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Die Swisscom steht in der Kritik, weil das Notrufsystem vorübergehend nicht funktionierte.
Die Swisscom steht in der Kritik, weil das Notrufsystem vorübergehend nicht funktionierte.
Bild: keystone

Von «peinlich» bis «Drittweltland» – Kritik an Swisscom wächst nach jüngster Panne

09.07.2021, 13:2409.07.2021, 16:45

Ausgerechnet während heftiger Unwetter mit zahlreichen Polizei- und Feuerwehreinsätzen sind in der Schweiz in der Nacht auf Freitag erneut die Notfallnummern ausgefallen. Die Störung konnte erst am Morgen behoben werden. Nun wird die Kritik aus den Kantonen und der Politik lauter.

Stundenlang waren die Notfall-Rufnummern während der Nacht in weiten Teilen der Schweiz nicht erreichbar. Betroffen waren vor allem die Nummern 112 und 117, je nach Kanton auch die Nummern 118 und 144, wie die Kantonspolizeien mitteilten.

Der Ausfall hing mit einer Störung der Festnetz-Telefonie bei Swisscom zusammen, wie das Telekom-Unternehmen mitteilte. Dadurch sei auch das Telefonieren über das Festnetz beeinträchtigt gewesen. Kurz vor acht Uhr kam dann die Entwarnung: Das Netz sei wieder «vollumfänglich verfügbar», hiess es.

Der Grund für die Störung sei noch nicht bekannt, die «Fehlerquelle» aber «erfolgreich isoliert». Von einem «technischen Problem» sprach Swisscom-Sprecher Sepp Huber am Mittag gegenüber Schweizer Radio SRF. Die Ursache werde jetzt analysiert. «Natürlich steht das alles unter besonderen Beobachtung», sagte Huber.

Kritik der Politik und Kantone

Doch das reicht Kantonen und Politikern offenbar nicht. «Wir werden mit Sicherheit den denkbar grössten Druck auf die Swisscom ausüben», sagte Fredy Fässler, Präsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) gegenüber SRF. Die Politik sei nun gefordert und müsse «bekannt geben, dass das nicht geht».

Auch der Präsident der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Ständerats (KVS-S), Stefan Engler (Mitte/GR), reagierte verärgert: Wenn er der Swisscom eine Note geben müsste, wäre das ein «Ungenügend», sagte er im Radio.

Die Bevölkerung erwarte zurecht, dass die Blaulichtorganisationen in einem Notfall jederzeit erreichbar seien. Wenn sich eine Störung eines solch sensiblen Bereichs innerhalb weniger Monate wiederhole, müsse das Management aufmerksam beobachtet werden, sagte Engler.

Martin Candinas findet deutliche Worte.
Martin Candinas findet deutliche Worte.
Bild: keystone

Deutlichere Worte findet Mitte-Nationalrat Martin Candinas. Gegenüber «Blick» tobt er: «Man könnte meinen, wir seien in einem Drittweltland.» Denn: «Die Swisscom hat uns in der Kommission hoch und heilig versprochen, verschiedene griffige Massnahmen zur Besserung der Sicherheit der Notrufnummern getroffen zu haben. Dass es nun schon wieder eine solche Panne gibt, ist nur noch peinlich und nicht Swissness.»

Auch SP-Nationalrat Jon Pult wundert sich über die Panne und die Führungskultur der Swisscom: «Die Swisscom muss den Service-public-Gedanken wieder ins Zentrum stellen – und zwar subito. Wenn das aktuelle Management das nicht hinbekommt, braucht es eben ein neues.»

Nach einer Reihe von ähnlichen Ausfällen Anfang letzten Jahres war bereits Kritik an der Swisscom laut geworden. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) untersuchte die Pannenserie und im Januar beauftragte die KVS-S den Bundesrat, eine gesetzliche Grundlage ausarbeiten, damit eine Stelle geschaffen wird, die die technische Gesamtverantwortung für alle Notrufe übernimmt.

(jaw/sda)

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Die turbulente Geschichte des Schweizer Mobilfunks

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quelle: keystone / martin ruetschi
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