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Mit einer Kampagne sollen Eltern über die Gefahren von Kinderfotos im Netz aufmerksam gemacht werden.
Mit einer Kampagne sollen Eltern über die Gefahren von Kinderfotos im Netz aufmerksam gemacht werden.bild: Stiftung Kinderschutz Schweiz

Kinderfotos im Netz: Wenn der Stolz der Eltern das Kindeswohl gefährdet

Einmal geteilt, Kontrolle verloren: Welche Folgen das Teilen von Kinderbildern im Netz haben kann - und wie Eltern böse Überraschungen verhindern können.
20.11.2021, 08:10
Chiara Stäheli / ch media

Ein lachendes Kleinkind im Kinderwagen, ein verspielter Junge auf der Rutschbahn oder ein Mädchen, das von Kopf bis Fuss mit Tomatensauce bekleckert ist: Fotos von stolzen Eltern landen spätestens seit dem Aufkommen von sozialen Plattformen wie Facebook und Instagram zuhauf im Netz.

Was mit dem Gedanken beginnt, seine Mitmenschen am Aufwachsen der Sprösslinge teilhaben zu lassen, endet nicht selten in bösen Überraschungen. Das weiss Regula Bernhard Hug, Geschäftsführerin der Stiftung Kinderschutz Schweiz. Sie sagt:

«Ab dem Zeitpunkt, an dem Eltern das Bild ihres Kindes ins Netz stellen, geben sie die Kontrolle ab.»

Sie habe in den vergangenen Jahren immer wieder miterleben müssen, dass Bilder von Kindern auf kinderpornografischen Plattformen landen und für deren Zwecke missbraucht werden. Zudem komme es immer wieder zu Mobbingfällen, wenn Bilder von Kindern Jahre später wieder auftauchen und in einem anderen Kontext eingesetzt werden.

Kinder verklagen ihre Eltern

«Durch das Posten von Fotos durch die Eltern werden Kinder bereits in jungen Jahren zu gläsernen Bürgern», so Bernhard Hug. Das sei vielen Müttern und Vätern nicht bewusst:

«Viele Eltern wissen nicht, dass sie mit dem Teilen eines Bildes auf einer sozialen Plattform das Recht am Bild abgeben.»

Das könne unter Umständen «verheerende Auswirkungen» haben. Es ist bekannt, dass hierzulande vermehrt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden eingreifen müssen, weil Eltern durch das Teilen von Bildern das Kindeswohl gefährden. Im Ausland sind Fälle aufgetaucht, in denen Kinder ihre Eltern wegen blossstellenden Bildern verklagt haben. Denn Kinder können das Selbstbestimmungsrecht auch rückwirkend einfordern.

Um das Bewusstsein der Eltern zu steigern, hat die Stiftung Kinderschutz Schweiz deshalb eine Sensibilisierungskampagne erarbeitet. Sie startet heute, am Internationalen Tag der Kinderrechte. Um auf die Gefahren, die beim Veröffentlichen von Kinderfotos im Netz entstehen können, aufmerksam zu machen, hat Kinderschutz Schweiz ein Pilotprojekt gestartet. Schauplatz dafür sind drei Spielplätze in der Deutschschweiz und der Romandie.

Dort sind an Rutschbahnen, Klettergerüsten und Schaukeln Sticker mit Kindermotiven angebracht, die einen QR-Code enthalten. Fotografieren Eltern ihr Kind mit dem Sticker im Hintergrund, löst der QR-Code eine Push-Nachricht auf dem Smartphone aus, die einen Link auf die Kampagnenwebseite «Privacy Playground» enthält. Auf dieser werden Eltern auf die Problematik und die Gefahren aufmerksam gemacht und erhalten Tipps, wie sie ihre Kinder schützen können. Erweist sich das Pilotprojekt als erfolgreich, werden die Sticker auf Spielplätzen in der ganzen Schweiz angebracht.

Erfasst die Kamera den QR-Code, erscheint eine Push-Nachricht mit dem Link auf die Kampagnenwebseite.
Erfasst die Kamera den QR-Code, erscheint eine Push-Nachricht mit dem Link auf die Kampagnenwebseite.bild: Stiftung Kinderschutz Schweiz

Würde ich mich selbst so zeigen?

Regula Bernhard Hug empfiehlt Eltern, ihr Kind zu fragen, ob das Bild im Netz wirklich im Interesse des Kindes ist und Kinder zu fragen, ob sie damit einverstanden sind, wenn ein bestimmtes Bild veröffentlicht würde. Es sind immer die Eltern, welche die Verantwortung für die Konsequenzen fürs Kind tragen. Ganz besonders wenn das Kind noch klein ist.

«Mütter und Väter sollten sich immer die Frage stellen, ob sie dasselbe Bild auch von sich ins Netz stellen würden.»

Meist laute die Antwort nein. «Niemand will sich selbst mit einem von Ketchup vollgeschmierten Gesicht der Öffentlichkeit zur Schau stellen», so Bernhard Hug. Sie plädiert deshalb dafür, Bilder, die das Kind gut erkennbar zeigen, «im Zweifelsfall immer zugunsten des Kindeswohls nicht zu publizieren». (aargauerzeitung.ch)

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