Der F-35 kommt – und wird laut: So will der Bund die Bevölkerung vor Lärm schützen
Die neuen F-35-Kampfjets erfordern bei den drei Militärflugplätzen von Payerne VD, Meiringen BE und Emmen LU zusätzliche Lärmschutzmassnahmen. In Friedenszeiten sind die meisten Starts und Landungen in Payerne geplant. Stationiert sind die F-35 in Payerne und in Meiringen.
Startet ein F-35-Kampfjet, ist er lauter, als heute ein F/A-18, wie das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) schreibt. Über das Ganze gerechnet, müssten Anwohnerinnen und Anwohner der Militärflugplätze aber nicht mehr Lärm aushalten, denn die neuen Kampfjets gehen im Trainingsalltag weniger oft in die Luft als die F/A-18.
Ab 2028 in der Schweiz
Ab Mitte 2028 treffen die ersten F-35 in Payerne ein. In Meiringen ist es ab 2030 so weit und in Emmen ab 2032. Das Verteidigungsdepartement (VBS) und das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) müssen wegen der neuen Jets zusätzliche Lärmschutz-Massnahmen treffen, wie sie am Montag bekanntgaben.
Fliegergeschwader werden in Payerne und in Meiringen stationiert. Emmen dagegen soll Standort für Trainings und Flugversuche sein. Für Payerne werden ab 2033 im Alltag im Mittel 4200 F-35-Flugbewegungen – gemeint sind Starts, Landungen und Durchstarte-Manöver – erwartet. Trainingsflüge sollen in 38 Wochen des Jahres stattfinden.
In Meiringen dürften es durchschnittlich 2040 Bewegungen in 38 Wochen sein, bei höchstens 2500. In Emmen wird im Mittel in 34 Wochen des Jahres mit durchschnittlich 1090 Flugbewegungen gerechnet, bei einem Maximum von 1350. Etwas mehr als die Hälfte aller Flugbewegungen finden in Friedenszeiten in Payerne statt.
Weniger Jets heisst nicht weniger Flüge
Meiringen hat rund ein Viertel zu tragen und Emmen 13 Prozent. Rund ein Zehntel aller Starts und Landungen wird im Ausland stattfinden. Kommt es zu erhöhten Spannungen respektive einem bewaffneten Konflikt, sollen die F-35 hingegen je zur Hälfte von Payerne und Meiringen aus starten und landen.
Das VBS geht derzeit davon aus, dass etwa dreissig F-35 beschafft werden. Das sind aus Kostengründen weniger als die zunächst geplanten 36 Stück. Die Zahl der Flugbewegungen auf den Militärflugplätzen wird dadurch nicht tiefer. Denn es seien trotz der tieferen Zahl etwa gleich viele Maschinen im operativen Einsatz.
Das Lärmschutzkonzept sieht vor, die Zahl der Übungsflüge tief zu halten. In der Regel wird aus Rücksicht auf die Gemeinden in der Nähe der Flugplätze an Wochenenden, sowie am Montagvormittag und am Freitagnachmittag nicht trainiert. Zudem gibt es mehr Simulator-Trainings.
Schallschutz für 230 zusätzliche Gebäude
Trotz der Bemühungen, die Zahl der F-35-Flüge gegenüber dem leiseren F/A-18 zu senken, werden die Grenzwerte überschritten und wird der Bund zusätzliche Massnahmen treffen müssen. In Häusern, in denen wegen der neuen Jets der Grenzwert überschritten wird, ist der Einbau von Schallschutzfenstern vorgesehen.
Gegenüber heute müssen zusätzliche 230 Gebäude ausgerüstet werden, auf Kosten des VBS. Die meisten davon stehen in Emmen. Von den rund 200 dort betroffenen Liegenschaften hat erst etwa jede zehnte bereits Schallschutzfenster. Noch je dreissig Liegenschaften müssen in Meiringen und in Payerne mit diesen Fenstern ausgestattet werden.
Das VBS übernimmt nur für bewohnte Räume die Kosten. Zahl und Standort der Gebäude, die Schallschutz benötigen, sind aus Messungen und Lärmberechnungen der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa bekannt.
Hörvergleich verschoben
Seit Montag informiert das VBS in Payerne, Meiringen und Emmen über die Stationierung der F-35 und die sich ändernde Lärmbelastung. Die Unterlagen dazu liegen vom 18. Mai bis zum 17. Juni öffentlich auf.
Die Bevölkerung kann sich dazu äussern und allfällige Einsprachen deponieren. Über die Objektblätter zu jedem Flugplatz entscheidet der Bundesrat. Danach wird das VBS über die Betriebsreglemente der Flugplätze samt zulässiger Lärmbelastung entscheiden.
Entschieden wird über Ausnahmen von den Lärmschutzvorschriften, die Pflicht für Schallschutzfenster und allfällige Einsprachen. Ab dem zweiten Halbjahr 2027 soll das Schallschutzkonzept umgesetzt werden.
Nicht wie geplant stattfinden kann in der laufenden Woche ein in Meiringen geplanter Hörvergleich von F-35 und F/A-18. Der Anlass musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden, weil die italienische Luftwaffe aus operationellen Gründen nicht wie geplant zwei F-35 in die Schweiz bringt. (hkl/sda)
