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Schweiz
Basel

Erster Mindestlohn in der Deutschschweiz: Basel-Stadt sagt Ja zu 21 CHF pro Stunde

Der Basler Grosse Rat debattiert
Der Kanton Basel-Stadt wird aller Voraussicht nach als erster Deutschschweizer Kanton einen gesetzlichen Mindestlohn einführen.Bild: sda

Basel-Stadt sagt Ja zu 21 CHF pro Stunde ++ Zürich gegen höhere Familienzulagen

13.06.2021, 12:1713.06.2021, 14:36

Basel-Stadt

Der Kanton Basel-Stadt wird aller Voraussicht nach einen gesetzlichen Mindestlohn verankern. Nach Auszählung der brieflichen Stimmen zeichnet sich beim Gegenvorschlag zur Mindestlohn-Initiative der Gewerkschaften und Linksparteien eine Ja-Mehrheit ab.

Der Gegenvorschlag des Grossen Rats zur Initiative «Kein Lohn unter 23.-» fand eine Mehrheit von 53,53 Prozent der brieflichen Stimmen – 29'700 Ja- stehen 25'784 Nein-Stimmen gegenüber. Die Initiative dürfte mit einer Nein-Mehrheit von 51,08 Prozent der brieflichen Stimmen scheitern. Hier stehen 30'010 Nein- 28'739 Ja-Stimmen gegenüber.

Weil in Basel-Stadt die brieflich abgegeben Stimmen jeweils einen Anteil von über 95 Prozent ausmachen, gelten diese normalerweise als deutlicher Gradmesser für das Schlussresultat, das auf 15.00 Uhr angekündigt ist.

Der Gegenvorschlag sieht einen Mindestlohn von 21 Franken pro Stunde vor. Darüber hinaus werden unter anderem Saläre bei allgemeinverbindlichen Gesamt- und Normalarbeitsverträgen, die bereits einen Mindestlohn festlegen, von der gesetzlichen Vorgabe ausgeschlossen.

Damit wird der Kanton Basel-Stadt aller Voraussicht nach als erster Deutschschweizer Kanton einen gesetzlichen Mindestlohn einführen. Einen Mindestlohn kennen bereits die Kantone Neuenburg und Genf sowie das Tessin.

Zürich

Die Initiativen für höhere Familienzulagen und mehr Prämienverbilligungen dürften im Kanton Zürich scheitern, wie die zweite Hochrechnung zeigt. Das neue Geldspielgesetz wird hingegen angenommen.

Die Initiative der EDU «Mehr Geld für Familien» dürfte gemäss zweiter Hochrechnung mit einem Nein-Stimmenanteil von 62,5 Prozent scheitern. Noch gilt eine gewisse Unsicherheit, doch scheint das Nein gewiss; das sogenannte Vertrauensintervall wird zwischen 55,4 und 69,1 Prozent angegeben.

Single mother Fjola carries her 2-year-old son Loris on her arm, pictured in her apartment in Glatttal, canton of Zurich, Switzerland, on November 16, 2006. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die alleinerziehen ...
Die Zürcher Stimmbevölkerung will Schweizer Familien nicht mehr Geld sprechen. Bild: KEYSTONE

Für die Initiative «Raus aus der Prämienfalle» der Mitte, der früheren CVP, erwartet die zweite Hochrechnung ein Nein-Stimmenanteil von 63,8 Prozent (Vertrauensintervall: 55,2 bis 71,8 Prozent). Mit der Initiative sollte der Kanton verpflichtet werden, mehr Geld für die Krankenkassenprämien bereit zu stellen.

Das kantonale Einführungsgesetz zum Geldspielgesetz des Bundes, das kein Verbot von einarmigen Banditen mehr vorsieht, dürfte erwartungsgemäss durchkommen: Es wird ein Ja-Stimmenanteil von 67,4 Prozent erwartet, die mögliche Marge wird mit 59,8 bis 74,1 Prozent angegeben.

Ausgezählt sind derzeit 44 der 162 Zürcher Gemeinden.

