DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Samenspende war bislang nur für verheiratete heterosexuelle Paare erlaubt. Die Eizellspende ist weiterhin gesetzlich verboten.
Die Samenspende war bislang nur für verheiratete heterosexuelle Paare erlaubt. Die Eizellspende ist weiterhin gesetzlich verboten.
Bild: Shutterstock

Nach Ja zu «Ehe für Alle»: So stehen die Chancen für Eizellspende und Leihmutterschaft

Nach dem «Ja» zur Samenspende für lesbische Paare ist das nächste Thema bereits politisch lanciert: Im November debattieren Teile des Parlaments über die Legalisierung der Eizellspende. Und wie steht es politisch um die Leihmutterschaft?
27.09.2021, 14:0228.09.2021, 09:04

Am Sonntag stimmte das Schweizer Stimmvolk nicht nur Ja zur «Ehe für Alle», sondern auch zur Samenspende für lesbische Paare. Die grosse Zustimmung (64,1% Ja-Anteil) könnte auch weiteren Vorstössen in Sachen Familienplanung Anstoss geben. Denn noch sind die Embryonenspende und alle Arten von Leihmutterschaft in der Schweiz gesetzlich verboten.

Legalisierung der Eizellspende politisch lanciert

Bereits einen Schritt weiter ist die Diskussion, ob eine Frau einem Paar, bei dem die Partnerin unfruchtbar ist, eine Eizelle spenden kann. Im März 2021 reichte die GLP-Nationalrätin Katja Christ eine parlamentarische Initiative ein, die die Eizellspende «endlich auch in der Schweiz legalisieren soll». Christ sagt zu ihrem Vorstoss:

«Es braucht die Legalisierung, weil es eine Ungleichbehandlung darstellt. Es gibt juristisch keinen Unterschied. Es ist eine Drittperson, die einem Paar, das ungewollt kinderlos ist, eine Keimzelle zur Verfügung stellt.»
Katja Christ, GLP-Nationalrätin
quelle: srf.ch

Die Legalisierung der Eizellspende ist politisch lanciert. Anfang November wird die nationalrätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur als Erstes den Vorstoss beraten.

Ethikkommission forderte schon 2013 Eizellspende

Noch hält man sich mit Voten zur Eizellspende zurück – auch im linken Lager. So sagte Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP, in der Präsidentenrunde ausgestrahlt vom SRF, dass die Diskussion um die Eizellspende «nicht prioritär» behandelt werde. Es seien zuerst noch «einige rechtliche Fragen zu klären», so Meyer.

Die Forderung dürfte es jedoch einfacher haben als eine Legalisierung der Leihmutterschaft. Bereits 2013 sprach sich eine Mehrheit der Mitglieder der nationalen Ethikkommission für die Eizellspende aus. Es sei diskriminierend, die Samenspende zuzulassen und die Eizellspende zu verbieten. Bei Vätern werde auch keine genetische Beziehung gefordert, deshalb sei es nicht nachvollziehbar, warum dies bei Müttern verlangt werden sollte, so die Begründung.

Eizellspende und Leihmutterschaft
Eine Eizellspende ist für eine Frau, die unfruchtbar ist, die einzige Möglichkeit, schwanger zu werden. Bei der Eizellspende werden einer fruchtbaren Spenderin reife Eizellen entnommen, mit den Spermien des Wunschvaters befruchtet und anschliessend der Empfängerin eingepflanzt.

Bei der Leihmutterschaft trägt eine Drittperson das Kind der Wunscheltern aus. Die Wunscheltern können die genetischen Eltern sein, müssen aber nicht, da es verschiedene Möglichkeiten gibt (Samenspende des Vaters, Eizellspende der Mutter etc.). Das Kind wird bei der Geburt dann von der Leihmutter den Wunscheltern übergeben.

