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«Bersets bester Freund»: Die Loyalität des Lukas Engelberger gefällt nicht allen

Der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger (Mitte) ist in der Pandemiebewältigung ein wichtiger Partner von Gesundheitsminister Alain Berset (SP). Manche seiner Kollegen wünschen vom obersten Gesundheitsdirektor «mehr Distanz» zum Bundesrat.
07.11.2021, 12:11
Christoph Bernet / ch media

Es ist eine kleine Szene mit grosser Symbolkraft, die sich am vergangenen Mittwoch im Konferenzsaal im Bundesmedienzentrum in Bern abspielt. Auf dem Podium sitzt der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger (Mitte) neben Bundesrat Alain Berset (SP), Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) und der Zürcher Gesundheitsdirektorin Natialie Rickli (SVP). Sie werben für die nationale Impfwoche.

Engelberger und Berset nach einer Medienkonferenz.
Engelberger und Berset nach einer Medienkonferenz.Bild: keystone

Zu Beginn der Medienkonferenz sind die Spielregeln bezüglich Masken klar: Der jeweilige Referent zieht die Maske aus, hält sein Votum und zieht sie wieder an. Bei der anschliessenden Fragerunde wird es komplizierter: Zieht man sie nach jeder Antwort wieder an? Engelberger hält es zunächst so. Doch dann bemerkt er nach einem Seitenblick, dass Alain Berset seine Maske auch dann nicht mehr anzieht, wenn er gerade nicht am Reden ist. Unauffällig entledigt sich Engelberger seiner Maske und steckt sie in die Jackettasche.

«Verstehe mich gut mit Berset»

Berset führt, Engelberger folgt. So scheint es auch in der Pandemiebekämpfung abzulaufen. Lukas Engelberger, dem Präsidenten der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), kommt selten ein kritisches Wort zur bundesrätlichen Coronapolitik über die Lippen. Im Gegenteil: Bei jedem gemeinsamen Auftritt mit Berset bedankt er sich bei diesem für die gute Zusammenarbeit und den offenen Austausch.

Lukas Engelberger sagt auf Anfrage, er verstehe sich persönlich zwar gut mit Berset. Aber mehr als ein «professionelles Arbeitsverhältnis» verbinde ihn nicht mit dem Bundesrat.

Engelberger und Berset im August dieses Jahres.
Engelberger und Berset im August dieses Jahres. Bild: keystone

Die demonstrative Loyalität Engelbergers gegenüber Berset geht manchen Gesundheitsdirektoren zu weit. «Bei seinen Auftritten mit Berset wirkt er manchmal sehr servil», sagt ein GDK-Mitglied, das anonym bleiben will. Ein anderes wünscht sich von Engelberger «mehr Distanz» zum Bundesrat. Geschlossenheit im Auftreten sei wichtig in einer Krise: «Aber Berset und Engelberger wirken wie beste Freunde - das irritiert mich».

Einer, der mit seinem Namen hinsteht, ist der Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin (SVP). Er «spüre eine gewisse Nähe» zwischen der GDK und Bersets Innendepartement EDI. In der Vergangenheit habe Engelberger teilweise im Namen der GDK Positionen kommuniziert, die nicht vorgängig in der Konferenz konsolidiert worden seien. Urs Martin sagt:

«Da hat man sich als GDK-Mitglied die Frage gestellt, wen Engelberger eigentlich vertritt. Das geht natürlich nicht.»

Dies habe sich unterdessen aber verbessert.

Der laute Schnegg lobt den leisen Engelberger

Doch auch seine Kritiker loben Engelberger. Er sei fleissig, engagiert, dossierfest, ein guter Sitzungsleiter und Zuhörer. Voll des Lobes ist der Berner Pierre Alain Schnegg (SVP), einer der landesweit profiliertesten Gesundheitsdirektoren. Im Laufe der Pandemie machte Schnegg schon mehrfach via Medien Druck auf den Bund, wenn ihm etwas nicht passte. Zuletzt mit der erfolgreichen Forderung nach einem Verbot der nasalen Schnelltests.

Pierre Alain Schnegg (SVP/BE).
Pierre Alain Schnegg (SVP/BE).Bild: keystone

Der laute Schnegg schätzt den neben Berset manchmal etwas kleinlaut wirkenden Engelberger für «seine enorm grosse und gute Arbeit». Der Basler steuere die GDK mit ihren divergierenden Interessen geschickt durch die Pandemie. «Als Präsident vertritt er nicht eine lasche oder eine harte Linie. Er vermittelt zwischen den unterschiedlichen Haltungen im Gremium.»

«Geschlossenheit zentral für Krisenmanagement»

«Ein geschlossenes Auftreten von Politikern und Behörden bei Bund und Kantonen ist ein zentrales Element des Krisenmanagements», sagt Lukas Engelberger. Das blende Kritik nicht aus: «Zwischen den Kantonen und gegenüber dem Bund führen wir inhaltlich auch mal harte Diskussionen.» Aber nach einem Beschluss sei es wichtig, am gleichen Strick zu ziehen.

Der vergangene Spätherbst, als ein Flickenteppich an kantonalen Corona-Regeln herrschte und sich Bund und Kantone in aller Öffentlichkeit stritten, sei «keine erfolgreiche Phase der Pandemiebekämpfung gewesen», ruft Engelberger in Erinnerung. Er sei froh, dass das Verhältnis zum Bund heute sehr gut sei. Engelberger gefällt es in seinem Amt als GDK-Präsident: «Ich fühle mich getragen von meinen Kolleginnen und Kollegen. (aargauerzeitung.ch)

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