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In England gelten nun neue Blutspendekriterien.
In England gelten nun neue Blutspendekriterien.Bild: shutterstock.com

Homosexuelle dürfen in England Blut spenden: Schweiz verbietet es (noch)

Männer, die mit Männern Sex haben, dürfen in vielen Ländern nicht Blut spenden. England hat dieses Verbot nun aufgehoben, doch die Schweiz bleibt dabei. Allerdings tut sich was.
17.06.2021, 18:5317.06.2021, 19:42

Seit Anfangs Woche können in England, Schottland und Wales alle unter den gleichen Bedingungen Blut spenden – ungeachtet ihrer Sexualität. Bisher war die Regel – gleich wie in der Schweiz – dass Männer, die mit Männern Sex haben, grundsätzlich nicht zur Blutspende zugelassen sind. Jetzt darf spenden, wer den Sexualpartner in den letzten drei Monaten nicht wechselte.

Es gehe um mehr als nur um ein gerechteres und inklusiveres System, sagt Ethan Spibey gegenüber dem britischen Magazin «Gay Times». «Es geht um diejenigen, die auf Blut angewiesen sind.» Spibey leitete die Kampagne «FreedomToDonate».

Schweiz setzt auf Abstinenz

In der Schweiz galt bis 2017 ein Blutspendeverbot für Schwule. Dann wurde die Sonderregel erlassen, dass ein Mann Blut spenden darf, sofern er während zwölf Monate keinen Sex mit einem anderen Mann hatte. «Aber ein Jahr keinen Sex haben, nur um Blut zu spenden – das ist nicht realistisch», sagt Roman Heggli von Pink Cross, dem Schweizer Dachverband der schwulen und bisexuellen Männer. Das zu ändern sei allerdings ein schwieriges Unterfangen: «Niemand will sich die Hände verbrennen.»

Wegen sexuell übertragbaren Krankheiten (STD) ist es für die Blutspende relevant, wie oft und mit wem die Spenderin oder der Spender ins Bett geht. Frauen und heterosexuelle Männer werden hier allerdings anders behandelt: Sie werden zur Spende zugelassen, sofern sie monogam leben.

Der Ausschluss von bi- und homosexuellen Männer fand seinen Ursprung während der HIV-Epidemie in den 1980-Jahren, damals auch «Schwulenseuche» oder «Schwulenpest» genannt. Eine mit HIV kontaminierte Bluttransfusion ist für den Empfänger höchst ansteckend: Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA schätzt das Ansteckungsrisiko auf 1 zu 1,47 Millionen. Allerdings gibt es mittlerweile zuverlässige Tests, die das Virus im Blut aufspüren.

Zu wenig Daten vorhanden

Auch in der Schweiz wird Spenderblut systematisch auf HIV, Hepatitis und Syphilis getestet, sagt Franziska Kellenberger von Blutspende Schweiz. Warum die Schweiz die Sonderregel noch aufrechterhalte, begründet sie damit: «Die Festlegung der Blutspende-Kriterien erfolgt datenbasiert.» Bei homo- und bisexuellen Männern gäbe es noch zu wenig wissenschaftliche Erkenntnisse.

Allerdings dürfte sich das bald ändern. Weil neben Grossbritannien auch Spanien, Italien, Australien oder die USA die Sonderregel für Homosexuelle aufgehoben haben, sind immer mehr Daten verfügbar.

Pink Cross setzt sich ebenfalls dafür ein, dass die Sonderregel aufgehoben wird. Der Verband will mit dem Blutspende Schweiz die Spendekriterien überarbeiten. «Wir sind guter Dinge, dass sich in den nächsten zwei Jahren etwas ändern wird», sagt Pink Cross Geschäftsführer Heggli.

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104 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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no-Name
17.06.2021 19:25registriert Juli 2018
ein jahr kein sex ist nicht realistisch?!? 😳

aha. 😒
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Bündn0r
17.06.2021 19:34registriert Januar 2018
Als Hintergrund für die aktuelle Aufrechterhaltung der besonderen Bestimmungen für Homosexuelle würde ein Exkurs zur Häufung von STDs bei Homosexuellen der Ausgeglichenheit des Artikels sicher nicht schaden.
Zumal die Krankheiten meldepflichtig sind, sind dazu relativ verlässliche Daten vorhanden.
Die Differenz der Inzidenz ist beachtlich und der Status Quo nicht einfach ein Relikt aus alten Tagen.
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Sveminem
18.06.2021 06:30registriert Dezember 2015
An alle, die hier mit Inzidenzen um sich werfen: dieser Einwand wäre berechtigt, gäbe es nicht äusserst präzise Tests (Sensitivität für HIV 100% nach Herstellerangabe), welche bei jeder Blutspende routinemässig durchgeführt werden.
Die Zulassungsbestimmungen sind schon für Heterosexuelle so ausgelegt, dass Falschresultate aufgrund der Inkubationszeit ausgeschlossen sind.
Es gibt daher aus medizinischer Sicht keinen Grund, homosexuelle Männer anders zu behandeln. Insbesondere in einer monogamen Beziehung mit 2 negativen Partnern ist das Ansteckungsrisiko unabhängig der sex. Orientierung = 0.
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