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Das Seeufer am Zürichsee ist mit Gittern abgesperrt. Es dürfte wohl noch eine Weile stehen bleiben.
Das Seeufer am Zürichsee ist mit Gittern abgesperrt. Es dürfte wohl noch eine Weile stehen bleiben.Bild: KEYSTONE
Analyse

Weg mit dem Lockdown? Welches Szenario jetzt für die Schweiz am wahrscheinlichsten ist

Tschechien, Dänemark, China, Österreich – einige Länder entschärfen ihren Lockdown. Was die dortige Situationen von jener in der Schweiz unterscheidet und warum eine Lockerung der Massnahmen hierzulande eher unwahrscheinlich ist.
07.04.2020, 15:5408.04.2020, 11:37

Wann öffnen die Schulen wieder? Wann darf der Blumenladen aufmachen? Wann das Kino, die Bars und der Coiffeursalon? Wann kann man sich wieder umarmen? Wann an der Seepromenade zusammensitzen und ein Glacé essen?

In der vierten Woche nach Beginn des Lockdowns macht sich Ungeduld breit in der Schweizer Bevölkerung. Viele sind zuversichtlich, dass nach dem 19. April, dem vorläufigen Ende der Massnahmen des Bundesrates, die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden. Zusätzlich befeuert werden diese Hoffnungen von bürgerlichen Politikern, die fordern, dass nun die Wirtschaft so bald wie möglich wieder hochgefahren werden muss.

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Doch wer denkt, dass in der Schweiz in zwei Wochen wieder Normalzustand herrscht, irrt. Gesundheitsminister Alain Berset warnte bereits am Freitag: «Die Schweiz ist noch nicht über dem Berg.» In der SonntagsZeitung wurde er dann deutlicher und sagte, es sei illusorisch, zu glauben, dass sich auf den 20. April hin viel ändern könne.

Eher wahrscheinlich ist, dass der Lockdown mit ähnlichen Massnahmen, wie sie heute gelten, weiter verlängert wird. Wie lange er anhalten wird, können weder Seuchenexpertinnen noch Politiker verlässlich prognostizieren. Für ein mögliches Schweizer Szenario muss man sich jene Länder anschauen, die ihre Ausgangsbeschränkungen bereits wieder gelockert haben. Dazu gehören China und nach kommendem Osterwochenende auch Österreich und Dänemark.

Der Lockdown und dessen Aufhebung in Hubei ...

Die zentralchinesische Provinz Hubei gilt als Ausbruchsort der Coronavirus-Pandemie. Am 23. Januar wurde die Millionenstadt Wuhan unter Quarantäne gestellt und einige Tage später wurde die Ausgangssperre auf einen Grossteil der restlichen Provinz ausgeweitet. Zu diesem Zeitpunkt gab es in ganz China bislang 17 Corona-Tote und 830 registrierte Erkrankungsfälle. Bedenkt man, dass 1,4 Milliarden Menschen in China leben, begannen die Ausgangsperren in Hubei also vergleichsweise früh.

Der Lockdown umfasste die starke Einschränkung des Verkehrs. Busse, Züge, Metro-Bahnen wurden abgestellt, der Flughafen von Wuhan und wichtige Autobahnen gesperrt. Alle nicht systemrelevanten Geschäfte und Fabriken mussten schliessen. Auch die Schulen wurden geschlossen.

Die Kurve der am Virus Erkrankten flachte ab Mitte Februar ab. Am 18. Februar war die Zahl der registrierten Genesungsfälle erstmals höher als die Zahl der registrierten Erkrankten.

Am 25. März dann lockerte die Lokalregierung von Hubei die Ausgangssperren – zwei Monate nach Beginn der Massnahmen also. Die Verkehrskontrollen sind aufgehoben, die Geschäfte, Baustellen, Fabriken offen und die Menschen können die Provinz wieder verlassen – vorausgesetzt sie sind gesund und können dies mit ihrem «grünen Code», einer Art digitales Gesundheitszertifikat auf dem Smartphone beweisen. Die Schulen in Hubei bleiben vorerst noch geschlossen, doch zumindest können die Kinder wieder draussen spielen.

Allerdings wird die Bevölkerung streng überwacht. Am Arbeitsplatz wird die Temperatur der Beschäftigten gemessen, nach wie vor gelten strenge Abstandsregeln. In Kantinen wird in Schichten gegessen, die Räume müssen regelmässig desinfiziert werden. Auch Restaurants und Bars öffnen langsam wieder. Es wird aber nur eine beschränkte Anzahl Leute gleichzeitig hineingelassen.

So dürfen Arbeiter in Hubei mittagessen.
So dürfen Arbeiter in Hubei mittagessen.Bild: EPA

Von der Aufhebung der Ausgangssperre ausgeschlossen ist die Stadt Wuhan. Am 8. April soll es auch dort erste Lockerungen der Massnahmen geben.

