Schweiz
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Bundespraesidentin Simonetta Sommaruga spricht waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates zur aktuellen Lage und Massnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, am Mittwoch, 28. Oktober 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an der Pressekonferenz vom Mittwoch. Bild: keystone

«Nicht fünf vor zwölf, sondern High Noon» – das schreibt die Schweizer Presse zum Slowdown



War der Bundesrat während der ersten Corona-Welle im Frühjahr noch weitherum für sein gutes Krisenmanagement gelobt worden, so brandet ihm nun eine Welle von Kritik entgegen. Die Landesregierung habe die zweite Welle unterschätzt und zu spät reagiert, heisst es in den Kommentaren der Schweizer Medien vom Donnerstag.

Blick TV

Mit dem Massnahmenpaket des Bundesrates habe die Schweiz eine letzte Chance, die Fallzahlen zu senken und zu verhindern, dass die Spitäler überlastet würden, kommentierte der Chefredaktor des «Blick» die jüngste Entwicklung. In den letzten Wochen sei ein totales Versagen der Kantonsregierungen und des Bundesrates feststellbar gewesen. Sie hätten nichts unternommen und die Menschen vertröstet. Dabei sei wohl schon absehbar gewesen, dass die Schweiz sehenden Auges in eine Katastrophe schlittere. Die nun beschlossenen Massnahmen seien das Minimum, das nötig sei. Nur so könne ein zweiter Lockdown hoffentlich noch verhindert werden.

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CH Media

Die vom Bundesrat beschlossenen Corona-Massnahmen schränken laut dem Chefredaktor der CH Media vor allem die Freizeit und das kulturelle Leben ein. Der Berufsalltag und die Unternehmen seien weniger betroffen. Es sei richtig vom Bundesrat, die Wirtschaft so weit wie möglich weiterlaufen zu lassen und so Arbeitsplätze zu sichern. Der Mensch brauche aber nicht nur Arbeit. Er verkümmere ohne Kultur, Theater, Museen und Kleinkunst. Gleich mehrfach sei in den letzten Wochen und Monate Zeit verspielt worden, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Es sei noch nicht zu spät. Die Schweiz verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Jeder einzelne Mensch müsse nun seinen Teil dazu beitragen, das Virus zu stoppen.

«Die vielleicht bitterste Erkenntnis lautet: Die beunruhigende Lage, wie sie sich jetzt präsentiert, wäre vermeidbar gewesen. Den ganzen Sommer durch blieben die Infektionszahlen tief, ja noch vor einem Monat wurden nur 100 bis 300 Coronafälle pro Tag registriert. In dieser fast normalisierten Phase hätte die Schweiz tun müssen, was Länder wie China oder Südkorea konsequent getan haben: Testen, testen, testen und Infizierte konsequent isolieren, dazu ein Contact-Tracing aufbauen, das auch bei den absehbar höheren Fallzahlen in der kälteren Jahreszeit nicht kollabiert. Das haben die Behörden unterlassen – und ein erstes Mal Zeit verspielt.»

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«Le Courrier»

Der Bundesrat habe im letzten Moment die Kurve gekriegt, kommentiert die Westschweizer Tageszeitung «Le Courrier». Das Pflegepersonal habe unüberhörbar die Alarmglocke geläutet. Das habe den Druck erhöht. Bereits nach der ersten Welle sei die Schweizer Bevölkerung erschöpft gewesen. Das sei verständlich. Die Wirtschaft ihrerseits habe die Probleme lange nicht ernst genug genommen. Offen bleibe, wer die nun beschlossenen Massnahmen des Bundes kontrolliere. Und schliesslich fehlten auch Massnahmen zum Schutz von Beschäftigung und Löhnen im Paket des Bundesrates, kritisiert die Zeitung.

NZZ

«Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern High Noon», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung» in einem Kommentar zu den jüngsten Massnahmen des Bundesrates zur Eindämmung des Coronavirus. Wenn die Schweiz die Corona-Pandemie wieder in den Griff bekommen wolle, dann müssten jetzt alle an einem Strick ziehen: Bevölkerung, Wirtschaft und Politik. Zu lange sei die Wucht der zweiten Welle unterschätzt worden. Und zu lange habe man zugewartet. Das Umdenken müsse im Kopf erfolgen. Das Massnahmenpaket des Bundesrates sei ein Weckruf. Jeder sei aufgefordert, sich so weit einzuschränken, dass er andere und sich selber möglichst wenig der Gefahr einer Ansteckung aussetze.

«Eigentlich sollte es in den letzten Tagen auch dem Hintersten und Letzten gedämmert haben, dass man nicht mit fiebergeplagten Gästen Hochzeit feiert oder in beengten Verhältnissen auf einem Schiff singt, jodelt und musiziert. Gehirn einschalten genügt vollkommen, um derartige Superspreader-Anlässe zu verhindern. Doch leider war es mit der vielzitierten Eigenverantwortung bei einigen nicht weit her. Dadurch wurden viele Menschen in Gefahr gebracht. Das Umdenken muss im Kopf erfolgen, es kann nicht durch eine Covid-19-Verordnung des Bundes befohlen werden, die in vielen Belangen reines Papier bleiben wird.»

