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Böser Mann verkauft überteuerte Masken online

Wucherangebote für Atemschutzmasken finden sich derzeit im Internet zuhauf. Bild: watson/screenshots/shutterstock

Warum Cyberkriminelle jetzt Hochsaison haben und wie du dich schützen kannst

Atemschutzmasken für 200 Franken: Die Coronakrise ist ein Eldorado für Kriminelle und solche, die das schnelle Geld riechen. Während Plattformen wie Ricardo gegen die Flut an Wucherangeboten ankämpfen, sind Online-Meldestellen und Polizei auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen.



Die ergonomischen Atemschutzmasken haben zwei Kopfbänder und einen biegsamen Nasenbügel mit weichem Nasenkissen für einen guten Sitz. Das Atemventil verhindert Hitzestau und verringert den Atemwiderstand für maximalen Komfort. Sie erhalten zwei Stück für 20 Franken.

Mit der Angst anderer Menschen lässt sich momentan gut Geld verdienen. Scrollt man diese Tage durch Handelsplattformen wie Ricardo und sucht nach Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel, stösst man schnell auf Angebote wie das zuvor erwähnte. Normalerweise kosten Atemschutzmasken zwischen 10 und 50 Rappen pro Stück. Nun kosten sie bis zu 100 Mal mehr. Ein klassischer Fall von Wucher.

Wenn man im Internet nach Atemschutzmasken sucht:

Bei Ricardo ist man sich der Problematik bewusst und versucht, dagegen anzukämpfen. «Ricardo hatte im März aufgrund der aktuellen Situation seine Massnahmen bezüglich solcher Angebote deutlich verschärft», sagt Mediensprecher Simon Marquard.

So dürfen Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel nur noch zum Fixpreis und nicht mehr als Auktion auf Ricardo gestellt werden. Auch dürfen keine Angebote mit den Begriffen «Corona» oder «Covid» gepostet werden. Bei überhöhten Preisen werden Annoncen gelöscht. Bisher wurden bereits über 3800 Inserate entfernt.

Doch ab welchem Preis liegt ein Wucherangebot vor?

Dazu könne man keine fixen Angaben machen, sagt Marquard. «Die Angebote müssen ungefähr im Rahmen des üblichen Marktpreises liegen.»

Polizei warnt vor Zunahme der Betrugsmaschen

Solche Wucherinserate im Netz können im schlimmsten Fall reale Konsequenzen haben. Laut Strafgesetzbuch drohen für das Ausbeuten von Personen aufgrund von Zwangslagen, Abhängigkeit oder Unerfahrenheit bis zu fünf Jahre Haft. Die Kantonspolizei Zürich berichtete in den letzten Wochen immer wieder von Fällen, bei denen Wucherer festgenommen wurden.

So wurde kürzlich eine 21-jährige Frau in Zürich-Altstetten verhaftet, weil sie zehn Masken für 100 Franken verkaufen wollte. Der vermeintliche Käufer war jedoch ein Polizist in zivil. Das gleiche Spiel vor zwei Wochen in Horgen: Ein 18-Jähriger wollte fünf Masken für 200 Franken verhökern.

«Opfer von solchen Angeboten müssen sich getrauen, Anzeige zu erstatten.»

Stefan Oberlin, Mediensprecher Kantonspolizei Zürich

Verglichen mit den 3800 gelöschten Angebote auf Ricardo scheinen diese Festnahmen jedoch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. «Opfer von solchen Angeboten müssen sich getrauen, Anzeige zu erstatten», sagt Stefan Oberlin, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. Die Erfolgsaussichten sind zwar relativ gering, doch nur so könne man gegen die Wucherer vorgehen.

Überteuerte Hygieneprodukte sind jedoch nicht die einzige Masche, mit denen man Leute in Coronazeiten übers Ohr hauen will. Die Kantonspolizei Zürich hat eine ganze Liste mit Varianten von Cyberkriminalität veröffentlicht und eigens eine Website erstellt, bei der man sich als betroffene Person melden kann.

Selbst Interpol warnt bereits vor Betrug in Zusammenhang mit Covid-19.

Zu den bekannten Betrugsmethoden gehören zum Beispiel mit Malware infizierte Phishing-Emails, die angeblich von der World Health Organisation (WHO) oder dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) stammen. Oder Spendenaufrufe von vermeintlichen Wohltätigkeitsorganisationen, die um Geldzustupfe für die Forschung nach einem Impfstoff betteln.