Schaffhausen

Im Kanton Schaffhausen wird die künstliche Beleuchtung nachts nicht eingeschränkt. Die Stimmberechtigten haben am Sonntag die «Lichtverschmutzungsinitiative» der Grünen knapp abgelehnt. Diese hätte die schweizweit strengsten Regeln in dem Bereich vorgesehen.

«Mehr Raum für die Nacht» lautete der offizielle Titel der kantonalen Volksinitiative. Mit ihr hätte Schaffhausen in der Schweiz eine Pionierrolle bei der Verhinderung von Lichtverschmutzung einnehmen können. Aus den dunkleren Schaffhauser Nächten wird nun jedoch nichts. Der Nein-Stimmenanteil betrug 52,7 Prozent. Es wurden 18'826 Nein-Stimmen und 16'888 Ja-Stimmen gezählt.

Das Ergebnis ist überraschend knapp ausgefallen: Bis fast ganz zum Schluss hätte das Resultat in beide Richtungen kippen können. Angesichts der eher deutlichen Ablehnung im Kantonsrat mit 34 zu 21 Stimmen war das nicht zu erwarten.

Zustimmung auch auf dem Land

Die höchste Zustimmung erhielt die Initiative wie erwartet in der Stadt Schaffhausen. Aber auch in einigen Landgemeinden kam ein, wenn auch meist knappes, Ja zustande.

Eine Annahme der Initiative hätte zu den ersten verbindlichen kantonalen Regelungen in diesem Bereich geführt, die zahlreiche Aspekte der Lichtverschmutzung abgedeckt hätten. Zu diesem Schluss gelangte die Umweltwissenschaftlerin Liliana Schönberger in einem Exposé zum Thema Lichtverschmutzung als neue Herausforderung in der Raumplanung.

Die meisten Kantone belassen es bei der Umsetzung der bundesrechtlichen Vorgaben, und veröffentlichen beispielsweise Merkblätter dazu, wie eine von Schönberger erstellte Übersicht zur Situation in den einzelnen Kantonen zeigt.

Lichtverschmutzung führt zu Insektensterben

Die Schaffhauser Initianten warnten davor, dass die Lichtverschmutzung auch im ländlichen Kanton Schaffhausen immer mehr zunehme. Dies führe zu einem massiven Insektensterben, zu Verhaltensänderungen bei Tieren und Pflanzen sowie zu Schlafstörungen bei Menschen.

Die Volksinitiative verlangte unter anderem eine Bewilligungspflicht für Aussenbeleuchtungen. Strassenbeleuchtungen hätten gedimmt und durch Zeitschaltuhren oder Bewegungsmelder gesteuert werden müssen.

Gegner der Initiative verwiesen darauf, dass die notwendigen gesetzlichen Grundlagen auf Bundesebene bereits vorhanden seien und es daher keine weiteren Regelungen brauche.

Die einschlägigen Vorschriften befinden sich im Umweltschutzgesetz sowie dem Natur- und Heimatschutzgesetz des Bundes. (ohe/sda)

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70 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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pamayer
13.06.2021 12:21registriert Januar 2016
Basel tickt in der Regel schon etwas sozialer.
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Lullaby@20past
13.06.2021 14:09registriert April 2019
21.- ist der Hohn! Zuviel zum Sterben, definitiv zu wenig zum Leben. Mir tut es leid für alle, die sich für so wenig tagtäglich abrackern müssen - und das in einem Land, wo es eigentlich genug für alle gäbe... 😕
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Maracuja
13.06.2021 14:38registriert Februar 2016
Immerhin dürfen die ZürcherInnen via Finanzausgleich etwas dazu beitragen, dass andere Kantone wie z.B. das Wallis höhere Kinderzulagen auszahlen, so tun sie wenigstens auch noch ein bisschen was Soziales. Dass die Mehrheit auch gegen höhere Prämienverbilligungen ist, ist beschämend, denn diese wären ja im Gegensatz zu den höheren Kinderzulagen nicht nach dem Giesskannenprinzip ausgezahlt worden, sondern ausschliesslich denen zu Gute gekommen, die darauf angewiesen sind.
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