Schmuggelfleisch als lukratives Geschäft – mit bekannten Hintermännern
Der April 2024 war ein schlechter Monat für den Ostschweizer im AHV-Alter. Gleich dreimal wurden er und einer seiner Beauftragten von Polizei und Zoll erwischt, als sie insgesamt knapp eine Tonne günstiges Frischfleisch aus Deutschland einschmuggelten. Wegen der tieferen Preise in Deutschland ist Fleischschmuggel offenbar ein lukratives Geschäft. Gewisse Gastrobetriebe sind dankbare Abnehmer.
Das zeigt auch das Beispiel zweier Iraker, die dem Schweizer Zoll innert weniger Tage ins Netz gingen. Sie schmuggelten mit Lieferwagen aus Deutschland tonnenweise Pommes frites, Chicken-Nuggets und andere Lebensmittel in die Schweiz.
In wessen Auftrag, für welche Abnehmer? Handelt es sich um Einzeltäter – oder um Akteure im Auftrag? Im Fall des mutmasslichen Ostschweizer Fleischschmugglers zeigt sich: Es bestehen auffällige Verbindungen zu einem einschlägig bekannten, grösseren Netzwerk, das auch in andere Machenschaften verstrickt ist.
So hatte der Rentner einige Monate, bevor er erstmals an der Grenze erwischt wurde, eine Firma eintragen lassen, die sich mit dem Handel von Lebensmitteln befasste. Im Handelsregister tauchen bei dieser Gesellschaft und verbundenen Firmen mehrfach die Namen von Schweizer Anwälten und Notaren auf, die als Urkundspersonen immer mal wieder in fragwürdigen Konstrukten erscheinen.
Am Domizil der Firma sind oder waren zudem weitere Unternehmen eingetragen, die für zumindest zweifelhafte Machenschaften genutzt wurden oder werden.
Ein Beispiel einer solchen Firma: An derselben Adresse existierte eine Gesellschaft, die einst jahrelang im audiovisuellen Sektor in Zürich tätig war – bis sie 2023 Besitzer und Kanton wechselte und zur Eisenleger-GmbH wurde. Als Gesellschafterin und Geschäftsführerin wurde eine rumänische Staatsangehörige als Strohfrau eingesetzt, die angeblich im Kanton St. Gallen lebte. Beglaubigt wurde der Akt von einem notorisch auffälligen Schwyzer Anwalt.
Dubiose Eisenlegerfirma an gleicher Adresse
Ein Jahr später zeigte sich der wahre Zweck dieser Eisenleger-GmbH: Schwarzarbeit. Allein der BVG-Auffangeinrichtung schuldete die Firma bereits rund 6000 Franken, insgesamt betrug der Streitwert über 30'000 Franken. Zu holen war nichts, wie Gerichtsakten zeigen: Die eingesetzte Rumänin war längst in ihre Heimat zurückgekehrt. In einem Urteil des Handelsgerichts heisst es: «Die einzige im Handelsregister eingetragene Gesellschafterin und Geschäftsführerin hat ihren Wohnsitz nach Rumänien verlegt.»
Das Gericht löste die Firma wegen Organisationsmangels auf. Die BVG-Auffangeinrichtung blieb auf den Forderungen sitzen und musste zudem die Kosten tragen. Die eigentlichen Hinterleute blieben im Dunkeln.
Andere Fälle zeigen, dass oft auch Menschenhandel im Spiel ist: Als Geschäftsführerinnen solcher Betrugsvehikel werden, wie Insider berichten, teilweise Frauen eingesetzt, die gleichzeitig als Prostituierte ausgebeutet werden.
Beobachter sehen eingespielte, noch längst nicht ausgeleuchtete Netzwerke, deren hierarchische Mittel- oder Oberbauten teilweise aus Schweizer Dienstleistern bestehen. Diese arbeiten offensichtlich eng mit ausländischen Akteuren zusammen.
Am unteren Ende werden häufig ausländische Strohleute eingesetzt – zuletzt oft Personen aus Ländern wie Rumänien, die rasch wieder ausreisen und nicht haftbar gemacht werden können.
Dem Ostschweizer Rentner selbst wird nicht vorgeworfen, Teil irgendeines dubiosen Netzwerkes zu sein. Die Firmenadresse kann auch Zufall sein. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit ermittelt gegen ihn wegen Verstössen gegen das Zoll- und Mehrwertsteuergesetz. Der Mann aber betont seine Unschuld und sagt, der Zoll habe sein Geschäft ruiniert. Es gilt die Unschuldsvermutung. (aargauerzeitung.ch/nil)