Die Kantonspolizei Zürich warnt sogar vor Erpressern, die ihren Opfern per E-Mail drohen, bei Nichtzahlung ihre Familie mit dem Coronavirus anzustecken.

«Betrüger nutzen Überlebensinstinkt der Menschen aus»

Um den Betrügereien Herr zu werden, setzt nicht nur die Polizei auf Meldestellen im Internet. Auch das Institut zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität ILCE hat letzte Woche eine Webpage eingerichtet. Auf coronafraud.ch können Betroffene anonym Betrugsfälle melden.

In der ersten Woche sind bereits rund 100 Tipps eingegangen. Knapp die Hälfte davon betreffen Fälle von überteuerten Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel.

«Es ist nur natürlich, auf Ereignisse wie die Corona-Pandemie mit Gefühlen der Angst, der Unsicherheit und manchmal sogar der Panik zu reagieren.»

Luca Brunoni, Assistenzprofessor am ILCE

Doch wieso fallen so viele Menschen auf diese Angebote rein? «Es ist nur natürlich, auf Ereignisse wie die Corona-Pandemie mit Gefühlen der Angst, der Unsicherheit und manchmal sogar der Panik zu reagieren», sagt Luca Brunoni, Assistenzprofessor am ILCE.

Kriminelle wissen das und versuchen, diese Schwächen auszunutzen, indem sie neue Formen der Betrügereien erfinden oder gängige Methoden wie das Phishing an die aktuelle Sitaution anpassen. «Betrüger nutzen den Überlebensinstinkt der Menschen aus», sagt Brunoni.

Besonders Menschen, die zur Risikogruppe gehören, können ein erhöhtes Gefühl der Unsicherheit empfinden. Dieses lässt sich dann umso leichter ausnützen. «Jemand kann zum Beispiel wissen, dass die Maske, die er kauft, zu teuer ist. Aber er glaubt, dass er keine Alternative hat, also kauft er sie trotzdem, um sich sicherer zu fühlen.»

Brunoni ist der Ansicht, dass die Coronakrise Kriminellen die perfekte Möglichkeit biete, Leute über den Tisch zu ziehen. Sie würden einerseits Menschen ins Visier nehmen, die direkt betroffen sind, andererseits solche, die den Betroffenen helfen wollen. «Im Fall von Covid-19 stehen böswilligen Menschen beide Wege offen.»

Das ILCE selbst kann Betrügern nicht ahnden. Die Daten werden nur für wissenschaftliche Zwecke gesammelt. «Wir sind jedoch mit den zuständigen Behörden in Kontakt, um sie über neue Betrugsmethoden auf dem Laufenden zu halten.»

Wie kann man sich schützen?

Um sich vor Gaunereien aller Art zu schützen, kann man einige Vorsichtsmassnahmen ergreifen:

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • THEOne 02.04.2020 12:23
    Highlight Highlight all diese punkte wie man sich schützen kann, sind seit bald jahrzehnten im umlauf und werden einem auch über die medien immer wieder eingetrichtert.
    sry, aber wer heutzutage immernoch auf solchen bockmist reinfällt, der hats schlicht ned anders verdient als abgezockt zu werden.
  • Cirrum 02.04.2020 10:05
    Highlight Highlight Wir sind die hackbare Generation. Und die leichtgläubigen werden in Zukunft immer mehr ausgenommen... aber selber schuld...
  • Citizen321 02.04.2020 09:40
    Highlight Highlight Ein Wucherangebot auf einer Online-Auktionsplattform platzieren ist kein Cybercrime.
  • Randalf 02.04.2020 08:54
    Highlight Highlight 2 Maken für 20 Franken.
    Günstiger als Drogerie und Apotheke, welche auch "selbstgemachtes" Desinfektionsmittel für 13.80 im 1 dl Zerstäuber verkauft.
    • Charlie B. 02.04.2020 10:04
      Highlight Highlight Äpfel mit Birnen vergleichen?
    • Hilona Bristelprim 03.04.2020 10:04
      Highlight Highlight @Randalf: Welche Apotheke macht das? Online posten, dann haben sie sofort den Shitstorm. Hab ich bei einem anderen Laden auch gemacht, der selbstgepanschte Desinfektionsmittel überteuert verkaufte (erst nachdem ich sie vorher noch privat darauf hingewiesen hatte) und plötzlich war zumindest der Online-Post mit der Werbung dafür weg. Ob sie es im Laden jetzt noch verkaufen, weiss ich nicht.
  • nachwievor 02.04.2020 08:51
    Highlight Highlight Können wir die überteuerten Tickets für ausverkaufte Konzerte/Festivals/etc. der letzten Jahre auch da anmelden?
  • Erklärbart. 02.04.2020 08:09
    Highlight Highlight Nachdem Portale wie Ricardo die Inserate gelöscht haben, sollten sie die Polizei informieren. Diese geht dann vorbei, belegt diese widerlichen Leute mit hohen Bussen und nimmt ihnen die Ware ab und schenkt diese der nächsten Spitex oder dem nächsten Spital.
  • teXI 02.04.2020 07:42
    Highlight Highlight Die nennt man Cyberkriminelle? Wie nennt man dann die Typen die in der Bank arbeiten? Und die anderen die sich in Zeiten der Not (meistens bei schönem Wetter) hinter den Büschen verstecken und Fotos von breiten übersichtlichen Strassen machen?
  • Kiro Striked 02.04.2020 07:20
    Highlight Highlight Wer immernoch Panisch Desinfektionsmittel und Masken hortet, der soll gerne 500.- pro Maske bezahlen.

