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Fasnacht-Debakel in Einsiedeln – um 22 Uhr eskalierte die Situation

War das fasnächtliche Treiben in Einsiedeln gestern einigermassen unter Kontrolle, musste in der Nacht ein grösseres Polizeiaufgebot ausrücken. 5 Punkte zum Fasnacht-Debakel.
16.02.2021, 09:0416.02.2021, 12:27

Wie hat es angefangen?

Schon gestern morgen zeichnete sich grosse Fasnachts-Lust ab als Hunderte von Menschen nach Einsiedeln pilgerten, um dort am «Suhüdiumzug» teilzunehmen. Die Schwyzer Polizei lässt sie zuerst gewähren – da es sich um keine Veranstaltung handle – greift dann aber nach Verstössen gegen die Masken- und Abstandspflicht ein.

Um 13:22 Uhr ruft die Schwyzer Polizei die Menschen auf, Ansammlungn zu meiden und auf fasnächtliches Treiben zu verzichten:

Vergebens. Die Neuigkeiten über den «Suhüdiumzug» veranlasste offenbar noch mehr Partylustige, für die Feierlichkeiten nach Einsiedeln zu reisen. Den ganzen Nachmittag über hätten Personenansammlungen aufgelöst werden müssen, sagte Polizeisprecher David Mynall zum «Boten der Urschweiz». Es werden rund 100 Bussen ausgestellt.

Wie hat es sich entwickelt?

War die Lage zuvor noch locker, spannte sie sich ab 20 Uhr zunehmends an, wie «Der Bote der Urschweiz» weiter berichtet. Dutzende Fasnächtler halten sich am Bahnhof auf, während laute Musik aus den mitgebrachten Lautsprechern dröhnt. Es wird rumgejohlt, der Alkohol fliesst.

Dann schlägt die ausgelassene Stimmung langsam im Aggressivität um, worauf die Polizei Verstärkung aufbietet. Um 22 Uhr treffen Angehörige des Ordnungsdienstes in voller Montur ein, um 22:15 Uhr greifen sie durch, wie das Video «des Boten» zeigt:

Video: ch media

Mehrere Polizeiwagen fahren vor, das Areal wird abgeriegelt, Jugendliche zum Heimgehen bewogen – nicht überall mit Erfolg. Ein Jugendlicher wird auf offener Strasse von einem Polizisten überwältigt. Um 23:30 Uhr beruhigt sich die Lage schiesslich.

Was sagt die Polizei?

Wie die Polizei am 15. Februar in einer Medienmitteilung informierte, hätten über 1000 Personen am Sühudiumzug teilgenommen. Nachdem sie in einer ersten Phase erfolgos versucht hätten, die Fasnächtler abzumahnen, hätten sie damit begonnen, die Anwesenden zu büssen.

«Daraufhin zerstreuten sich die Menschenansammlungen. Insgesamt wurden rund 100 Ordnungsbussen ausgestellt.»

In einer zweiten Medienmitteilung vom Dienstag wird vom abendlichen Polizeieinsatz berichtet: Ab 20 Uhr sei es zu einer Menschenansammlung von mehr als 50 mehrheitlich jüngeren Personen im Zentrum des Dorfes gekommen. Weiter heisst es:

«Ein Grossteil der Personen war stark alkoholisiert, hielt sich in keinster Weise an die geltenden Corona-Schutzmassnahmen und liess sich nicht wegweisen. Die Einsatzkräfte der Kantonspolizei Schwyz wurden mit Flaschen und Böllern beworfen. Mittels Ordnungs-dienstkräften wurde die Versammlung in der Folge aufgelöst.»

Insgesamt seien über 40 Personen weggewiesen und zwei in Ausnüchterungshaft genommen worden. Eine der inhaftierten Personen hätte zudem eine Sachbeschädigung verübt.

Was gab sonst noch zu reden?

Als wäre das fasnächtliche Treiben an sich schon nicht genug, sorgte besonders ein Fasnächtler für rote Köpfe: Mitte-Nationalrat Alois Gmür. Der in Einsiedeln wohnhafte Politiker liess es sich nicht nehmen, am Umzug teilzunehmen. Es sei wichtig, dass es die Fasnacht gebe, sagte er gegenüber «20 Minuten»:

«Das ist ein Virus, das die Menschen auch befällt. Da muss man hingehen, mit oder ohne Corona-Pandemie [...] Es ist Virus gegen Virus, Fasnachtsvirus gegen Coronavirus. Ich hoffe, das Fasnachtsvirus siegt.»

In seiner Partei kommt das alles andere als gut an. Der Präsident der Mitte, Gerhard Pfister, distanziert sich gegenüber des «Tagesanzeigers» von Gmürs Verhalten:

«Es ist seine persönliche Entscheidung und entspricht nicht der Haltung der Partei.»

Auch Fraktionschefin «der Mitte» Andrea Gmür ist nicht mit Alois Gmürs Verhalten einverstanden, bringt aber gleichzeitig ein wenig Verständnis auf:

«Die Fasnacht in Einsiedeln zeigt, dass die Leute langsam Mühe haben mit den Corona-Einschränkungen.»

Aus diesem Grund sei eine klare Öffnungsstrategie des Bundes notwendig, damit die Leute wieder eine Perspektive hätten.

Was waren die Reaktionen?

Die Fasnächtler sorgten auch im Internet für Aufruhr, wo sie die Gemüter spalten – von den einen gefeiert, von den anderen gescholten:

Dennoch ist es das Unverständnis über die Verantwortungslosigkeit, welches überwiegt:

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