Schweiz
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Alle Zeichen stehen auf Lockdown – die Frage ist nur noch, wann und was dichtgemacht wird

Der Präsident der wissenschaftlichen Taskforce schlägt drastische Töne an: «Es ist Zeit zu handeln - jeder Tag zählt». Die Schweiz habe weder Zeit noch Spielraum, warnt Martin Ackermann. Einige Kantone erwarten nationale Verschärfungen, andere handeln schon.

Doris Kleck / ch media



Martin Ackermann, Praesident National COVID-19 Science Task Force, waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 24. November 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

«Die Schweiz muss die Fallzahlen weiter senken», sagte Task-Force-Chef Martin Ackermann am Dienstag vor den Medien in Bern. Bild: keystone

Die Woche ist noch jung, aber sie ist schon aussergewöhnlich. Von allen Seiten wird vom Bundesrat eine Verschärfung der Massnahmen verlangt. Von den Spitälern, den kantonalen Gesundheitsdirektoren, den Kantonsärzten, vom Bundesamt für Gesundheit - und von der wissenschaftlichen Taskforce.

Deren Präsident, Martin Ackermann, veröffentlichte am Dienstag den Text seiner Rede, die er am Point de Presse der Fachexperten vorlas. Auf Deutsch, Französisch und Italienisch. Ackermann überliess nichts dem Zufall: Die Forderung nach weitgehenden und raschen Schliessungen sollte gehört werden. Aus wissenschaftlicher Sicht müssten die neuen Massnahmen sehr wirksam sein. Geht es nach der wissenschaftlichen Taskforce, müssen Restaurants und Geschäfte, die nicht lebensnotwendige Dinge verkaufen, geschlossen werden. Zudem soll das Homeoffice durchgesetzt werden, wo immer dies möglich ist. Die Taskforce will einen schweizweiten Lockdown wie im Frühling.

Selbst Schulschliessungen sind kein Tabu. Der Präsenzunterricht soll nach den Weihnachtsferien erst wieder aufgenommen werden, wenn es die epidemiologische Lage erlaubt. Ackermann erklärte:

«Es ist wichtig, dass Übertragungen an den Festtagen nicht in die Schule gebracht werden.»

Es lohne sich, dass der Präsenzunterricht nach hinten versetzt werden. So dass die Schülerinnen und Schüler nach Silvester zuerst quasi in eine Quarantäne gehen, bevor der Unterricht wieder beginnt. Der Kanton Zürich hat bereits angekündigt, dass Gymnasiasten und Berufsschüler nach den Weihnachtsferien eine Woche lang selbständig zuhause arbeiten. Man habe vor allem auf der Sekundarstufe II jeweils nach den Ferien höhere Fallzahlen gehabt, begründete Zürich die Massnahme. Andere Kantone haben bislang abgewunken und auf gut funktionierende Schutzkonzepte verwiesen.

Allerdings prüft auch der Kanton St. Gallen Fernunterricht für Gymischülerinnen und Berufsschüler, wie die Regierung am Dienstag mitteilte. Ein Entscheid fällt am Samstag. Schaffhausen wiederum schickt Kindergärtner und Schülerinnen aller Stufen bereits am 18. statt am 24. Dezember in die Weihnachtsferien. Über deren Verlängerung wird diskutiert.

Die Schweiz habe weder Zeit noch Spielraum

Martin Ackermann nannte drei Gründe für die Verschärfungen:

Ackermann schloss mit einem eindringlichen Appell. Man solle die harten Massnahmen als eine Investition sehen; «als eine Investition in die Zukunft, um noch drastischere Massnahmen und noch grössere Schäden zu verhindern». Es gehe schlicht darum, möglichst viele Kranke und Tote zu verhindern und all jene zu unterstützen, die sich um erkrankte Menschen kümmern. Es gehe darum, nicht einen zu hohen Preis zu zahlen, bevor im nächsten Jahr die Impfung kommt.

Die PK im Video:

Video: watson

Sekundiert wurde Ackermann von Patrick Mathys, er leitet die Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Mathys zeigte die schlechte Situation auch im internationalen Vergleich, sprach mehrmals von einer «Trendwende im negativen Sinn» und warnte vor einer Verdoppelung der Fallzahlen in weniger als 30 Tagen. «Es muss Luft geschaffen werden», so Mathys. Er richtete eine einfach Botschaft an die Bevölkerung:

«Keine Kontakte, keine Übertragungen.»

Der BAG-Mitarbeiter ist Profi genug, um keine Forderungen an seine Chefs, die Bundesräte, zu stellen. Allerdings wurde auch Mathys deutlich: «Die Situation ist angespannt und gefährlich. Wir haben nicht unendlich Zeit, Massnahmen zu diskutieren und zu justieren oder ein bisschen etwas zu tun. Wir brauchen deutliche Massnahmen. Aber am Schluss ist dies ein politischer Prozess.»

Wo die Kantone verschärfen

Angesprochen sind also die politischen Entscheidungsträger. In verschiedenen Kantonen haben am Dienstag die Regierungen getagt.

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