Schweiz
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Jöö-Welpen, Selfie-Cops und Teddybären: Diese Schweizer Polizeikorps haben begriffen, wie Social Media geht

Die Schweizer Polizeikorps sind auf den sozialen Medien höchst unterschiedlich präsent. Während die einen auf originelle Art sämtliche Kanäle bespielen und damit Sympathien in der Bevölkerung gewinnen, machen die anderen gar nichts. 

Die Stadtpolizei St. Gallen hat einen neuen Star. Er ist kein Polizist, sondern ein Hund. Jasper heisst er und er ist gerade einmal elf Wochen alt. Der belgische Schäfer soll in zwei Jahren als fertig ausgebildeter Polizeihund das Korps verstärken, bis dahin muss er viel trainieren und mehrere Prüfungen bestehen.

Jaspers Alltag auf Instagram. Hier ein Bild seines ersten Trainings in der Junghundegruppe

Eine andere – mindestens so wichtige Aufgabe – erfüllt Jasper bereits seit seiner Geburt mit grossen Erfolg: Er verhilft seinem Arbeitgeber zu mehr Popularität, zu grösseren Sympathien und generiert Likes, Shares sowie Kommentare. Jasper ist auf Instagram, Facebook und Twitter präsent, er hat sogar einen eigenen Blog. Roman Kohler, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen, sagt: «Jasper sorgt für mächtig Aufmerksamkeit». Natürlich sei man sich bewusst gewesen, dass man mit dem Jöö-Effekt des Hundes punkten könne, die Menge der Reaktionen überrasche aber. 

So sieht Jaspers Feierabend aus.



Jasper wird der Presse vorgestellt.

Jaspers Beiträge erreichen laut Kohler auf Facebook die beste Reichweite (bis zu 24'000), auf dem noch jungen Instagram-Account steigerte die Stadtpolizei St. Gallen dank dem Hund die Follower-Zahl um 50 Prozent, den Blog besuchten an Jaspers erstem Arbeitstag 4000 User. 

Zwei Wochen alt war das jüngste Mitglied der Stadtpolizei St. Gallen hier.

Manuel Egger ist Jaspers Chef. Als er den Welpen zu sich holte, schlief er einige Nächte kaum. 

Jugendliche posieren mit dem iCop

Die Wichtigkeit der sozialen Medien hat auch die Stadtpolizei Zürich erkannt. Sie führte als erstes Korps in der Schweiz einen sogenannten iCop ein. Der Polizist mit dem Namen Patrick Jean dokumentiert seinen Arbeitsalltag auf Instagram und Facebook. Michael Wirz von der Kommunikation der Stadtpolizei Zürich ist «sehr erfreut» über den Erfolg, den die Polizei mit dem iCop hat. Auf Facebook hat Patrick Jean fast 4000 Freunde, auf Instagram 700. Der iCop postet hauptsächlich Selfies, oft mit Jugendlichen, die sich hinter ihm in Szene setzen. 

«Danke fürs Melden des Brandes an diese vier jungen Männer», schrieb Patrick Jean unter diesen Instagram-Post. 

Am 29. September war der iCop an der Züspa. Ab 17 Uhr konnte man ihn dort persönlich treffen. 

Bei der Stadtpolizei Zürich und St. Gallen hat man begriffen, wie man die Leute da draussen erreicht. Beide sind auf sämtlichen sozialen Medien derart präsent, weil sie «dort sein wollen, wo die Bürger sind». Wirz sagt weiter: «Was für Potenzial die Sozialen Medien haben, hat kürzlich ein Beitrag von uns über die Kampagne ‹Generell freundlich› gezeigt. Damit erreichten wir innert kurzer Zeit 1,5 Millionen Menschen, über 700'000 User sahen das Video dazu». 

Patrick Jean kommt an, weil er weiss, wie posten. «Kurze Pause auf Streife und krampfhaft am Sommer festhalten», schrieb er unter dieses Bild. 

Der iCop ist der Selfie-König. Hier an der Streetparade.

Auch Teile von Patrick Jeans Privatleben sind öffentlich. Auf Facebook gab er die Geburt seines zweiten Kindes bekannt. 

Ein Teddy soll Nähe schaffen

Menschen sind gemäss Wirz in den sozialen Medien wichtiger als Organisationen. Deshalb personalisierten sie die Posts meistens. «Manchmal setzen wir aber auch unsere Maskottchen, ein Teddybär, ein. Der Stapo-Bär ist ein Sympathieträger geworden, er kann Brücken bauen und manchmal das Eis brechen», sagt Wirz.

Der Stapo-Bär beim Arzt. Über 13'000 Facebook-Usern gefällt das.

Überraschenderweise sind die Korps der Stadtpolizei aktiver im Netz als ihre grossen Brüder vom Kanton. Die Kantonspolizei Zürich bezeichnet die Sozialen Medien zwar als «sehr wichtig», da sie die Möglichkeit eines unkomplizierten Dialogs böten, welche rege benutzt würden, allerdings betreibt sie weder einen Twitter-, noch ein Instagram-Accout. Auch die Kantonspolizei Bern ist auf Facebook nicht präsent, betreibt aber einen Twitter-Account und einen Youtube-Kanal. In Luzern, Graubünden und den beiden Basel heisst es auf Anfrage, die Ressourcen reichten nicht, um den Social-Media-Bereich professionell zu bewirtschaften. Würde etwa ein Shitstorm ausgelöst, könnte nicht adäquat reagiert werden, heisst es bei mehreren Pressestellen. Die Zuger Polizei macht laut Mediensprecherin Judith Acklin «gar nichts», was die sozialen Medien angeht. 

Rekrutierung über Facebook

Am ehesten sind die Korps der Kantonspolizei auf Facebook aktiv. Und dieses Medium setzen sie gerne für die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern ein. 

Auch für Fahndung wird Facebook eingesetzt, mehrere Fälle konnten in der Schweiz durch Hinweise auf Facebook gelöst werden. «Die Geschwindigkeit auf Facebook ist faszinierend», sagt Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, die auf Facebook zu den aktivsten gehört. Ein Post einer Vermisstmeldung beispielsweise sei innerhalb von zwei Stunden bis 70'000 Mal geliked worden. Dadurch erreicht die Polizei innert kürzester Zeit eine Menge Menschen. 

Hetzerische Kommentare 

Allerdings birgt Facebook auch Gefahren, wie sich anhand der Meldung vom Wochenende über einen Brand im Asylzentrum in Kaltbrunn SG zeigt. Sie löste unschöne Kommentare aus, in denen zum Beispiel spekuliert wurde, die Asylbewerber hätten die Unterkunft selber angezündet. 

Dieses Bild des Brandes der Asylunterkunft in Kaltbrunn auf Facebook generierte unerwünschte Kommentare. 

«Wir versuchen möglichst alle Kommentare, die hetzerische, rassistisch oder beleidigend sind, zu entfernen», sagt Krüsi. Leider komme es aber ab und zu vor, dass gewisse unangebrachte Einträge für eine kurze Zeit auf der Seite stünden.

Stellvertretend für alle Korps sagt Wirz von der Stadtpolizei Zürich, auch bei der Polizei würden ab und zu Fehler gemacht. Trete diese authentisch auf, würde dieser aber auch eher einmal ein Fehler verziehen. Und um Authentizität zu schaffen, seien die sozialen Medien äusserst geeignet.   

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