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Philipp Mueller, Nationalrat FDP-AG, Kandidat fuer das FDP Parteipraesidium posiert am Donnerstag, 8. Maerz 2012 waehrend der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

FDP-Präsident Philipp Müller. Bild: KEYSTONE

FDP-Präsident Philipp Müller sucht den Generalsekretär

«Wollen Sie sich jetzt etwa bewerben, oder wie?»

Die FDP hat ihren Abwärtstrend bei den Wahlen vom Wochenende gestoppt. Jetzt will Parteipräsident Philipp Müller 2015 die SP überholen. Und das ohne erfahrenen Generalsekretär. Den braucht er aber dringend.



Herr Müller, Gratulation zum Aufschwung in den Zürcher Gemeindewahlen. 
Philipp Müller: Danke! 

Zu mehr kann man Ihnen leider nicht gratulieren. In Nidwalden haben Sie zwei Sitze im Landrat verloren. Im Berner Grossen Rat stagniert. Und jetzt wollen Sie 2015 in den nationalen Wahlen die SP überholen? 
Ja. Das ist das erklärte Ziel. Es ist ein ambitionierter Plan, das gebe ich zu, aber nicht unmöglich. Wir haben in den Aargauer Wahlen 2012 auch einen Sprung von Platz 4 auf Platz 2 gemacht. Warum sollten wir bei den nationalen Wahlen das von Platz 3 aus nicht schaffen? 

Weil Sie im Aargau nur zwei Sitzgewinne machen mussten, um von Platz 4 auf Platz 2 zu kommen? Und weil zwei Sitzgewinne im Nationalrat nicht ganz reichen, um die SP zu schlagen? 
Da haben Sie natürlich recht. Aber wie die jetzigen Wahlen gezeigt haben, honorieren die Wähler, dass wir in den ganzen Legislaturperioden gute Arbeit leisten und nicht nur grad vor den Wahlen, wenn es um Sitze geht. Wir punkten mit unserem Kampf für die Bilateralen. Wir stehen für eine konsequente, aber faire Migrationspolitik und wir bringen uns bei der Energiewende ein. Das sind Themen, die einen Grossteil der Bevölkerung beschäftigen und offenbar gefällt den Wählern unser Einsatz. Am Samstag bei der Delegiertenversammlung sind die Leute Schlange gestanden, um in den Saal zu kommen. Das habe ich während meiner ganzen Zeit bei der FDP noch nie erlebt. 

Aber Sie haben im Wahlkampf 2015 einen grossen Nachteil gegenüber den anderen Parteien.
Welchen?

Stefan Brupbacher wechselt im Juli ins Wirtschaftsdepartement. Sie verlieren eineinhalb Jahre vor den Wahlen den Generalsekretär, den wichtigsten Mann im Wahlkampf. Warum haben Sie ihn gehen lassen?
Brupbacher ist ein erwachsener Mann. Es ist sein Recht, eine neue Herausforderung anzunehmen. Wenn einer mit seinen Qualifikationen den nach dem Bundesrat wichtigsten Job im Wirtschaftsdepartement angeboten kriegt, dann bin ich der Letzte, der ihn an diesem Karriereschritt hindert. Brupbacher hat sechseinhalb Jahre das Generalsekretariat geleitet. Und das sehr gut.  

Philipp Müller 

Der 62-jährige Bauunternehmer aus Reinach (AG) ist seit 2012 Präsident der FDP.DieLiberalen. Er folgte auf Fulvio Pelli, unter dessen unaufgeregtem Polit- und Kommunikationsstil die FDP massiv Wähleranteile verlor. Müller hat den starken Abwärtstrend in den Wahlen seit 2012 zumindest stoppen können. Unter seiner Führung ist insbesondere der öffentliche Auftritt der Parteileitung profilierter geworden, was sich auch in der Medienberichterstattung niedergeschlagen hat. Mit seiner harten Haltung in Migrationsfragen und seinem Ausspruch «Ein Arschloch ist ein Arschloch» über einen Schweizer Topmanager, der seiner Meinung nach zu hohe Boni bezogen hatte, setzte sich Müller gelegentlich auch dem Vorwurf des Populismus aus. 

