Schweiz
Coronavirus

Ruth Humbel fordert eine Impfpflicht für alle über 65 Jahre

«Es braucht nun Solidarität»: Ruth Humbel fordert eine Impfpflicht für alle über 65 Jahre

Noch immer sind es vor allem ungeimpfte Covid-Patienten im Pensionsalter, die ins Spital eingewiesen werden. Ältere Menschen müssten nun einen Schritt tun, sagt die Gesundheitspolitikerin.
06.12.2021, 05:49
Othmar von Matt / ch media
Mehr «Schweiz»

Noch immer stellen 80-Jährige und Ältere die mit Abstand höchste Zahl der Covid-Spitaleintritte: 356.5 Ungeimpfte pro 100'000 Ungeimpfte wurden in den ersten drei Novemberwochen eingewiesen. Und nur 46 Geimpfte pro 100'000 Geimpfte, obwohl diese Alterskategorie eine Impfquote von 92 Prozent aufweist (Zwei- oder Dreifachimpfung).

Auch die Alterskategorie der 70- bis 79-Jährigen sticht heraus: 139 ungeimpfte Personen pro 100'000 Ungeimpfte mussten ins Spital. Und nur 18 Geimpfte pro 100'000 Geimpfte, obwohl die Impfquote auch hier 89.5 Prozent beträgt. Und von den ungeimpften 60- bis 69-Jährigen mussten 85 Personen pro 100000 Ungeimpfte eingewiesen werden. Aber nur 4 Geimpfte pro 100'000 Geimpfte, trotz Impfquote von 84 Prozent.

In allen jüngeren Altersschichten haben die Ungeimpften eine deutlich tiefere Hospitalisierungsquote. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Eine Impfpflicht für «gefährdete Bevölkerungsgruppen» ist möglich

Nun fordert Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel eine Impfpflicht für alle ab 65 Jahre. «Artikel 22 des Epidemiengesetzes erlaubt es den Kantonen, Impfungen von gefährdeten Bevölkerungsgruppen für obligatorisch zu erklären», sagt die Mitte-Nationalrätin, «sofern eine erhebliche Gefahr besteht».

Ruth Humbel, CVP-AG, spricht zur Grossen Kammer, an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 3. Maerz 2021 im Nationalrat Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Nationalrätin Ruth Humbel fordert strengere Massnahmen.Bild: keystone

Humbel ist Mitglied der Gesundheitskommission – und für sie ist klar: «Die Jungen haben in den letzten zwei Jahren viele Opfer gebracht. Immer ging es in der Pandemie um den Schutz der älteren Menschen.» Diese müssten Gegenrecht halten. «Es braucht nun auch eine gewisse Solidarität der älteren Menschen ab 65 Jahren gegenüber den Jungen.»

Wer sich nicht impfen lässt, soll auf Platz in Intensivstation verzichten

Wer sich trotz Impfpflicht nicht impfen lassen wolle, könne nicht gezwungen werden, solle aber in einer Patientenverfügung festhalten, «dass er auf einen Platz in der Intensivstation IPS verzichtet». Viele ältere Menschen lebten dank Spitex «mitten in der Gesellschaft». Das mache die Impfpflicht notwendig.

Westschweizer Kantone hätten Artikel 22 des Epidemiengesetzes schon angewandt, sagt Humbel. «Sie verpflichteten das Personal ihrer Spitäler zu Grippeimpfungen, als Grippeerkrankungen ein grosses Problem waren.» In der Covid-Pandemie könne man das Gesundheitspersonal nicht zu Impfungen verpflichten, sagt sie. «Sonst gibt es einen Aderlass - und den können wir uns nicht leisten.»

Inzwischen erhält in der Schweiz aber auch flächendeckendes 2G immer mehr Schub. Damit wäre das Zertifikat nur noch für Geimpfte und Genesene möglich. 2G flächendeckend einzuführen, sei «eine Möglichkeit», sagte Lukas Engelberger, Präsident der Gesundheitsdirektoren, im «SonntagsBlick».

