Schweiz
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Darum rät die Schweizer Ärztegesellschaft Ärzten von Schnelltests (noch) ab

Dank den Corona-Schnelltests soll die Testkapazität in der Schweiz erhöht werden. Doch der Ärzteverband FMH empfiehlt den Medizinern, damit zu warten.



Endlich sind sie da: Die Schnelltests. Ab kommenden Montag sollen in der Schweiz neu nicht mehr nur 30'000, sondern 80'000 Tests pro Tag zur Verfügung stehen. Durch den Einsatz der Schnelltests in Arztpraxen, Apotheken, Spitälern und Testzentren verspricht sich die Landesregierung einen entscheidenden Vorteil im Kampf gegen die Coronapandemie. Doch nun kommt ausgerechnet vonseiten der Mediziner ein Einwand.

Die Ärztegesellschaft FMH rät seinen Mitgliedern «vorläufig ab, diese Tests in der Arztpraxis einzusetzen.» Dies geht aus einem internen Mail von FMH an die Ärzte hervor, das CH Media vorliegt.

Ein Sars-CoV-2 Schnelltest zeigt ein negatives Ergebnis an, im Labor von Roche Diagnostics, waehrend einem Besuch von Bundesrat Alain Berset im Kanton Zug zur Situation um die Coronavirus Pandemie, Covid-19, am Dienstag, 6. Oktober 2020. Neben einem Austausch zu den aktuellen Herausforderungen stehen das Contact Tracing sowie ein Besuch bei Roche Diagnostics im Fokus. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ein Sars-CoV-2 Schnelltest zeigt ein negatives Ergebnis an, im Labor von Roche Diagnostics. Bild: keystone

Schnelltests könnten falsche negative Resultate liefern

Der Ärzteverband legt mehrere Gründe für seine Ablehnung dar. Zum einen sei die Datenlage zur Sensitivität der Tests «noch ungenügend». Seit dem 28. Oktober liege FMH erst ein Bericht über eine einzige unabhängige Studie vor. Weitere Studien sollen folgen. Der Verband befürchtet, dass es zu einer «relevanten Anzahl» von falschen negativen Testresultaten kommen könnte. So würden sich viele Getestete in einer «falschen Sicherheit» wägen und womöglich weitere Personen anstecken.

Tatsächlich sind die Antigentests weniger zuverlässig als das Labor-Verfahren bei den bisherigen PCR-Tests. Die beiden zugelassenen Tests von Roche und Abbott weisen gemäss der Virologin Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe Emerging Viruses an der Universität Genf, eine Sensitivität von 80 bis 89 Prozent nach. Das bedeutet, der Test kann von 100 positiven Corona-Fällen zwischen 80 und 89 nachweisen. Die Virologin hat mit ihrem Team in den letzten Wochen die beiden Schnelltests geprüft.

FMH wartet auf weitere Daten zu Schnelltests

Weiter bemängelt die Ärztegesellschaft die Praktikabilität der Schnelltests. Beim bisherigen PCR-Abstrich könne das virale Material in ein Röhrchen eingebracht und dann verschlossen an ein Auftragslabor versandt werden. Bei den Antigen-Schnelltests werde hingegen mit viralen Lösungen gearbeitet, heisst es im Schreiben. Die FMH berechnet, dass ein Praxisassistent inklusive der Umkleidezeit, Testvorbereitung, Testablesezeit, Aufräumen und Entsorgen des Materials 30 bis 40 Minuten für die Tests aufwenden müsse.

Da gesamtschweizerisch zudem nur 50'000 Tests vorhanden seien, stünden den einzelnen Ärztepraxen wohl nur eine einstellige Anzahl an Tests zu Verfügung, schreibt FMH. Es sei sinnvollerm die Schnelltests vorerst nur in den kantonalen Testzentren zu verwenden.

Der Ärzteverband stellt aber in Aussicht, dass er seine Empfehlung anpassen werde, sollte sich die Datenlage zu den Schnelltests in den nächsten Wochen verbessern. Falls Ärzte und Ärztinnen die Schnelltests dennoch durchführen möchten, sollten sie sich gemäss FMH beim Kanton anmelden.

(bzbasel.ch / dpo)

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