Wirklich? Brupbacher selbst soll den Leuten im Generalsekretariat verboten haben, vor Wahlen zu kündigen oder für ein Amt zu kandidieren. Jetzt geht er selbst. Hat die Chemie nicht gestimmt? 
Nein. Ganz im Gegenteil. Wie gesagt: Brupbacher hat sich eine Chance geboten, die er packen musste. Und ich rate den Leuten immer, solche Herausforderungen anzunehmen. Immer. Ein Generalsekretär, der eigentlich lieber etwas anderes machen würde oder grollt, weil man ihn an einem Jobwechsel gehindert hat, ist im Wahlkampf ja auch nicht gerade motivierend. 

Wen nehmen Sie jetzt als neuen Generalsekretär?
Wollen Sie sich jetzt etwa bewerben, oder wie? 

Nein. Aber Sie brauchen jemanden mit dem Sie sich sicher gut verstehen. Und zwar schnell. Da müssen Sie doch eine Idee haben?
Nein. Wirklich nicht. Aber man muss sich da keine Sorgen machen. Bis im Juli ist Brupbacher noch da, wir haben die Stelle ausgeschrieben und schon mehrere Bewerbungen erhalten. 

Wieso nehmen Sie nicht einfach den früheren Aargauer Grossratspräsidenten Thierry Burkhard?
Burkhard? Wie kommen Sie auf Burkhard? Der will Nationalrat werden 2015 und hat einen guten Anwaltsjob. 

Aber er ist ihr Freund und absolut loyal zu Ihnen. Er war der Einzige, der Ihnen öffentlich den Rücken gestärkt hat, als Sie UBS-Boss Sergio Ermotti wegen seiner Lohnbezüge als «Arschloch» bezeichnet hatten. 
Aha, das soll also der UBS-Chef gewesen sein? Soviel ich weiss, hat Burkhard sich nicht für den Posten des Generalsekretärs beworben. 

Die FDP-Frauen werden eine weibliche Kandidatur portieren. 
Das begrüsse ich sehr, mit jeder guten Kandidatur wird die Auswahl an fähigen Kandidaten oder Kandidatinnen grösser.
Aber das Geschlecht spielt überhaupt keine Rolle. Der Job verlangt politisches Gespür, Organisationstalent, Führungskompetenz und Kommunikationsgeschick. Wer alle diese Qualifikationen am besten erfüllt, der kriegt den Job. Und ich bin überzeugt, dass wir in nützlicher Frist eine Lösung finden. 

Falls Sie die SP trotzdem nicht schlagen, dann droht der Verlust Ihres zweiten Bundesratssitzes. Insbesondere wenn sich die CVP und die BDP zusammentun. Richtig? 
Ach, das ödet mich an, diese ständige Verknüpfung der Parlaments- mit den Bundesratswahlen. 

Aber wenn die CVP und die BDP sich zusammentun, dann ist die FDP nicht mehr eine der drei grössten Parteien und hat keine zwei Bundesratssitze mehr.
Theoretisch ist das richtig. Aber damit eines klar ist: Wenn die CVP
und die BDP, die übrigens bei den Berner Wahlen gerade 11 Sitze verloren hat, eine Union machen, einfach um ihre Wähleranteile zusammenzählen zu können und einen Bundesratssitz zu retten, dann akzeptieren wir das niemals. Wenn, dann sollen sie fusionieren. Mit einem Vorstand, einer Marke, einem Programm. Aber eine Pro-Forma-Union? Einfach für ein bisschen Machterhalt? Ohne uns. Das erfüllt die Anforderungen der Zauberformel nicht. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 31.03.2014 16:19
    Highlight Highlight Der FDP ist eine Erholung zu gönnen und eine Erstarkung auch. Die FDP ist unterbewertet und für Problemlösungen der Schweiz eine wichtige Partei. Damit bleiben Diversität, Kontinuität und Sicherheit erhalten. Die wirtschaftlichen Herausforderungen werden nicht weniger und in Krisenzeiten braucht es eine dedizierte Stimme der Wirtschaft und für das liberale Gedankengut. Ich bin parteilos, wünsche mir aber starke Parteiblöcke, die sich um die beste Lösung streiten und dann dafür zusammenraufen.

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