Schweiz
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Eine Patrouille der Polizei Basel-Landschaft, bei der Fahrzeug und Fuehrerausweis-Ueberpruefung, aufgenommen am 24. April 2013. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die Polizei will mithelfen, dass möglichst wenig Leute ins Tessin fahren. Bild: KEYSTONE

Polizei kontrolliert an Ostern am Gotthard – jeder Umkehrer «ist ein Gewinn»

Die Polizei wird an Ostern den Verkehr am Gotthard kontrollieren. Wer sich nicht auf einer zwingenden Fahrt ins Tessin befindet, dem wird die Umkehr empfohlen.

Livia Fischer / ch media



Kurz vor der Einfahrt in den Gotthardtunnel in Göschenen steht ein Polizist mit Warngilet auf der Fahrbahn. Er stoppt die Autofahrer, nur jene mit einem Tessiner- oder Italienkontrollschild lässt er vorbeifahren. Auch wer zum Waren- oder Berufsverkehr gehört, darf weiterfahren. Alle anderen müssen beim Kontrollplatz ausfahren.

Dort wartet bereits eine Handvoll Polizisten, ebenfalls in gelben und orangen Leuchtwesten gekleidet. Sie sind mit Schutzmasken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln ausgestattet und suchen das Gespräch mit den Autofahrern. Sie reden ihnen ins Gewissen und verteilen Flyer.

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«Es ist nicht der richtige Zeitpunkt für einen Besuch im Tessin. Restaurants, Hotels und Campingplätze sind geschlossen. Bitte bleiben Sie zu Hause», steht darauf geschrieben. Die kantonalen Behörden empfehlen den ausserkantonalen Gästen «dringendst», während der Osterferien und «bis auf weiteres» sich weder im Tessin aufzuhalten noch durch den Kanton zu fahren oder Freizeit- und Sportaktivitäten auszuüben.

Damit wollen die Polizisten die Reisenden während der Ostertage zum Umkehren animieren – ob sie das dann tatsächlich tun, ist den Fahrern überlassen.

Polizei erwartet 90 Prozent weniger Autos als üblich

Die Kontrollen sind eine Sensibilisierungsaktion der Kantonspolizeien Uri und Tessin. Vor dem San Bernardinotunnel sieht es gleich aus; dort ist die Bündner Polizei im Einsatz. Kontrollen vom Tessin her gibt es keine.

An der Medienkonferenz vom Dienstag appelliert Gustav Planzer, Mediensprecher der Kantonspolizei Uri, an die Eigenverantwortung der Bevölkerung. Er hoffe weiterhin auf grosse Solidarität – bis jetzt habe die Verkehrsbelastung im Vergleich zum Vorjahr um fast 90 Prozent abgenommen.

Ein Fussgänger hat am Sonntagnachmittag In Kirchberg SG an einem Waldrand eine Männerleiche gefunden. Die St. Galler Kantonspolizei machte vorerst keine näheren Angaben.

Die Polizei hofft, die Leute davon zu überzeugen, dass sie umkehren müssen. Bild: KEYSTONE

Heisst konkret: In der Woche vor Palmsonntag fuhren letztes Jahr 55'391 Autos auf der A2 Richtung Süden. Heuer waren es nur noch 6144 Fahrzeuge. Während der Osterwoche befanden sich 2019 62'073 Autos auf dem Abschnitt. Dieses Jahr erwartet die Kantonspolizei Uri von Donnerstag bis Montag aufgrund der Coronanotlage schätzungsweise 6500 Autos.

Während der Festtage heisst das Motto nicht mehr nur «Bleiben Sie zu Hause», sondern «Wenn Sie das Tessin lieben, bleiben Sie jetzt zu Hause». Dies betont auch Marco Guscio von der Tessiner Kantonspolizei. Er spricht gezielt die «Freunde aus der Deutschschweiz und der Romandie» an – nur so könne man dem Tessin helfen. «Wir leben zwar vom Tourismus, aber nicht jetzt», sagt Guscio und ergänzt: «Gerade vor wenigen Minuten hat das Tessin den 200. Toten aufgrund des Coronavirus verzeichnet.»

Die Empfehlungen gelten auch für Personen mit Tessiner Zweitwohnsitz. Planzer erklärt: «Jede weitere Person, die sich im Tessin aufhält, belastet die Infrastruktur zusätzlich. Und die Belastung im Gesundheitswesen ist jetzt schon enorm hoch.» Eine Strassensperrung oder ein Verbot gibt es aber nicht, dafür fehlen die gesetzlichen Grundlagen.

«Wir haben dies nochmals abgeklärt», sagt Planzer. Der Bund sei davon überzeugt, dass der Appell an die Bevölkerung, auch über die Festtage zu Hause zu bleiben, das richtige Vorgehen sei. Der Kantonspolizei sind somit die Hände gebunden.

Jede Person, die umkehrt, «ist ein Gewinn»

Im Anschluss an die Medienkonferenz versichert Planzer, die Polizei tue ihr Bestes, damit die Situation im Tessin nicht noch weiter verschärft werde. Kontrolliert wird während acht Stunden pro Tag – dann, wenn erfahrungsgemäss am meisten Fahrer auf der Strasse sind. Wie viele Personen die Beamten tatsächlich dazu bewegen können, ihre Entscheidung zu überdenken und umzukehren, kann der Mediensprecher nicht einschätzen. Sicher sei jedoch: «Jede Person, die es sich aufgrund unserer Kontrollen anders überlegt, ist ein Gewinn.»

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sam Regarde 08.04.2020 11:17
    Highlight Highlight Ob eine Empfehlung genügt? Zweifel sind berechtigt...
  • Itallion 08.04.2020 09:38
    Highlight Highlight Wer jetzt das Gefühl hat, er müsse an Ostern ins Tessin fahren, der ......da hätte ich mir eine strengere Gangart gewünscht.
  • Firefly 08.04.2020 08:45
    Highlight Highlight Eigentlich schade, die Stadt war an Ostern immer so schön leer.
  • Antichrist 08.04.2020 08:21
    Highlight Highlight Was soll das? Es ist nicht verboten, ins Tessin zu fahren. Jeder der das tut, macht das in vollem Bewusstsein und er ist mündig das zu tun. Es braucht keine Polizisten, die Menschen schikanieren und zu etwas animieren. Die Tessiner lassen die Deutschweizer, die vielleicht ein Haus haben und dort Steuern zahlen nicht mehr rein, aber vom Süden her können italienische Grenzgänger immer noch problemlos einreisen.
  • Erklärbart. 08.04.2020 08:15
    Highlight Highlight "...jeder Umkehrer «ist ein Gewinn»"

    Eher jeder und jede die erst gar nicht Richtung Tessin fährt ist ein Gewinn.
  • piranha 08.04.2020 07:53
    Highlight Highlight Es ist zu hoffen, dass die Ankündigung der Kontrolle bereits alle abschreckt, die eine Reise geplant haben.
    Denn auf freiwilliger Basis umkehren, weil es ein Polizist sagt, wird nach einer Stunde im Stau sicher niemand...

    Also, bleibt doch einfach zuhause, bestimmt ist es auch nicht schlecht da wo ihr wohnt.

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