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Chefredaktor Maurice Thiriet hat Verständnis für die watson-Userschaft. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.
Chefredaktor Maurice Thiriet hat Verständnis für die watson-Userschaft. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.
bild: watson.ch

«Es gibt keine Gerechtigkeit. Auch in der Kommentarspalte von watson nicht»

22.08.2019, 16:0123.08.2019, 12:27

Wir haben gefragt, was euch an watson stört. Und ihr habt geantwortet. Zahlreich. Sehr zahlreich. Vielen herzlichen Dank.

Damit eure Wünsche nicht einfach versanden, haben wir Chefredaktor Maurice Thiriet um seine Meinung zur Sache gefragt. Und siehe da. Ein paar Zusagen habt ihr ihm bereits abgerungen, andere Wünsche sind hingegen weniger realistisch. Das aber mit gutem Grund.

Produktion

Diese drei Punkte liegen euch besonders am Herzen:

Die Top-3-Nennungen. Alle Angaben in Prozent.
quelle: watson.ch

Maurice Thiriet, was hältst du davon?
Maurice Thiriet: Wir machen kein Clickbait. Es steht in unserer Redaktionsrichtlinie, dass wir cliffhangen – also nicht gleich alles zu Beginn verraten. So wie das jede gute Netflix-Serie auch tut. Aber Clickbait ist das nicht. Clickbaiten ist anheizen und dann nicht abliefern. Das tun wir nicht.

Aber Mo, wenn wir das so schreiben, fliegen uns zurecht ein paar Artikel um die Ohren.
Artikel haben wir nicht. Artikel hat die NZZ. Wir haben Geschichten. Ausserdem regt mich der Clickbait-Vorwurf auf. In gewissen Kreisen ist ja alles ausser einer halbwissenschaftlichen Abhandlung schon im Titel gleich Clickbait. Clickbait ist international klar definiert als Überverkaufen von Content zum Zweck, möglichst viel Werbung auszuspielen. Das machen wir nicht. Natürlich wollen wir Reichweite machen, natürlich spielen wir mit der Spannung. Aber dann liefern wir auch ab. In Einzelfällen kann es vorkommen, dass der eine oder andere Mitarbeiter oder die eine oder andere Mitarbeiterin sich ein bisschen zu sehr vom Webseismographen leiten lässt. Wenn ich das sehe, wird es aber angesprochen.

Statt Clickbait will die Userschaft längere, besser recherchierte Artikel ...
Im Vergleich zu anderen Newsportalen stehen wir in Sachen langen und gut recherchierten Storys sehr gut da. Stichwort Stern, Rothenfluh und Huber. Aber lange und intensiv recherchierte Storys sind eine Ressourcenfrage. Sie sind sehr kostenintensiv.

Dafür geben sie uns Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit, die wir mit zu vielen Zitierungen von irgendwelchen Twitter-Nobodys wieder aufs Spiel setzen, finden unsere User.
Twitter ist ein Indikator beziehungsweise Seismograph für in der Öffentlichkeitsarena aufkommende Topics. Von Twitter aus sickern Themen in die politische Arena und die Öffentlichkeit. Was wir sicher nicht machen, ist, irgendwelche Pseudo-Shitstorms zu suchen und die dann aufzugreifen – nur um der Empörung willen. Um solche Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglicher zu machen, konzentrieren wir uns dabei nicht unbedingt auf die Twitter-User mit der grössten Relevanz, sondern auf diejenigen mit den am prägnantesten ausgedrückten Meinungen.

Technisches

Die Top-3-Antworten. Alle Angaben in Prozent.
Quelle Watson.ch

Mo, unsere User wollen endlich eine Lösung für das Fat-Finger-Problem: Wenn sie aus Versehen einen Blitz verteilen, wollen sie das korrigieren können.
Also. Auf die Blitz-Herz-Problematik werden wir immer wieder angesprochen. Sie wird gelöst. In Zukunft werden nur noch eingeloggte User Herzen und Blitze verteilen können. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einem Streich: Man wird seine Entscheidung editieren können und mogeln wird auch fast verunmöglicht.

Und kommt der individualisierbare Themenblocker? Noch so ein Wunsch der Userschaft.
Da denken wir in der Chefredaktion vertieft darüber nach.

Man wird in Zukunft also sämtliche Trump-Storys ausblenden können, wenn man das will?
Nein. Einen Trump-Blocker beispielsweise wird es nicht geben. Der Präsident der Vereinigten Staaten ist weltpolitisch und weltwirtschaftlich zu relevant, als dass er ausgeblendet werden kann oder sollte. Als Massenmedium gehört es zu unserem selbstdefinierten Leistungsauftrag, objektiv relevante Themen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ob es das jetzt gerade brennend interessiert oder nicht.

Apropos Qualitätsjournalismus. Es herrscht das Bedürfnis, unsere Geschichten zu bewerten ...
Die Idee ist nicht schlecht und man kann sich das überlegen. Eine saubere Umsetzung ist aber kompliziert. Unser journalistisches Angebot ist vieldimensionaler als das der Konkurrenz. Man kann einen Jodok-Meier-Brüller nicht anhand derselben Kriterien messen wie einen Kommentar von Philipp Löpfe. Das müsste man berücksichtigen. Deshalb müsste es für jeden Geschichtentyp eine eigene Bewertung geben. Hat mich diese Story amüsiert? Hat sie mich informiert? Unterhalten? Überrascht? Angeregt? Angenehm belehrt? Dem allem müsste Rechnung getragen werden.

