaltschaft. Für die Vergehen sieht das Gesetz eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren vor. Es ist dies der erste Fall dieser Art, der vors Bundesstrafgericht in Bellinzona gelangt.

Zwei Wochen in U-Haft

Der 25-Jährige war am 7. April 2015 bei seiner Ausreise am Flughafen Zürich von der Kantonspolizei Zürich festgenommen worden. Er wollte offenbar via Istanbul in das syrisch-irakische Kriegsgebiet reisen.

ZUR EINFUEHRUNG VON SYSTEMATISCHEN GRENZKONTROLLEN AM EUROAIRPORT, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 25. NOVEMBER 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Kontrollschalter im Abflugbereich des EuroAirports Basel Mulhouse Freiburg am Montag, 23. Maerz 2009. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Grenzkontrolle am Airport Basel.
Bild: KEYSTONE

Zwei Wochen später wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Es bestünden keine Haftgründe mehr, teilte die Bundesanwaltschaft damals mit. Der Haftrichter erliess eine Ausweis- und Reisesperre für den Winterthurer, es wurden ihm also Pass und ID eingezogen sowie eine Meldepflicht bei der Polizei erlassen.

46 hängige Strafverfahren

Die Anklage sei ein weiteres Element in der konsequenten Strafverfolgung aller Personen in der Schweiz, die sich am dschihadistisch motivierten Terrorismus zu beteiligen versuchen oder diesen mit Propagandamitteln unterstützen, schreibt die Bundesanwaltschaft.

Zurzeit sind bei der Bundesanwaltschaft 46 Strafverfahren im Themenkomplex des dschihadistisch motivierten Terrorismus hängig. Es handelt sich dabei primär um den Verdacht der propagandistischen Unterstützung terroristischer Organisationen.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass im Februar offenbar keine weiteren Personen aus der Schweiz in den Dschihad gereist waren. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) korrigierte die Gesamtzahl der Dschihadreisenden gar nach unten.

Im Januar war der Dienst noch von 73 Fällen ausgegangen – neu sind es noch 72. Die Zahl bezieht sich auf Personen, die seit 2001 mutmasslich in den «heiligen Krieg» gezogen sind: 58 reisten nach Syrien und in den Irak, 14 nach Somalia, Afghanistan und Pakistan.

Viele Verdächtige haben Schweizer Pass

Aus dem Dschihad zurückgekehrt sind insgesamt zwölf Personen – neun dieser Fälle sind bestätigt, drei sind unbestätigt. Letzteren geht der NDB gemäss eigenen Angaben weiterhin nach.

Von den 72 Dschihadreisenden auf der Liste haben 28 einen Schweizer Pass; 16 von ihnen sind Doppelbürger. Weitere Details gibt der Nachrichtendienst nicht bekannt. Seit gut einem Jahr publiziert er regelmässig die Anzahl Personen, die aus dschihadistischen Motiven aus der Schweiz in Konfliktgebiete reisen.

(sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

40% weniger Übernachtungen in Schweizer Hotels: Historischer Einbruch bei Logiernächten

Die Übernachtungen in Schweizer Hotels haben vergangenes Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent abgenommen. Damit haben die Logiernächte einen historischen Tiefststand erreicht, wie das Bundesamt für Statistik am Freitag mitteilte. Die Schweizer Hotellerie wurde in das Jahr 1950 zurückkatapultiert.

Grund dafür ist die Coronapandemie. Wegen der Einreiserestriktionen blieben vor allem die Gäste aus dem Ausland aus. Die Hotelübernachtungen von ausländischen Gästen sank um zwei Drittel auf …

Artikel lesen
Link zum Artikel