Tausende an Frauentag-Demonstrationen in verschiedenen Schweizer Städten
Tausende Frauen haben am Samstag und Sonntag an verschiedenen Orten in der Schweiz aus Anlass des Internationalen Frauentags demonstriert. Das diesjährige internationale Motto lautete: «Geben, um zu gewinnen». Grössere Demonstrationen gab es unter anderem in Bern, Zürich, Lausanne und Basel.
Der Internationale Frauentag versteht sich als politischer und gesellschaftlicher Weckruf. Das Ziel ist es, strukturelle Barrieren abzubauen, die eine Gleichstellung verhindern, etwa diskriminierende Gesetze oder auch schädliche soziale Normen und Praktiken.
Da der Frauentag in diesem Jahr auf einen eidgenössischen Abstimmungssonntag fiel, verzichtete der Schweizerische Gewerkschaftsbund nach eigenen Angaben auf einen spezifischen Gleichstellungsanlass.
«Kämpferische Frauendemos»
Über 1000 Personen nahmen am Sonntag in Bern an einer unbewilligten Demonstration zum Internationalen Frauentag teil. Sie stellten sich «gegen patriarchale Gewalt, Faschismus und den Rechtsrutsch».
Die Teilnehmenden versammelten sich auf dem Bahnhofplatz und starteten anschliessend den Umzug durch die Innenstadt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Die Demonstrantinnen skandierten Parolen wie «Kein Krieg, kein Staat, kein Patriarchat» und «Gegen Banken und Sexisten».
Anlässlich des «queerfeministischen Kampftags» rief ein unbekanntes Kollektiv zu einer «kämpferischen Demo» auf. Ihr Widerstand galt Geschlechtergrenzen, patriarchaler Gewalt sowie dem «inneren und äusseren Grenzregime». Die Demo war dem Aufruf zufolge offen für alle Geschlechter. Man wolle den Ort sicher und zugänglich für alle machen. Und: «Patriarchale Strukturen gehen uns alle an.»
Zu Beginn der Kundgebung gedachten die Demonstrierenden mit einem 29 Sekunden langen Schrei der nach ihren Angaben 29 Opfer von Femiziden im Jahr 2025 in der Schweiz.
Sachbeschädigungen in Zürich
In Zürich war am Samstag das Motto der unbewilligten Demonstration «Feministisch und militant». Hetero-Männer wurden auf dem Flyer dazu aufgerufen, der Kundgebung «solidarisch fernzubleiben». Über 1000 Frauen nahmen teil. Entlang der Route vom Paradeplatz zum Helvetiaplatz gab es dabei zahlreiche Sachbeschädigungen. Teilnehmende zündeten zudem wiederholt pyrotechnische Gegenstände, wie die Stadtpolizei mitteilte.
Verschmierte Tramstationen und Schaufenster an Zürcher Frauendemo:
Bei der Besammlung der illegalen Demonstration auf dem Paradeplatz, war der Verkehr rasch zum Erliegen gekommen. Einige vermummte Frauen enterten das Tramhäuschen.
In Basel demonstrierten am Sonntag rund 600 Personen anlässlich des Weltfrauentags. Sie besammelten sich am Marktplatz zu einer unbewilligten Kundgebung, wo es Reden und Tänze gab. «Fintas kämpfen Hand in Hand - feministisch militant» oder «Unsere Körper, unsere Leben» stand auf Transparenten geschrieben.
Die Polizei war vor Ort, hielt sich aber im Hintergrund auf, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA beobachtete. Die Kundgebung in Basel führte über die Freie Strasse und machte Halt am Barfüsserplatz. Es kam zu Umleitungen und Verspätungen im Tramverkehr.
Rund 3000 demonstrieren in Lausanne
In Lausanne folgten am Samstag etwa 3000 Personen dem Aufruf des Kollektivs «Grève féministe Vaud» (Feministischer Streik Waadt) und demonstrierten gegen «die Sparpolitik, die unser Leben zerstört und imperialistische Kriege finanziert».
Unter diesem Motto versammelten sich die Demonstrantinnen und Demonstranten zunächst vor der Kathedrale. Laut der Lausanner Stadtpolizei waren es 1200 Demonstrierende. «Kein Feminismus ohne Antimilitarismus. Kein Frieden ohne soziale Gerechtigkeit», rief ein Mitglied des Kollektivs. Bunte Plakate, Musik und feministische Parolen prägten die Demonstration.
Berset mahnt Frauenrechte an
Zum Internationalen Frauentag erklärte der Generalsekretär des Europarates, Alain Berset, er glaube nicht an eine Welt, in der Frauen nur eingeschränkte Rechte hätten und in der ihre Angst grenzenlos sei.
Der ehemalige Bundesrat kritisierte diejenigen, die die Schlagzeilen der Zeitungen über Gewalt gegen Frauen ignorierten, den Kopf in den Sand steckten und behaupteten, die Gleichstellung von Frauen und Männern sei «zu weit gegangen». Oder die «ohne Scheu sagten, dass Frauen ihren Platz kennen» sollten.
Weltweit werde alle zehn Minuten eine Frau von jemandem getötet, den sie kenne, so Berset. In Europa sei jede dritte Frau Gewalt durch ihren Partner ausgesetzt und jede sechste erlebe sexuelle Gewalt. (sda)
