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Schweizer Bauern wollen Flüchtlinge beschäftigen. Lohn: 3200 Franken

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Pilotprojekt: Bauern stellen Flüchtlinge ein
Schweizer Bauern wollen anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen Gelegenheit geben, einer Arbeit nachzugehen und gleichzeitig ihren Mitarbeiterbedarf zu decken.
quelle: keystone / patrick straub
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Schweizer Bauern wollen Flüchtlinge beschäftigen. Lohn: 3200 Franken

20.05.2015, 10:2820.05.2015, 15:51
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Schweizer Bauern wollen anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen Gelegenheit geben, einer Arbeit nachzugehen, und gleichzeitig ihren Mitarbeiterbedarf decken. Bauernverband und Bund haben ein Pilotprojekt gestartet. Problemlos ist die Mitarbeit aber nicht. 

Zurzeit machen zehn Betriebe im Projekt mit. Auf diesen Höfen arbeiten bereits Flüchtlinge, oder sie werden ihre Tätigkeit im Lauf des Jahres aufnehmen. Am Mittwoch stellten der Schweizer Bauernverband und das Staatssekretariat für Migration (SEM) das Projekt auf einem Gemüsebaubetrieb in Füllinsdorf BL vor.

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Mindestlohn gemäss Normalarbeitsvertrag

Im ersten Monat erhalten die arbeitenden Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommenen 2300 Franken brutto als Lohn. Vom zweiten Monat an bezahlen die Bauern den Mindestlohn gemäss Normalarbeitsvertrag. In den meisten Kantonen sind das laut Mitteilung 3200 Franken.

Die Betriebe erhalten für ihren administrativen Aufwand im Zusammenhang mit der Auswertung des Projekts 200 Franken im Monat. Weitere 200 Franken werden den Bauern als pauschale Entschädigung ausbezahlt, wenn die Arbeitskräfte auf dem Betrieb wohnen und die Bauernfamilie sie verpflegt. 

Die Schweizer Bauern wollen Flüchtlingen Arbeit geben. Ist das eine gute Idee?

Leistungen vom Staat fallen sofort weg

Problemlos ist die Mitarbeit von Flüchtlingen auf Bauernbetrieben nicht: Nehmen sie die Arbeit auf, fallen sofort alle Leistungen vom Staat weg, wie Betriebsleiter Andreas Eschbach laut Redetext ausführte. Er beschäftigt seit Jahren Flüchtlinge.

Die Arbeitskräfte müssen mit ihrem Lohn unter anderem für Unterkunft und Essen aufkommen. Alle Stellen bei Bund, Kantonen und Gemeinden müssten deshalb zusammenspannen. Und: «Es muss finanziell interessanter sein, zu arbeiten als nicht zu arbeiten.»

Schweizer wollen nicht in der Landwirtschaft arbeiten

Den Bauern forderten die Arbeitskräfte zusätzliches Engagement ab, sagte Eschbach. Sie müssten Geduld, Verständnis für andere Kulturen und den Willen zur Integration aufbringen. Nicht jeder Betrieb eigne sich für die Mitarbeit von Flüchtlingen.

Hintergrund des Projekts ist die am 9. Februar 2014 angenommene Zuwanderungs-Initiative der SVP. In der Schweizer Landwirtschaft arbeiten jedes Jahr 25'000 bis 35'000 Personen aus dem Ausland, weil sich für die Arbeit auf Bauernbetrieben kaum Schweizer finden, wie der Bauernverband festhielt.

Laut der Mitteilung findet nur rund jede dritte vorläufig aufgenommene oder als Flüchtling anerkannte Person in den ersten Jahren in der Schweiz eine Arbeit. Mangelnde Sprachkenntnisse, keine Ausbildung, die fehlende Anerkennung eines Diploms aus dem Herkunftsland oder Vorurteile der Arbeitgeber sind Gründe dafür. (whr/sda)

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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Dewar
20.05.2015 11:01registriert Januar 2015
Sehr gute Idee. Die wenigen Flüchtlinge, die ich kenne, haben als oberstes Ziel, Arbeit zu finden, damit sie auf eigenen Beinen stehen können. So kann ihnen das schon früh ermöglicht werden. Allerdings finde ich es u.U. problematisch, die Flüchtlinge von Anfang an zu 100 % zu beschäftigen. Wenn sie noch nicht so lange in der Schweiz leben, wäre es vielleicht sinnvoller, einer Teilzeitbeschäftigung (60-80%) nachzugehen und in der "freien" Zeit einen Sprachkurs zu besuchen. Auch stelle ich mir vor, dass sie daneben trotzdem noch Betreuung brauchen, um z.B. zu lernen, wie man mit Finanzen umgeht.
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Lowend
20.05.2015 11:11registriert Februar 2014
Wenn die ehemalige Bürger-, Gewerbe- und Bauern-Partei dafür im Gegenzug aufhört, gegen ihre neuen Arbeitskräfte zu hetzen, um frustrierte Wähler für sich zu gewinnen und mithilft und dafür sorgt, dass diese Menschen hier anständig und ohne Angst vor Übergriffen leben können, fände ich dass sogar eine gute Idee. Wenn aber die Hetze gleich wie jetzt weitergeht, wäre es das reine Ausnützen von Menschen in Not.
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Hans Jürg
20.05.2015 12:21registriert Januar 2015
Ich warte schon darauf, dass der Toni Brunner fordert, mehr Flüchtlimge ins Land zu lassen...
Und natürlich fordert es dann auch für jeden eingestellten Flüchtling grosszügige Subventionen für sich, nein, für die Bauern.
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