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Alexander Gauland of the anti-immigration party Alternative for Germany (AfD) is pictured during a news conference in Berlin, Germany, March 14, 2016.      REUTERS/Wolfgang Rattay/File Photo

Alexander Gauland: Der «Arena»-Auftritt des AfD-Vize macht die SVP nervös. Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Wegen dieses Mannes wollte Christoph Blocher seinen «Arena»-Auftritt absagen

«Arena»: Christoph Blocher wollte nicht an der Seite von AfD-Politiker Gauland in der SRF-Politsendung auftreten.

doris kleck / Aargauer Zeitung



«Die Leute finden ihn als Fussballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.» Spätestens seit diesem Satz über den deutschen Fussballer mit ghanaischem Vater ist Alexander Gauland auch hier ein Begriff. Gauland ist stellvertretender Parteichef der Alternative für Deutschland (AfD).

Der 75-Jährige war Spitzenbeamter, Herausgeber einer Zeitung und 40 Jahre lang Mitglied der CDU. Von der Merkel-Partei hat er sich enttäuscht abgewandt. Die Medien rätseln über die Verwandlung des respektierten Konservativen zum Scharfmacher der AfD. Die BaZ bezeichnete den Mann, der mit Vorliebe schottischen Tweed trägt, als «Klammer, die die moderaten Kräfte mit den Rechtsextremen zusammenhält».

Gauland ist heute zu Gast in der Politsendung «Arena» im Schweizer Fernsehen (SRF) – und dies macht die SVP nervös. «Wer hat das Sagen im Land?», lautet das Thema. Ausgehend von der (Nicht-)Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative will Moderator Jonas Projer über die direkte Demokratie, Völkerrecht und Selbstbestimmung diskutieren.

«Die SVP ist auf keine Art und Weise zu vergleichen mit der AfD.»

SVP-Generalsekretär Gabriel Lüchinger

SVP-Chefstratege Christoph Blocher sagte Anfang Woche seine Teilnahme zu. Doch als ihm die «Arena»-Macher eröffneten, dass AfD-Gauland an seiner Seite gegen die Nationalräte Tiana Angelina Moser (GLP/ZH) und Eric Nussbaumer (SP/BL) auftreten werde, wollte Blocher wieder absagen.

«Christoph Blocher ist nicht bereit, mit einem ausländischen Politiker an seiner Seite über Schweizer Politik zu diskutieren», sagt SVP-Generalsekretär Gabriel Lüchinger. Und er fügt an: «Die SVP ist auf keine Art und Weise zu vergleichen mit der AfD. Blocher kennt Gauland nicht und er interessiert sich auch nicht für ihn.»

Ist die AfD zu extrem? Dazu will Lüchinger nichts sagen: «Wir bewerten keine ausländischen Parteien, interessieren uns nicht für sie, sondern nur für die Schweiz

Blochers Absage-Drohung wirkte offenbar. Die «Arena»-Macher stellten um. Statt dass sich je zwei und zwei Kontrahenten gegenüberstehen, werden die Diskussionsteilnehmer nebeneinander gereiht. Blocher an einem Ende, Gauland am anderen. Damit werde die Distanz zwischen SVP und AfD auch «visuell zum Ausdruck gebracht», sagt Lüchinger.

Projer erklärt sich

Projer will den Sachverhalt weder bestätigen noch dementieren. Er glaubt, dass sich ein Blick über die Grenze lohnt: «Nicht nur in der Schweiz wird über Zuwanderung und über die Angst vor Identitäts- und Souveränitätsverlust diskutiert. Ähnliche Entwicklungen gibt es auch in Deutschland oder Grossbritannien. In all diesen Ländern bezeichnen sich neue Parteien als einzig wahre Volksvertreter und stellen sich damit erfolgreich gegen die etablierten Parteien.»

Projer findet es vertretbar, einen Vertreter der AfD einzuladen – wichtig sei aber, keine unkritische Plattform zu bieten. Mit Moser und Nussbaumer würden Gauland zudem zwei starke Rhetoriker Paroli bieten können.

