Schweiz
Coronavirus

Forschende zeigen Parallelen zwischen Spanischer Grippe und Covid-19

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Spanische Grippe – die Mutter aller Pandemien
25 bis 50 Millionen Menschenleben kostete die Pandemie, die von 1918 bis 1920 auf der ganzen Welt wütete. Nicht mal der Erste Weltkrieg holte sich so viele Opfer. In absoluten Zahlen war die Spanische Grippe in etwa so verheerend wie die Pest von 1348: Der Schwarze Tod riss damals ein Drittel der europäischen Bevölkerung in den Tod. Spanisch nannte man die Grippe, weil die ersten Nachrichten über die Krankheit von dort herkamen. Im Bild: Das Militär-Notfallkrankenhaus im Camp Funston in Kansas 1918, wo das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals ausbrach. quelle: wikimedia ... Mehr lesen
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«Immer grössere Ähnlichkeiten» – Forschende zeigen Parallelen zu Spanischer Grippe

09.02.2021, 03:2509.02.2021, 14:36
Mehr «Schweiz»

Zögerliches Handeln, zu frühe Lockerungen und ignorierte Einschränkungen: Die Muster bei der Bewältigung der Spanischen Grippe haben frappierende Ähnlichkeiten mit denjenigen der Corona-Pandemie. Das berichten Forschende im Fachmagazin «Annals of Internal Medicine».

In den Jahren 1918 und 1919 wütete die spanische Grippe weltweit und tötete in der Schweiz gemäss historischen Quellen 24’447 Menschen. Besonders die lange andauernde zweite Welle forderte viele Opfer.

«Es ist beeindruckend, wie sich beim Vorgehen der Regierung und der Behörden während den Pandemien 1918 und 2020 immer grössere Ähnlichkeiten abzeichnen», sagte der Historiker Kaspar Staub von der Universität Zürich im Gespräch mit Keystone-SDA.

Natürlich gebe es auch wichtige Unterschiede zur Corona-Pandemie: Heute sei es ein anderes Virus, die Lebensumstände andere, die Fachwelt vernetzter und das medizinische Wissen grösser.

Influenza victims crowd into an emergency hospital near Fort Riley, Kansas in this 1918 photo. The 1918 Spanish flu pandemic killed at least 20 million people worldwide and officials say that if the n ...
Grippe-Patienten in einem Notspital in Kansas, USA, 1918.Bild: AP NATIONAL MUSEUM OF HEALTH AND ME

Zu frühe Aufhebung der Einschränkungen

Für seine Studie zeichnete das schweizerisch-kanadische Forscherteam das Geschehen im Kanton Bern während der Spanischen Grippe nach, wo das Virus besonders stark wütete.

Zu Beginn der ersten Welle reagierte der Kanton Bern rasch und zentral. Er schränkte Versammlungen ein, schloss Theater, Kinos sowie Schulen und verbot Chorproben. Die Ansteckungen gingen zurück, worauf sämtliche Einschränkungen wieder aufgehoben wurden. Viel zu früh: Die viel schlimmere Herbstwelle rollte an.

Angst vor wirtschaftlichen Konsequenzen

Das Fatale: Der Kanton legte zu Beginn der zweiten Welle die Verantwortung den einzelnen Gemeinden in die Hände. «Dieses dezentrale Reagieren aus Angst vor erneuten Einschränkungen und ihren wirtschaftlichen Konsequenzen hat aber nicht funktioniert», sagte Staub. Erst einige Wochen später erliess die kantonale Regierung wieder strengere zentrale Massnahmen – die Pandemie klang etwas ab.

Doch die zweite Grippewelle hielt die Bevölkerung weiterhin fest im Griff. So kam es im November 1918 bei immer noch hohen Fallzahlen zu Konflikten zwischen Regierung und Arbeiterschaft, die im Landesstreik und in Massenansammlungen mündeten. Auch Truppenzusammenzüge in die zentralen Ortschaften trieben die Übertragungen wieder in die Höhe.

Infolge des Landesstreiks widersetzten sich viele Leute den Versammlungseinschränkungen, die daraufhin aufgrund politischen und öffentlichen Drucks wiederum gelockert wurden. «Wir sehen, dass diese Geschehnisse mit einem deutlichen Wiederanstieg der Fallzahlen assoziiert waren und die zweite Welle damit umso länger dauerte», sagte Staub. Eine ähnliche Entwicklung befürchte man nun wegen den Coronavirus-Mutationen.

Ein Ende kommt bestimmt

Die Studie zeige, dass die Schweiz aus ihrer Geschichte hätte lernen können, sagte der Mitautor und Berner Epidemiologe Peter Jüni von der kanadischen Universität Toronto. «Aus meiner Aussenperspektive ist es schwer nachvollziehbar, dass in einem wohlorganisierten, hochentwickelten und privilegierten Land wie der Schweiz jeder tausendste Mensch an Covid-19 verstorben und jeder dreihundertste hospitalisiert worden ist.»

Der historische Blick offenbart aber auch etwas Hoffnungsvolles: Im Frühjahr 1919 bäumte sich die Spanische Grippe zwar nochmals zu einer relativen milden, dritten Welle auf, danach verschwand sie. «Die akuten Phasen von Pandemien gehen irgendwann einmal auch wieder vorüber», sagte Staub. (sda)

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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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insert_brain_here
09.02.2021 07:12registriert Oktober 2019
Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
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Töfflifahrer
09.02.2021 07:21registriert August 2015
Als ich im Herbst darauf hinwies, dass wir doch nicht vorschnell Handeln sollten und uns die Erfahrungen aus der Spanischen Grippe zu Nutze machen müssten, wurde ich runtergeblitzt, dass es nur so kracht, zudem wurde lang und breit erläutert, dass wir heute viel weiter seien und das nicht vergleichbar sei.

Auch heute fordern die Medien und politische Parteien, basierend auf Tageszahlen, dass umgehend gehandelt wird. Wenigstens der BR hat gelernt und bezieht die nähere Zukunft mit in seine Entscheidungsprozesse ein.
Auch ich habe die Nase voll, nur dem Virus ist das egal!
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Max Dick
09.02.2021 10:51registriert Januar 2017
Das hat mein Vater schon seit dem Sommer mit seinen Lockerungen immer wieder erzählt. Ich persönlich bin froh, sind wir heute wenigstens weiter als beim Schwarzen Tod und verbrennen keine Juden und „Hexen“ mehr. Wenn ich allerdings höre, dass Epidemiologen, BAG Leute und diverse Entscheidungsträger Polizeischutz brauchen, weil sie zum Feindbild der Corona-Skeptiker-Szene geworden sind, dann sind manche Leute eben doch noch nicht soo viel weiter.
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