    Mit "Überlebensinstinkt" hat das nun wirklich nichts zutun. Ist eher ein selbstgemachtes Problem, dass man nicht mehr vernünftig denkt, sondern sich von Medien und Social Media einreden lässt, dass in wenigen Wochen "I am Legend" angesagt ist.

    Hände waschen mit Seife. Nicht unnötig rausgehen, nicht rumhusten und den Mund geschlossen halten.

    Das Pflegepersonal braucht die Masken. Nicht Hinz und Kunz die einfach Panik haben. Die Risikogruppen können die Masken ja beziehen wo nötig.
  • hoffmann_15@hotmail.com 02.04.2020 07:17
    Highlight Highlight Ihr nennt es Fraud, ich sage: jeden Tag steht irgendwo ein Dummer auf.
  • Jacques #23 02.04.2020 07:11
    Highlight Highlight In solchen Zeiten erkennt man den wahren Charakter von Einzelnen. Jedoch auch Gruppen, Unternehmen und Organisationen.

    Demzufolge steigt die Kriminalität. Damit war zu rechnen. Die moralischen Aspekte überwiegen allerdings sehr viel stärker.

    Einzelne Versicherungen zum Beispiel, Verbände. Oder abgewählte Bundesräte.

    Aber auch die positiven Seiten leuchten deutlicher. Zeit für Korrekturen.
  • georgehuxley 02.04.2020 07:08
    Highlight Highlight Viele Apotheken machen traurigerweise dasselbe. Bei uns 3 Masken Chf 36.-. 200ml Desinfektionsmittel Chf 9.90.
    Wer sind die Kriminellen?
  • Paternoster 02.04.2020 06:42
    Highlight Highlight Da verkauft jemand 2 Masken mit Ventil für Fr.20.-, im Jumbo Markt, wenn er offen hätte, könnte man eine Maske mit Ventil für Fr.19.50 kaufen, eben....
    • maylander 02.04.2020 08:54
      Highlight Highlight Schon vor dem Lockdown gab es fast keine Masken im Baumarkt mehr.
      Gute FFP3 Masken von 3m wurden schon vor Corona im Einzelhandel zu solchen Preisen verkauft. Die Industrie konnte die natürlich wesentlich günstiger Einkaufen, da ja grosse Packungen gekauft werden mussten.
      Per Definition sind dies Einwegmasken und bei krebseregenden Staub darf man die Maske nicht abnehmen und wieder aufsetzten. Für Corona reichen aber viel einfachere Masken aus.
    • Paternoster 02.04.2020 13:13
      Highlight Highlight Ich meinte, dass wie im Bild oben gezeigt, dieses Beispiel kein Wucher sein kann, wenn Ventilmasken für Fr.20.- verkauft werden.
      Und für Corona reichen viel einfachere Masken, soweit ich informiert bin beim Tragen als Schutz gegen andere, bzw. die Tröpfen werden aufgehalten. Aber von Aussen kann ein Virus durch, so meine Info.
  • Nora Flückiger 02.04.2020 06:06
    Highlight Highlight Naja, mit der Dummheit der Menschheit wurde schon immer am leichtesten Geld verdient!

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