Stellt sich die Frage, wie sich Blocher aus der Affäre ziehen wird. Anders als andere SVPler hat er stets Distanz zu europäischen Rechtsaussenparteien markiert. Nun muss er sich einem Vertreter einer Partei mit rassistischen Tendenzen stellen, die sich in Deutschland «mehr schweizerische Verhältnisse» wünscht und sich am «Erfolg der SVP orientiert».

Passend zum Thema: Kannst du SVP, AfD und NPD auseinanderhalten? (Quiz von Daria Wild, watson)

Quiz
1.Welche Parteien rühren mit einem «Extrablatt» die Werbetrommel für ihre Anliegen?
Extrablatt wirbt vor Berliner Wahl für die AfD
AfD und NPD
SVP und AfD
SVP und NPD
2.Welche Partei pflasterte das Land mit diesen Plakaten zu?
NPD Schäfli
SVP
AfD
NPD
3.«Wir stellen uns gegen willkürlich betriebene Masseneinwanderung.» – Bei wem steht dieser Satz im Parteiprogramm?
ZUR ABSTIMMUNG GEGEN MASSENEINWANDERUNG VOM SONNTAG, 9. FEBRUAR 2014 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Einwanderer aus Italien und Spanien treffen sich am Samstag,  21. Mai 2011 in Zuerich. Der Anlass wuerdigte die von der sogenannten ersten Einwanderungsgeneration erbrachten Leistungen fuer unsere Gesellschaft. Stellvertretend fuer alle ehemaligen Gastarbeitenden nahmen gut 700 ueber 70-jaehrige Italienerinnen und Italiener und Spanierinnen und Spanier den Dank der Stadt Zuerich entgegen. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)
KEYSTONE
AfD
SVP
NPD
4.Welche Partei setzte ein Matterhorn auf das Plakat?
NPD Matterhorn
AfD
NPD
Keine davon – das Plakat war eine Fotomontage einer linken Gruppierung in Deutschland.
5.Welche Partei stellte Ausländer pauschal als raubende, vergewaltigende und tötende Männer dar?
Bild zur Frage
SVP
AfD
NPD
6.Welche Partei sah Kinder einst schon hinter Gittern?
Staatskinder SVP
SVP
AfD
NPD
7.«Maria statt Scharia» – wer war's?
Maria statt Scharia
NPD
AfD
NPD und AFD
NPD und SVP
8.Der AfD-Vizevorsitzende Alexander Gauland berief sich in einer Rede im Juni dieses Jahres mehrmals auf den Slogan: «Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land.» Bei wem hat Gauland abgekupfert?
Alexander Gauland, top candidate for the Alternative for Germany (AfD) party in the upcoming Brandenburg state election, addresses a news conference in Berlin September 1, 2014. Chancellor Angela Merkel's conservatives were poised to cling to power in Sunday's election in the east German state of Saxony but new right-leaning rival Alternative for Germany (AfD) made a breakthrough by winning its first seats in a state assembly.      REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: POLITICS ELECTIONS)
X90145
bei der SVP
bei der NPD
Bei niemandem. Das ist original AfD.
9.Und zum Abschluss noch ein kleiner Auszug aus einem Parteiprogramm. Von wem ist dieser Satz?: «(...) die muslimischen Zuwanderer stammen oft aus Ländern, in denen keine demokratische Rechtsordnung herrscht. Sie bringen Vorstellungen über Recht und Ordnung mit, die mit unserem Rechtssystem und unseren demokratischen Spielregeln nicht vereinbar sind.»
Des chapelets musulman et un coran photographie dans la salle de priere de la nouvelle mosquee de l'Association culturelle musulmane de Payerne, ACMP, dans le cadre d'une journee porte ouverte ce samedi 20 septembre 2014 a Payerne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)
KEYSTONE
SVP
AfD
NPD
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