DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Viele Rocker haben sich nach Bern aufgemacht.
Viele Rocker haben sich nach Bern aufgemacht.Bild: watson/dfr

Bandido muss für Schuss auf Hells Angel 8 Jahre hinter Gitter

Im Berner Rockerprozess hat das Gericht am Donnerstag teils lange Freiheitsstrafen verhängt. Der eine Hauptangeklagte wurde zu acht Jahren Freiheitsstrafe wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt.
30.06.2022, 15:30

Bei der Auseinandersetzung verfeindeter Rockerbanden 2019 in Belp BE soll der 37-jährige Schweizer mit einer durchgeladenen Pistole einem Gegner auf den Kopf geschlagen haben. Ein Schuss aus der Pistole verletzte einen weiteren Mann.

Der Verurteilte habe bewusst in Kauf genommen, Menschen zu verletzen und zu töten, sagte der Gerichtspräsident in seiner Urteilsbegründung. Der Beschuldigte befindet sich bereits im vorzeitigen Strafvollzug.

Er ist Mitglied der Bandidos, genau wie der zweite Hauptangeklagte. Der 42-jährige gebürtige Spanier kam mit einer unbedingten Strafe von acht Monaten wegen Raufhandels davon. Vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung wurde er freigesprochen.

Rocker in Bern – Hells Angels vs. Bandidos

1 / 24
Rocker in Bern – Hells Angels vs. Bandidos
quelle: watson/dfr
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Ein weiterer Mann – auch er ein Bandido – wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten verurteilt. Es handelt es sich um einen 34-jährigen Österreicher. Der Mann wird zudem des Landes verwiesen.

19 weitere Angeklagte hatte das Gericht in der Mehrheit wegen Raufhandels zu beurteilen. In fünf Fällen gab es Freisprüche. In den übrigen Fällen sah es das Gericht als erwiesen an, dass die Angeklagten bei der Auseinandersetzung dabei waren und das Geschehen «physisch und psychisch» unterstützt hatten. Das Gericht fällte bedingte Freiheitsstrafen um die zehn Monate aus.

Beweise sprechen lassen

Vor Gericht hatten die meisten Angeklagten zur Tat eisern geschwiegen, so wie dies im Rockermilieu üblich ist. Angelegenheiten werden intern geregelt.

Der Gerichtspräsident kritisierte die Rechtsauffassung der Szene scharf: «Es kann nicht sein, dass gewisse Mitglieder unserer Gesellschaft eigene Regeln aufstellen, die dem Strafrecht zuwiderlaufen, und dann auch noch versuchen, diese zu legitimieren.»

Es liege genügend Beweismaterial mit DNA-, Blut- und Schmauchspuren vor Ort, Zeugenaussagen, Auswertungen von Telefon-Chats und rechtsmedizinischen Untersuchungen vor, befand das Gericht.

Es ging davon aus, dass die im Ausland aktiven Bandidos in der Schweiz ein eigenes Chapter gründen wollten, was den Platzhirschen – den Hells Angels und den mit ihnen befreundeten Berner Broncos – nicht passte.

Die Bandidos sollten daher mit Gewalt vertrieben werden, und zwar an einem Abend, als sie in Belp eine Party feiern wollten. Die Bandidos erhielten jedoch Wind vom Vorhaben der Gegner.

Beide Gruppierungen hätten gewusst, dass Stunk anstehe, so das Gericht. Sie hätten umgehend ihre Getreuen mobilisiert, wie eindeutig aus Chat-Protokollen hervorgehe. Auch habe man sich bewaffnet. Wer mit Schlagstöcken, Schlagringen und Messern auftauche, der wolle nicht bloss Konversation machen.

Der Aufmarsch der Rocker in Bern war gross.
Der Aufmarsch der Rocker in Bern war gross.Bild: watson/dfr

Die teilweise mit Schusswaffen ausgerüsteten Bandidos gewannen beim Kampf die Oberhand, worauf sich die Hells Angels und Freunde zurückzogen. Der Gewaltexzess forderte mehrere Schwerverletzte.

Diesmal ohne Ausschreitungen

Die Urteilsverkündung am Donnerstag zog sich mehr als vier Stunden hin. Vor dem Amtshaus fanden sich wiederum rund 300 Rocker ein, um ihre Kameraden moralisch zu unterstützen. Der gesamte Prozess fand unter grossen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Beim Prozessbeginn Ende Mai hatten sich Mitglieder der Hells Angels und der Bandidos Scharmützel vor dem Berner Amthaus geliefert. Die Polizei setzte Gummischrot und Wasserwerfer ein, um die beiden Lager voneinander fernzuhalten.

Am Donnerstagmorgen blieb die Lage friedlich. Bandidos tauchten keine auf, die Polizei nahm keine Anhaltungen vor. Nach der Urteilsverkündigung zogen die Rocker alle ab. Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause zeigte sich auf Anfrage «sehr zufrieden»: Die Polizei habe ausgezeichnete Arbeit geleistet, die Stadt habe einen ruhigen Morgen erlebt.

Motorradgangs wie die Hells Angels wurden in der Schweiz vor rund 50 Jahren populär. Lange wurden sie von der Öffentlichkeit vor allem als spleenige Aussenseiter auf schweren Töffs wahrgenommen. Doch die verschwiegene Szene ist durchzogen von Kriminalität.

Das erstinstanzliche Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann an die nächsthöhere Instanz weitergezogen werden. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Rocker in Bern – Hells Angels vs. Bandidos

1 / 24
Rocker in Bern – Hells Angels vs. Bandidos
quelle: watson/dfr
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Nichts für Motorradfans – Bulldozer vernichtet dutzende Zweiräder

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

104 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Tagedieb
30.06.2022 09:08registriert März 2016
Es braucht hier genau gar keine Gruppierungen die «ihr eigenes System und ihre eigenen Regeln» mit Gewalt durchetzen.

Wer solche Aussagen als Gruppierung macht gehört verboten -
1594
Melden
Zum Kommentar
avatar
International anerkannter Experte für ALLES
30.06.2022 08:47registriert Juli 2021
Die ideale Gelegenheit für die Polizei, mal die Schalldämpfer der Maschinen zu checken, nicht?
16313
Melden
Zum Kommentar
avatar
Butch Cassidy & Sundance Kid
30.06.2022 09:01registriert Mai 2018
"Rocker"
Spätpubertierende Jungs mit Komplexen passt wohl eher.
14418
Melden
Zum Kommentar
104
Protestcamp von Mountain Wilderness Schweiz gegen Gondosolar

Mit einem Protestcamp haben am Samstag rund 20 Aktivistinnen und Aktivisten der Naturschutzorganisation Mountain Wilderness Schweiz in Gondo VS ein Zeichen gegen das Projekt «Gondosolar» und für eine wildnisverträgliche Energiewende gesetzt.

Zur Story