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Decathlon setzt auf mehr Vielfalt bei den Mannequins – anders als bei On

Decathlon setzt auf mehr Vielfalt bei den Mannequins – bei On bleiben sie auffällig dünn

Schaufenster-Puppen in Modegeschäften sind praktisch immer sehr dünn. Das zeigt sich auch beim Zürcher Sportschuh-Hersteller On. Doch es geht auch anders.
05.03.2026, 21:1305.03.2026, 21:13
benjamin weinmann / ch media

In manchen Mode-Katalogen ist die Diversität inzwischen angekommen. Insbesondere der Branchenleader Zalando setzt auf Vielfalt bei seinen Models, wenn er neue Bikinis, T-Shirts oder Jeans präsentiert. Doch in der Regel gilt in der Mode-Branche noch immer: Dünn ist der Standard. Das wird auch klar bei einem Streifzug durch die Zürcher Bahnhofstrasse. Von H&M über Trois Pommes bis C&A – die Mannequins haben kein Pfund zu viel auf den Rippen. Teilweise ist sogar das Steissbein deutlich betont.

Decathlon setzt bei den Mannequins auf unterschiedliche Staturen.
Decathlon setzt bei den Mannequins auf unterschiedliche Staturen.bild: zvg

Dass es auch anders geht, zeigt die französische Sportkette Decathlon. Wie ein kürzlicher Augenschein in einer Filiale in Dietlikon ZH zeigt, kommen dort auch voluminösere Modepuppen zum Einsatz und präsentieren etwa einen Badeanzug.

Decathlon-Sprecher Bernhard Schmid bestätigt, dass die Sportkette Mannequins mit unterschiedlichen Bekleidungsgrössen einsetzt, bereits seit etwa fünf Jahren. «Decathlon möchte alle Sportlerinnen und Sportler erreichen und legt dabei den Schwerpunkt auf Inklusion und die Zugänglichkeit von Sport, damit jede und jeder mit dem Sport beginnen oder wieder damit anfangen kann», sagt Schmid. Man biete Lösungen für alle Sportlerinnen und Sportler, unabhängig von ihrem Körperbau. Allerdings: Die Mannequins mit höherem Body-Mass-Index gibt es nur in weiblicher Ausführung.

Beim On-Personal umstritten

Anders sieht es beim stark wachsenden Zürcher Sportausrüster On aus, an dem auch Ex-Tennis-Spieler Roger Federer beteiligt ist. Die Mannequins im Hauptgeschäft am Zürcher Limmatquai sind spindeldürr, die Arme und Beine auffällig dünn. CH Media weiss: Diese Darstellung ist auch bei On-Mitarbeitenden seit längerem ein grosses Thema. Schliesslich bekennt sich On auf seiner Website stark zu den Werten Inklusion und Diversität. Bei den Puppen zeigt sich dies allerdings nicht.

Large-Grössen? Bei den weiblichen On-Mannequins und im Regal Fehlanzeige.
Large-Grössen? Bei den weiblichen On-Mannequins und im Regal Fehlanzeige.bild: zvg

Und nicht nur das. Bei genauem Hinsehen auf die ausgestellte Luxus-Mode fällt auf, dass grössere Grössen auch im Regal tabu sind. Bei den Frauen sind nur die Kleidergrössen Small und Medium erhältlich. Bei den Männern hingegen Medium, Large und Extra-Large.

On-Sprecherin Karin Montani bestätigt diese Beobachtung: «Als Premium-Anbieter präsentieren wir in unseren Geschäften jeweils zwei Konfektionsgrössen pro Artikel, und zwar die beiden, die am häufigsten nachgefragt werden.» Das seien bei den Damen S und M, bei den Herren M und L. «Selbstverständlich sind alle weiteren Grössen, wie beispielsweise XS oder XL, ebenfalls in unseren Geschäften erhältlich.»

Inklusion als ganzheitlicher Prozess

Dies führt allerdings dazu, dass sich Kundinnen und Kunden mit etwas mehr Gewicht stets als Sonderfall fühlen dürften. Sie müssen sich jeweils ans Personal wenden, wenn sie ihre Grösse anprobieren möchten, die an keinem Kleiderbügel hängt.

Man verstehe die Werte Diversität und Inklusion «als einen ganzheitlichen Prozess, der weit über die visuelle Gestaltung unserer Schaufenster hinausgeht», sagt Sprecherin Montani. Das gehe von der Zusammenstellung der Angestellten bis zum Produktportfolio.

Da kein Mannequin jemals die gesamte Bandbreite menschlicher Körperformen abbilden könne, setze man den Fokus dort, wo er für die globale Kundschaft den grössten Unterschied mache, nämlich bei der Passform. Auf der Firmenwebsite und in den Werbekampagnen setzte man bewusst Models unterschiedlichster Herkunft, Statur und Grösse ein. Das bekannteste On-Werbegesicht nebst Roger Federer ist Hollywood-Star Zendaya.

Hollywood-Star Zendaya wirbt für On-Mode.
Hollywood-Star Zendaya wirbt für On-Mode.bild: on

In der Mode-Branche ist zuletzt wieder vom Trend «Heroin Chic» aus den 1990er-Jahren die Rede. Der makabre Begriff steht für besonders dürre und leblose Model-Ästhetik. Die «Body Positivity»-Bewegung, die für mehr Vielfalt und Inklusion steht, hat hingegen an Schwung verloren. Auch Mannequins, die eine körperliche Behinderung zeigen, sind hierzulande praktisch nicht vorhanden.

Und wie gehen andere Modehändler in der Schweiz mit dem Thema um? CH Media hat sich umgehört. C&A, Mode Bayard und Chicorée liessen die Anfragen unbeantwortet. Ein PKZ-Sprecher sagt bloss, dass man neutrale, gleichfarbige Puppen einsetze. Zur Darstellung der Körpergrösse nimmt er keine Stellung. «Der Fokus von Kundinnen und Kunden soll auf der Ware liegen.»

Manor setzt auf Vielfalt

Ein Manor-Sprecher sagt, man sei überzeugt, dass Mode für alle da sei, schliesslich hätten die Kundinnen und Kunden unterschiedliche Silhouetten. «Die gesellschaftliche Diskussion rund um Körperbilder verfolgen wir aufmerksam.» So setze man für internationale Marken im Lingerie-Bereich teilweise gezielt auf grössere Büsten, um unterschiedliche Körperformen abzubilden. «Wir prüfen laufend, wie wir verschiedene Silhouetten noch stärker berücksichtigen können.»

Und Coop-Sprecherin Céline Venetz betont, dass sowohl im Damen- als auch im Herrensortiment die Grössen M und L zu den meistverkauften Grössen gehörten. (aargauerzeitung.ch)

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