... und in Österreich

Österreich reagierte in Europa mit am schnellsten auf die Ausbreitung des Coronavirus. Am 15. März rief Bundeskanzler Sebastian Kurz den Notstand aus. Ab Mitternacht galt der Lockdown. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es 800 registrierte Corona-Erkrankte und einen Todesfall.

In Österreich besteht Maskenpflicht.
In Österreich besteht Maskenpflicht.Bild: APA/APA

Der Lockdown beinhaltete eine Ausgangsperre, strenger als jene in der Schweiz: Nach draussen durfte nur, wer weiterhin zur Arbeit musste, um einzukaufen und Medikamente zu besorgen. Das Haus verlassen durfte man nur alleine oder mit Personen aus demselben Haushalt. Das Zusammenstehen in Gruppen wurde verboten.

Die Kurve der neu registrierten Erkrankten flachte Ende März ab. Am 4. April war die Zahl der registrierten Genesungsfälle erstmals höher als die Zahl der registrierten Erkrankten.

Am Montag kündigte Kurz dann an, dass die Ausgangsbeschränkungen nach dem Osterwochenende ab dem 14. April gelockert werden sollen – also rund ein Monat nach Beginn des Lockdowns. Kleine Geschäfte und Baumärkte können wieder öffnen, allerdings unter strengen Auflagen. Es darf pro 20 Quadratmeter nur ein Kunde im Geschäft sein. Zudem gilt Maskenpflicht. Die Schulen sollen bis Mitte Mai zubleiben. Auch Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden.

Was das für die Schweiz bedeutet

Zum Vergleich: In der Schweiz begann der Lockdown am selben Tag wie in Österreich, am 16. März. Nur waren damals die Schweizer Fallzahlen um ein Vielfaches höher, wie jene in unserem Nachbarland – bei einer fast gleich hohen Bevölkerungszahl. Zu dem Zeitpunkt gab es in der Schweiz 2200 registrierte Corona-Erkrankte und 13 Todesfälle.

Die Schweiz verhängte folglich nicht nur ihre Ausgangsbeschränkungen später als Österreich, entsprechend unterschiedlich entwickelten sich die Zahlen der Erkrankten und der Toten. In Österreich starben bis zum heutigen Tag 204 Menschen am Coronavirus. In der Schweiz sind es 715.

Am Montag erklärte die österreichische Regierung, dass die prozentuale Steigerung der täglichen Fallzahlen massiv reduziert werden konnte, die Verdoppelungszeit inzwischen nur noch 17 Tage beträgt und dass es inzwischen täglich mehr Genesungen gibt denn Neuinfektionen. Zudem würden die Hospitalisierungszahlen stagnieren.

Diese Zahlen entwickeln sich in der Schweiz zwar ähnlich aber auf einem höheren Niveau. Die tägliche Steigerung liegt in der Schweiz bei 4,5 Prozent (in Österreich bei 1,6 Prozent) und die Verdoppelungszeit bei 11 Tagen (in Österreich bei 17 Tagen).

Angesichts der erst moderat stagnierenden Zahlen in der Schweiz und des Vergleichs mit den Ländern, deren Lockdown härtere Massnahmen umfassten und jetzt die Ausgangsbeschränkungen kontrolliert reduzieren, kann festgehalten werden: Für eine Lockerungen der Massnahmen in der Schweiz ist es leider noch zu früh.

Fallzahlen in diesem Artikel
Die in diesem Artikel verwendeten Zahlen stammen allesamt von der Weltgesundheitsorganisation WHO.
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151 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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7immi
07.04.2020 16:28registriert April 2014
"In der vierten Woche nach Beginn des Lockdowns macht sich Ungeduld breit in der Schweizer Bevölkerung."

Macht sie das wirklich? Oder redet man das herbei, damit man was zu schreiben hat? In meinem Umfeld ist es vielen klar, dass es noch etwas so bleiben wird. Der Bundesrat hat ja für den 16. weitere Infos in Aussicht gestellt. Dieses Drängen und Schüren von Normalisierungssehnsucht durch Medien, Verbände und Parteien finde ich sehr ungünstig und kontraproduktiv. Zu frühe Lockerungen wären fatal. Also abwarten und (zuhause) Tee trinken.
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mrgoku
07.04.2020 16:10registriert Januar 2014
gewisse Kantone disskutieren immernoch über Baustellenschliessung und parallel will man eine Auflockerung... hö?
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!! NurderNameistjetztneu !!
07.04.2020 17:24registriert März 2020
In der Schweiz haben wir die besondere Lage was maximal ein Shutdown ist und weit entfernt von einem Lockdown. Hätten wir den Lockdown hätten wir keine Diskussion in es nun sinnvoll sei ins Tessin zu fahren.
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