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Schweiz
Geheimdienste

Muss die Schweiz nun wirklich auf Anschläge heimgekehrter Syrien-Abenteurer gefasst sein?

Ein holländischer und ein britischer Dschihadist in Syrien.Bild:International Centre for the Study of Radicalisation
Nachrichtendienst-Lagebericht 2014

Muss die Schweiz nun wirklich auf Anschläge heimgekehrter Syrien-Abenteurer gefasst sein?

06.05.2014, 18:2624.06.2014, 09:27
Kian Ramezani
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In seinem aktuellen Lagebericht zieht der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) ein positives Fazit: «Langfristig gesehen und im Unterschied zu sehr vielen anderen Ländern befindet sich die Schweiz in einer sehr stabilen und ruhigen sicherheitspolitischen Situation», heisst es zu Beginn.

Anlass zur Sorge geben aber drei Themenfelder: Spionage ausländischer Geheimdienste auf Schweizer Boden (Snowden-Affäre), geopolitische Herausforderungen wie etwa die Ukraine-Krise sowie dschihadistische Gewalt- oder Terrorakte. Konkret wird es im Kapitel «hausgemachter Terrorismus», wo sich folgende beunruhigende Einschätzung findet: 

Die Zahl der Dschihadreisenden aus Europa und aus der Schweiz in Syrien wird weiter zunehmen und damit auch die Anzahl potenzieller Rückkehrer. Kehren Dschihadreisende ideologisch indoktriniert und kampferprobt zurück, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Beispiel Anschläge in Europa verüben.

Kurz: Immer mehr Schweizer Dschihadisten zieht es nach Syrien. Kehren sie zurück, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch den Terror mit nach Hause bringen. Der NDB steht mit dieser Warnung nicht allein da. Geheimdienste in den USA, Grossbritannien und Deutschland äussern sich ähnlich.

Muss die Schweiz nun Anschläge heimgekehrter Syrien-Abenteurer gewärtigen?

Kein Fall aus Syrien

Seit drei Jahren wütet der Syrien-Konflikt, tausende Europäer sind als Gewalttouristen in die Region gereist, um in den Reihen der Rebellen zu kämpfen. Trotzdem ist bisher kein einziger Fall eines Syrien-Heimkehrers bekannt geworden, der zurück zu Hause einen Terroranschlag verübte. Nicht in der Schweiz und auch nicht anderswo.

NDB-Direktor Markus Seiler.
NDB-Direktor Markus Seiler.Bild: Reuters

Der NDB präsentiert in seinem Bericht eine Liste mit zehn Beispielen von hausgemachtem Terrorismus in Europa und den USA. Zwei davon wurden von Tätern verübt, die Reisen nach Pakistan/Afghanistan unternommen hatten. Doch von diesen Heimkehrern auf Syrien-Dschihadisten zu schliessen, ist problematisch.

Während in Afghanistan, Pakistan, Jemen und Somalia der Westen als Feindbild herhält, ist dies in Syrien nicht der Fall. Der Bürgerkrieg ist eine innermuslimische Angelegenheit. Der Westen bekämpft die Rebellen nicht, sondern lässt ihnen in begrenztem Ausmass sogar Hilfe zukommen. Mit Iran und der libanesischen Hisbollah-Miliz, gegen deren Kämpfer die Dschihadisten antreten, steht der Westen ebenfalls im Clinch.

«Bedrohungspotenzial antizipieren»

Warum der NDB trotzdem von einer «höheren Wahrscheinlichkeit eines Anschlags» ausgeht, bleibt sein Geheimnis: «Nachrichtendienst ist keine exakte Wissenschaft im engeren Sinne», erklärt Kommunikationschef Felix Endrich auf Anfrage. «Gott sei Dank hatten wir bis jetzt noch keinen Rückkehrer oder radikalisierten Einzeltäter, der in der Schweiz Schaden angerichtet hat. Und wir hoffen alle, dass das nie eintreten wird. Aber unsere Aufgabe ist es, das Bedrohungspotenzial zu antizipieren.» 

Was bisher von Syrien-Heimkehrern bekannt wurde, lässt auf ein eher begrenztes Bedrohungspotenzial schliessen. Ein 30-jähriger Walliser, der im Frühjahr aus Syrien zurückgekehrt war und von den Schweizer Behörden wegen Beteiligung an einer terroristischen Organisation strafrechtlich verfolgt wird, hinterliess in einem Interview mit dem Westschweizer Fernsehen einen eher desillusionierten Eindruck.

Vielleicht hält es der NDB mit dem ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: Das Fehlen von Massenvernichtungswaffen im Irak hatte dieser wie folgt erklärt: «The Absence of Evidence ist not Evidence of Absence» («Das Fehlen von Beweisen ist in sich kein Beweis»).

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