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«Südostschweiz»

Es gelte in der Corona-Pandemie, keine Zeit mehr zu verlieren, kommentiert auch die «Südostschweiz». Die Schweiz habe zu lange zugeschaut, während die Nachbarländer Schliessungen, nächtliche Ausgangssperren und Maskentragpflichten in Aussenräumen längst verfügt hätten. Zwar hätten auch die Nachbarn die Lage nicht im Griff, aber besser als die Schweiz. Im Kanton Graubünden gehe es um viel. Die Wintersaison stehe vor der Tür, mit einer sehr unsicheren Prognose. Nur wenn die Infektionszahlen sänken und Graubünden von der Liste der Risikogebiete gestrichen werde, bestehe Hoffnung. Der Kanton habe es in der Hand, weitere Einschränkungen zu beschliessen. Noch verzichte er darauf. Die Frage sei, wie lange noch.

«Tagesanzeiger»

Der Bundesrat geht nach Ansicht des «Tages-Anzeigers» bei der Bekämpfung des Coronavirus zu zurückhaltend vor. Verglichen mit dem Ausland und den Massnahmen, die der Kanton Wallis ergriffen habe, gehe die Landesregierung weniger weit. Der Bundesrat gewichte die Wünsche der Wirtschaft höher. Das sei eine riskante Strategie. Das Risiko trügen die Schwächsten. Der Bundesrat sei im Spinnennetz des Föderalismus hängen geblieben. Die exponentiell wachsenden Covid-Zahlen bestätigten aufs neue, dass Verantwortung nicht teilbar sei. Der Bundesrat sollte jetzt zur ausserordentlichen Lage zurückkehren und das Land wohlbedacht durch den Krisenwinter führen.

«Die exponentiell wachsenden Covid-Zahlen bestätigen es täglich aufs Neue: In Notsituationen ist Verantwortung nicht teilbar. Der Bundesrat müsste jetzt zur ausserordentlichen Lage zurückkehren und das Land wohldurchdacht durch den Krisenwinter führen – notfalls mit einem Lockdown, in jedem Fall aber mit Stringenz, ohne sich weiterhin föderalistisch-prozedural zu verhaken. Wenn die Kritiker aus der Wissenschaft recht behalten, wird er bald keine andere Wahl mehr haben.»

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«Le Temps»

Die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» sieht vor allem den Profi-Sport als Verlierer der jüngsten Corona-Massnahmen des Bundes. Die Situation gleiche einem Skifahrer, der nach langer Verletzung zurückkehre und sich die Bänder in der dritten Kurve des zweiten Laufs reisse. Die Beschränkung auf 50 Zuschauerinnen und Zuschauer sei im Sport gleichbedeutend mit einer Schliessung. Und das zu einem Zeitpunkt, da die Clubs viel Aufwand für ein Schutzkonzept investiert hätten, das effizient sei und hohe Kosten verursacht habe. Das Fazit für die Zukunft könne nur lauten: Nur nichts planen. Doch gerade Planung und Zuverlässigkeit seien im Sport enorm wichtig.

«Tribune de Genève»

Der Bundesrat hätte laut einem Kommentar in der «Tribune de Genève» eine Woche früher auf das sich rasant ausbreitende Coronavirus reagieren können. Die Vernehmlassung bei den Kantonen habe unnötig Zeit verschlungen. Verglichen mit anderen Staaten in Europa stehe die Schweiz schlecht da. Es sei müssig zu fragen, wer daran Schuld sei. Die Schweiz befinde sich mitten in der zweiten Welle. Verglichen mit dem vom Bundesrat im März beschlossenen Massnahmen, seien die jetzigen Beschlüsse weniger einschneidend und bereits in einigen Kantonen in Kraft. Die kommenden Wochen müssten zeigen, ob der Bundesrat hart genug agiert habe oder die Zügel noch stärker selbst hätte in die Hand nehmen müssen.

«20 Minuten»

Der Bundesrat habe ein gutes Massnahmenpaket ausgearbeitet, zitiert die Pendlerzeitung «20 Minuten» den Tessiner Infektiologen Andreas Cerny. Es sei zu begrüssen, dass die Regeln bereits seit Mitternacht in Kraft seien. Die Einschränkungen hätten jedoch bereits deutlich früher beschlossen werden müssen. Es sei wertvolle Zeit verloren gegangen. Die neuen Massnahmen seien wohl der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Bund und Kantonen. Es gebe noch Luft nach oben. Cerny zeigte sich überzeugt, dass die Massnahmen die Infektionskurve beim Coronavirus abflachen werden. Es gelte nun vor allem, die Zahl der Hospitalisationen und die Belegung der Intensivbetten zu senken.

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(jaw/sda)

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