Was ich nicht will, ist ein Tool für den Frustabbau. Es hat keinen Mehrwert, wenn man eine Geschichte schlecht bewertet, nur weil sie vielleicht den Finger auf den wunden Punkt legt oder einem die politische Meinung der Autorin oder des Autors nicht passt oder man sonstwie einen schlechten Tag hat. Mit solchen Daten kann man ja dann auch nichts anfangen.

Thematische Ausrichtung

Die Top-3-Antworten. Alle Angaben in Prozent.
quelle: watson.ch

Wir haben einen klaren Sieger ...
In der Kategorie Wissen, Hintergrund, Geschichte und auch Wissenschaft und Technik prüfen wir derzeit verschiedene Kooperationen. Mehr kann ich nicht verraten. Aber wir sind uns bewusst, dass hier viel Nachfrage herrscht. Das zeigen auch unsere Zahlen.

Und was ist mit Linas «Wein doch»?
Unter uns. Eigentlich ist sie hier ja die Chefin. Zwingen kann ich sie nicht und deshalb befürchte ich, dass es nie dazu kommen wird.

Die Top-3-Antworten. Alle Angaben in Prozent.
watson.ch

Schauen wir auf das Resultat der weniger erwünschten Themen. Weniger Trash wird gefordert ...
Hier kann man sehr gut das Phänomen der sozialen Erwünschtheit erkennen ... Was heisst schon Trash? Es ist aber so, dass wir jeden Tag feststellen, dass softere Themen sehr gut angeschaut werden. Wir bereiten diese Themen jedoch watson-mässig mit einem Augenzwinkern auf und servieren es als Sättigungsbeilage zum relevanten redaktionellen Programm.

Dasselbe gilt für den Wunsch nach weniger Trump und SVP. Man darf politisch relevante Themen nicht einfach ignorieren – ob es einem passt oder nicht. Aber man muss reflektieren, ob der Nachrichtenwert stimmt. Die Apfel-Provokation der SVP haben wir zum Beispiel bewusst nicht gross gefahren. Einfach deshalb, weil es sich dabei um eine reine Wahlkampf-Provokation handelte. Wenn wir uns aber beispielsweise bezüglich SVP oder Trump Scheuklappen prinzipieller Art aufsetzen, kommen wir unserer Aufgabe als Nachrichtenversorger und Debattenermöglicher nicht mehr nach.

Community

Der User wünscht mehr Feedback.
Das wünschte ich mir auch. Die Autorinnen und Autoren sind angehalten, das zu tun, und ich werde bei nächster Gelegenheit wieder daran erinnern. Aber ich bitte um Verständnis, wenn es nicht sofort einschlägt. Der Arbeitsalltag der Journis wird in Zeiten der medialen Strukturkrisen nicht unbefrachteter.

Du schwurbelst. Es geht doch einfach darum, dass ich als Journi auch mal Feierabend haben möchte, oder ein Wochenende mit freiem Kopf. Und wenn ich im Büro bin, muss ich Geschichten produzieren. Die Zeit ist knapp, die Aufgaben zahlreich.
Papperlapapp. Ein guter Journalist ist wie ein guter Polizist: immer im Dienst.

Anm. d. Red.: Jetzt seht ihr mal, weshalb Journalist in Zeiten der 24h-Rundum-Berichterstattung kein Traumjob mehr ist und die Gefahr eines Burnouts mit am höchsten ist!

Und dann will der User auch mehr Fairness bei der Freischaltung von Kommentaren. Viele verstehen nicht, weshalb ihr XY-Kommentar nicht veröffentlicht wurde.
Der Wunsch ist verständlich. Aber es gibt leider keine Gerechtigkeit. Auch nicht in der Kommentarspalte von watson.

Uiuiui.
Freischalten ist keine exakte Wissenschaft. Wir haben unsere Leitlinien – doch am Ende bleibt Interpretationsspielraum. Das eigentliche Hauptproblem ist aber, dass die Leute denken, sie hätten ein Recht auf Veröffentlichung. Und das ist nicht so.

Aber die User geben sich Mühe ...
... und wir geben uns alle Mühe, sämtliche stringenten und in der Form anständig formulierten Kommentare zu veröffentlichen. Wenn sich jemand aber systematisch hintergangen fühlt, kann er sich per Email bei mir melden. Ich beantworte sämtliche Anfragen.

Aber ist es nicht so, dass wir einfach von Kommentaren überschwemmt werden und deshalb strenger beim Freischalten sind als noch zu Beginn von watson? Wir wollen die Qualität ja weiterhin hoch halten.
Doch, natürlich ist das so. Aber wir sind immer noch eher auf der laschen Seite beim Freischalten gemäss den Kommentar-Regeln. Ich schalte bei meinen Geschichten beispielsweise einfach gar nichts frei, was nicht direkt auf meine These oder den Inhalt meiner Geschichte eingeht. Wenn ich mir Gedanken dazu mache, warum Veganer so ein Reizthema sind und dazu eine These formuliere, dann schalt ich doch da nicht irgendwelche Veganer-Carnivoren-Bashings frei. Geschweige denn diskutiere ich da mit.

Und was ist mit dem Jassturnier?
Das gebe ich hiermit offiziell in Auftrag.

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Ich will da keinen Strassenbanden-Groove haben

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