Body Diversity gibt es doch noch: Londoner Fashion Week setzt Gegentrend zu Size Zero
Nachdem in den vergangenen Jahren in der Modebranche zunehmend auf Diversität und Body Positivity gesetzt wurde, drehte sich dieser Trend in den letzten Monaten wieder. Als Folge des #Skinnytok-Trends auf Social Media tauchten auch auf Laufstegen vermehrt sehr dünne Models auf – kurvigere Körper sah man etwa an der Berliner Fashion Week Anfang Februar so gut wie gar nicht.
Auf der Londoner Fashion Week feierten vielfältige Körpertypen nun ein Comeback. Designerinnen wie Karoline Vitto, Phoebe English und Sinead Gorey präsentierten in den letzten Tagen Mode für diverse Grössen bis hin zu Plus Size auf dem Laufsteg.
Diese Entscheidung erfolgt vor dem Hintergrund von Expertenwarnungen, wonach frühere Fortschritte in der Modebranche durch eine Rückkehr zum Schlankheitsideal gefährdet sind. Laut Vogue Business hätten Plus-Size-Models im vergangenen Jahr nur 0,9 Prozent der Damenkollektionen bei den Shows in New York, London, Mailand und Paris ausgemacht.
«Wo sind all die kurvigen Models hin?», fragt Modedesignerin Karoline Vitto im Gespräch mit dem «Guardian». Sie wolle dem Schlankheitstrend durch ihre Shows entgegenwirken. Daher habe sie Models ausgewählt, die «unsere Grössenvielfalt widerspiegeln, damit die Zuschauer verstehen können, wie die Kleidungsstücke an ihnen aussehen würden, wenn sie ebenfalls diese Grösse hätten». Vitto fügt hinzu:
Als eher unbekanntes Label könne Vitto keine etablierten Models bezahlen. Viele ihrer Models übernähmen daher selbst die Kosten, um Vitto in ihrem Vorhaben zu unterstützen.
Die Designerin Phoebe English setzte ebenfalls auf Diversität bei ihrer Fashionshow. Als Models wählte English etwa ihre Mutter und die Schriftstellerin Aja Barber aus.
Phoebe English Show London Fashion Week 2026 was ethereal 🤍 #LFW pic.twitter.com/VSgLiDsjj5
— Shards Of Eden 🗡️ (@Shiikane) February 22, 2026
Die Casting-Direktorin Emma Matell, zu deren Klienten unter anderem Tom Ford und Vivienne Westwood gehören, findet es zwar grossartig, dass sich einige Nachwuchsdesignerinnen und -designer für Körpervielfalt einsetzten. «Wir sehen so viel Inklusion von der neuen Generation von Designern. Sie alle tun ihr Bestes im Rahmen ihrer Möglichkeiten, auch mit begrenzten Budgets», sagt Matell. Der Wandel müsse jedoch auch von der Spitze kommen.
Matell fügt hinzu, dass aufstrebende Designer sich an Luxusmodehäusern orientierten. Grosse Modehäuser hätten keine Anstrengungen unternommen, was sich auch auf untere Ebenen auswirke. «Sie geben das Beispiel dafür, was für jüngere Marken als sicher und kommerziell rentabel gilt. Sie sagen damit: Das ist Luxusmode, und so sieht ein Luxusmodel aus.» (hkl)