Es gibt viele kritische Stimmen zu 2G

In der Politik sind skeptische Stimmen zu hören. «Ich bin kein Verfechter von 2G auf Teufel komm raus», sagt Mitte-Ständerat Erich Ettlin, Präsident der Gesundheitskommission. «Auf freiwilliger Basis ist 2G gut. Aber flächendeckend würde ich es nicht einführen.»

Erich Ettlin, Mitte-OW, spricht fuer die Kommission zur AHV, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 14. September 2021 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Erich Ettlin, Mitte-Ständerat.Bild: keystone

Auch Nationalrätin Yvonne Feri (SP) ist zurückhaltend. «Ich stehe 2G sehr kritisch gegenüber, denn damit wird ein Teil der Menschen ausgegrenzt», sagt sie. «Der nächste Folge-Schritt wäre dann die Impfpflicht, welche ich nicht befürworte.» Deshalb plädiere sie für 3G - mit Maskenpflicht und Abstand.

Anders sieht das SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen: «Es sind vor allem ungeimpfte Covid-Patienten, welche die Intensivstationen an Belastungsgrenzen bringen. Als Entlastungsmassnahme müssen wir auch über 2G diskutieren.»

Für Epidemiologe Marcel Tanner ist klar: «Ob 2G oder 3G, das ändert nichts daran, dass man die Grundmassnahmen noch beachten muss.» Er denkt da an die Maske und an den Abstand, wenn man etwa in einem Restaurant umherläuft. «Damit hätten wir die Pandemie früher in den Griff gekriegt», sagt der emeritierte Professor. «Und wir müssten nun gar nicht erst an 2G denken.» (saw/aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese Medikamente braucht ein Covid-Patient auf der Intensivstation
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
201 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Rethinking
06.12.2021 06:02registriert Oktober 2018
Viele Politiker scheinen Angst zu haben, dass sie nicht mehr gewählt werden, wenn sie sich klar für 2G und Impfpflicht aussprechen…

Ich persönlich werde Politiker die GEGEN strengere Massnahmen sind, nicht mehr wählen…
25745
Melden
Zum Kommentar
avatar
mrmikech
06.12.2021 07:02registriert Juni 2016
Auch Nationalrätin Yvonne Feri (SP) ist zurückhaltend. «Ich stehe 2G sehr kritisch gegenüber, denn damit wird ein Teil der Menschen ausgegrenzt», sagt sie.

Ja hallo, das ist doch das ziel, ungeimpfte und nicht-genesene aus zu grenzen von 2G orte. Politiker... 🤪
16225
Melden
Zum Kommentar
avatar
Phteven Phtiz
06.12.2021 06:06registriert Oktober 2016
Endlich sagt mal jemand, was viele denken. Solidarität geht nämlich beide Wege & kann nicht nur von den Jungen eingefordert sondern muss zwingend auch von den Älteren erfüllt werden.

Bzgl. 2G: Ich hoffe wirklich, dass genügend Betriebe freiwillig darauf setzen werden, bis hier ein Konsens erreicht wird.
15331
Melden
Zum Kommentar
201
Zürich macht ernst: Die Limmatstadt will den ESC
Das Stadtzürcher Parlament hat sich für eine ESC-Kandidatur eingesetzt. Es überwies am Mittwoch zwei Vorstösse zum Thema. Der Stadtrat muss nun prüfen, wie er sich für die Kandidatur einsetzen könnte.

Die beiden Postulate unterscheiden sich leicht, wollen aber beide den Eurovision Song Contest 2025 (ESC) in Zürich sehen. «Wir wollen zeigen, dass das Parlament hinter dem Anlass steht», sagte Marco Denoth (SP). Dem Stadtrat, der noch keine Entscheidung gefällt hat, solle der Rücken gestärkt werden.

Zur Story