Klar dagegen ist die SVP, die bereits im Abstimmungskampf zur «Ehe für Alle» davor warnte, dass eine Annahme weitere Änderungen im Fortpflanzungsgesetz nach sich ziehen könnte. Im Interview mit dem Bund sprach sich SVP-Nationalrätin Therese Schläpfer klar dagegen aus:

«Mit der Zulassung der Eizellspende geht es immer mehr in Richtung von Designerbabys. Da müssen wir vorsichtig sein.»
Therese Schläpfer, SVP-Nationalrätin
quelle: derbund.ch

Auch Parteikollegin Verena Herzog blies ins gleiche Horn:

«Mit der Annahme der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare werden jetzt weitere Forderungen der Homosexuellen folgen.»
Verena Herzog, SVP-Nationalrätin
quelle: srf.ch

Leihmutterschaft könnte es schwieriger haben

Anders sieht die Ausgangslage bei der Legalisierung der Leihmutterschaft aus. Zwar gab es in der Vergangenheit diverse Vorstösse im Parlament dazu, die Mehrheit machte aber auf die damit verbundenen Problematiken aufmerksam. Eine Forderung zur Legalisierung gibt es bislang nicht, auch wenn SVP-Nationalrätin Schläpfer damit rechnet:

«Wir warten nun mal ab, wie lange es geht, bis auch in der Schweiz die Leihmutterschaft gefordert wird.»
Therese Schläpfer, SVP-Nationalrätin

Auch ethisch ist die Leihmutterschaft stärker umstritten als die Legalisierung der Eizellspende. Eine Mehrheit der nationalen Ethikkommission sprach sich 2013 zwar für eine Zulassung der Leihmutterschaft aus. Sie äusserte aber auch Zweifel, ob die Leihmutter und die Wunscheltern wirklich genügend gut geschützt werden können, falls es zu einer Kommerzialisierung der Praxis käme.

Auf der politischen Ebene spielt die Operation Libero mit dem Gedanken der Leihmutterschaft, so Co-Präsident Stefan Manser-Egli:

«Im Ausland ist die Leihmutterschaft erlaubt. Wenn wir sie in der Schweiz weiterhin verbieten, verschliessen wir die Augen vor der Tatsache, dass auch Schweizer Kinder dank einer Leihmutter im Ausland zur Welt gekommen sind.»
Stefan Manser-Egli, Co-Präsident Operation Libero
quelle: 20minuten.ch

Verhaltene Zustimmung gibt es auch von der Schwulenorganisation Pink Cross, auch wenn man sich nicht aktiv für das Vorhaben einsetzen will, so deren Vertreter Roman Heggli:

«Ich denke nicht, dass wir uns dagegen stellen werden. Wir werden aber nicht die Vorreiterinnen oder die Vorkämpfer sein. Ich glaube wirklich, es ist hauptsächlich ein Thema, das heterosexuelle Paare betrifft.»
Roman Heggli, Vertreter Pink Cross
quelle: srf.ch

Klar dagegen sind FDP und SVP. «Alle diese Punkte, die rund um diese Fragen noch nicht geklärt sind, muss man erst debattieren. Im Moment sagen wir Nein», so FDP-Präsidentin Petra Gössi. Und bei der SVP sagt Nationalrat Franz Grütter: «Wir wollen nicht, dass das in der Schweiz möglich ist.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

14 Fakten zur Samenspende

1 / 16
14 Fakten zur Samenspende
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Auf der Suche nach ihren Geschwistern

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Der Andrang vor den Impfzentren nimmt zu – wer sich jetzt noch impft

Seit bekannt ist, dass die Zertifikatspflicht auf Restaurants, Kinos und weitere Freizeitangebote ausgeweitet wird, erleben Impfzentren schweizweit einen starken Andrang. Wir schauen uns diese «Neo-Impfwilligen» genauer an.

Gründe, warum man sich erst rund drei Monate verzögert für die Impfung anmeldet, gibt es viele: Einerseits steigen die Auslastungen auf den Intensivstationen – andererseits ist man nach dem neusten Bundesratsentscheid ohne Zertifikat bei diversen Freizeitangeboten eingeschränkt.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Seit Ende der Sommerferien diskutiert der Bundesrat über die Ausweitung der Zertifikatspflicht. Seither sind die Erstimpfungen schweizweit wieder deutlich angestiegen.

Alle …

Artikel lesen
Link zum Artikel