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Zwei Angestellte mit Atemschutzmaske dekorieren, aufgenommen im Warenhaus Jelmoli in Zuerich am Donnerstag, 27. August 2020. Der Zuercher Regierungsrat hat beschlossen, weitere Massnahmen zur Eindaemmung des Covid-19-Virus zu ergreifen und fuehrt ab dem 27. August 2020 eine Maskenpflicht in Einkaufslaeden ein. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: keystone

Viele Läden öffnen am Abend länger – und entfachen die Diskussion um Öffnungszeiten neu

Die Coronakrise bremst die Shoppinglust. Trotzdem werden vielerorts Öffnungszeiten ausgedehnt – auf dem Buckel der Angestellten?

stefan ehrbar / ch media



Verloren steht ein kleines Grüppchen am Mittwochabend kurz nach sieben Uhr vor einem abgeschlossenen Kleiderladen in Zürich. Ein A4-Zettel weist auf verkürzte Öffnungszeiten hin. Kein Einzelfall: Für viele Inhaber lohnt sich während der Coronakrise der Verkauf am Abend nicht. Doch im Schatten der Krise nimmt die Entwicklung hin zu längeren Öffnungszeiten Fahrt auf. Vor den Festtagen will etwa die in den Kantonen Aargau, Solothurn und Bern tätige Migros Aare ihre Läden länger offenhalten, wie eine Sprecherin sagt. Sie begründet den Schritt mit Corona: «So kann sich die Kundschaft besser verteilen und wir haben möglichst wenig Gedränge.»

Lebensmittelhändler sind von der Coronakrise kaum betroffen, ihre Frequenzen sind stabil. Doch längere Öffnungszeiten planen nicht nur Supermärkte. Der Luxushändler Jelmoli wird sein Warenhaus an der Zürcher Bahnhofstrasse an den Tagen vor Heiligabend beispielsweise bis 21 Uhr öffnen.

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Mit längeren Öffnungs­zeiten gegen Corona?

Jelmoli-Chefin Nina Müller sagt, die erweiterten Öffnungszeiten böten in der aktuellen Coronasituation neben den Umsätzen einen weiteren Vorteil. «So verteilen sich die Frequenzen auf mehr Stunden und wir können Ansammlungen vermeiden.» Zu verkaufsstarken Zeiten wie der Weihnachtszeit machten erweiterte Öffnungszeiten Sinn. «Viele widmen sich kurzfristig dem Geschenkkauf, weshalb längere Öffnungszeiten auch von den Kunden begrüsst werden.»

Immer länger eingekauft werden kann auch an Events wie dem Black Friday am 27. November. Dann haben viele Läden bis 21 oder 22 Uhr geöffnet. Einkaufscenter wie das Tivoli in Spreitenbach AG, das Glatt in Wallisellen ZH oder der St.Jakob-Park in Basel öffnen bis 22 Uhr. Manor wird in seinen Warenhäusern in Basel, Baden, Aarau oder Zürich bis 21 respektive 22 Uhr Kunden empfangen.

Black Friday? Führt manchmal zu so verrückten Szenen:

Das ist bezeichnend für die Entwicklung der letzten Jahre. Vor allem am Abend haben grosse Ketten ihre Öffnungszeiten ausgebaut. «Es geht darum, sich den wandelnden Bedürfnissen der zunehmend mobilen und flexiblen Gesellschaft anzupassen», sagt die Sprecherin der Migros Aare. Die fixen Arbeitszeiten änderten sich und damit auch der Lebensrhythmus. Im Moment sehe man etwa ein Bedürfnis nach einem späteren Ladenschluss am Samstag.

Auch Coop hat die Öffnungszeiten erweitert. In der Stadt Zürich sind mittlerweile 60 Prozent der Coop-Supermärkte bis 21 oder 22 Uhr offen. Viele Einkaufscenter haben ihre Zeiten auf 9 bis 20 Uhr ausgebaut.

Mit der Coronakrise gab es zwar einen zwischenzeitlichen Marschhalt. Andreas Zürcher, Geschäftsführer der Zürcher City-Vereinigung, sagt: «Wir verstehen, dass viele Geschäfte während der Krise bereits um 19 Uhr schliessen, wenn Frequenzen vor allem in den Abendstunden verhaltener ausfallen.»

Die Ladenschlussgesetze kommen unter Druck

Mittelfristig dürften sich die Öffnungszeiten aber wieder auf dem Vorkrisenstand einpendeln, glaubt Zürcher. Seine City-Vereinigung empfiehlt für die Zürcher Innenstadt werktags Öffnungszeiten bis 20 Uhr.

ZUM VORSCHLAG DES BUNDESRATES ZUR LANDESWEITEN HARMONISIERUNG DER LADENOEFFNUNGSZEITEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Die vom Bundesrat vorgeschlagene landesweite Regelung der Oeffnungszeiten für Ladengeschäfte reissen die bekannten Graeben zwischen Detailhaendlern und Gewerkschaften auf. Gegen die landesweite Harmonisierung stellen sich auch die Kantone. --- Ein Mann kauft ein in einer Coop Pronto Filiale am Dienstag, 5. Juni 2012 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Bis wann soll ein Laden offen haben? Bild: KEYSTONE

In den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, beiden Appenzell, Glarus, Nid- und Obwalden, Schwyz und Zürich dürfen Läden von 6 bis 23 Uhr Waren verkaufen ­– auch samstags. Im Thurgau und in Schaffhausen werktags bis 22 Uhr, in Solothurn ist um 18.30 Uhr Schluss, in Luzern und St.Gallen um 19 Uhr, in Basel-Stadt um 20 Uhr.

Bist du für längere Öffnungszeiten bei Detailhändlern?

Diese Gesetze geraten unter Druck. Im Kanton Zug wird 2021 abgestimmt, ob die Ladenschlusszeiten um eine Stunde nach hinten verschoben werden. In Luzern wurden die Öffnungszeiten per Mai um eine halbe Stunde verlängert. Die Stadt St.Gallen hat per Juni eine Tourismuszone geschaffen und so die Öffnungszeiten ausgedehnt.

Die Gewerkschaft Unia kämpft gegen längere Öffnungszeiten. «Mit Corona und den Schutzkonzepten ist die Situation dieses Jahr noch belastender für die Angestellten», sagt eine Sprecherin. Es sei «unverständlich», wenn etwa Jelmoli die Öffnungszeiten weiter ausdehne. Die Unia glaubt in ihrem Kampf das Volk hinter sich: «In mehreren Abstimmungen haben sich die Stimmberechtigten immer wieder gegen eine weitere Ausdehnung gestellt.»

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