Schweiz
SP

Erbschaftsinitiative der Juso: 67 Prozent der Schweiz ist dagegen

Grosse watson-Umfrage zeigt – so steht die Schweiz zur Erbschaftsinitiative der Juso

Schon den ganzen Sommer wird heiss darüber diskutiert: die Erbschaftssteuerreform-Initiative der Juso. Wie die erste repräsentative Umfrage von watson zeigt, ist die Haltung der Bevölkerung deutlich.
08.08.2024, 10:0910.08.2024, 11:13

Die Erbschaftssteuer ist Teil der Volksinitiative «Für eine soziale Klimapolitik – steuerlich gerecht finanziert (Initiative für eine Zukunft)». Diese fordert eine Besteuerung von 50 Prozent auf Nachlässen und Schenkungen von mehr als 50 Millionen Franken. Mehr dazu hier.

Wie eine repräsentative watson-Umfrage zeigt, ist eine deutliche Mehrheit der Schweizer Bevölkerung gegen die Erbschaftssteuer-Initiative.

Die Umfrage wurde zwischen dem 16. und dem 24. Juli in Zusammenarbeit mit dem Sozialforschungsinstitut DemoSCOPE durchgeführt. Teilgenommen haben 6558 Personen, sie ist repräsentativ für die Deutsch- und Westschweiz (mehr zur Methodik am Ende des Artikels).

Die wichtigsten Erkenntnisse der Umfrage:

Grosse Mehrheit dagegen

Insgesamt 73 Prozent der Teilnehmenden würden gegen die Erbschaftssteuerreform der Juso stimmen, 27 Prozent dafür.

Auffallend dabei ist, dass sich die Leute ihre Meinung bereits gebildet haben. Die Anzahl Leute, die «Ich weiss nicht» angewählt oder keine Antwort gegeben haben, lag unter einem Prozent.

Die Teilnehmenden sind sich über den Röstigraben hinweg einig. Die Romands lehnen die Initiative mit insgesamt 74 Prozent «Nein» und 5 Prozent «Eher nein» allerdings noch deutlicher ab als die Deutschschweizerinnen- und schweizer.

Nur die Grünen und SP dafür

Wenig überraschend wird die Initiative nur von Teilnehmenden, die sich politisch bei den Grünen oder der SP verorten, befürwortet. Und dies deutlich: SP-nahe Teilnehmende sagen mit 56 Prozent «Ja» und mit 17 Prozent «Eher ja». Mit 58 Prozent ist das «Ja» bei den Grünen fast gleich stark, dafür ist das «Eher ja» mit 8 Prozent etwas tiefer und die Ablehnung mit 25 Prozent «Nein» und 9 Prozent «Eher nein» etwas höher.

Auch wenn die Grünliberalen die Initiative mit insgesamt 77 Prozent deutlich verwerfen würden, gibt es mit 23 Prozent dennoch einige Stimmen, die sie befürworten würden – 11 Prozent mit einem klaren «Ja», 12 Prozent mit einem «Eher ja».

Je weiter man auf dem politischen Spektrum nach rechts rückt, desto eindeutiger wird die Ablehnung: Satte 95 Prozent der Teilnehmenden, die sich mit der SVP identifizieren, sind klar gegen die Initiative.

Die Jungen befürworten die Initiative

Eine interessante Meinungsschere ergibt sich bei der Betrachtung des Alters. Während sich Teilnehmende in der Kategorie 55+ mit 80 Prozent klar gegen die Initiative aussprechen, stösst sie bei den 15- bis 34-Jährigen auf Anklang. Bei ihnen würde die Initiative nur von 41 Prozent klar abgelehnt. Mit 44 Prozent «Ja» und 8 «Eher Ja»-Stimmen ergibt sich eine Befürwortung von insgesamt 52 Prozent.

Die mittlere Altersklasse lehnt die Initiative mit 73 Prozent (eher) ab.

Die Mehrheit will keinen Gegenvorschlag

Einen Gegenvorschlag zur Juso-Initiative will der Bundesrat nicht, weder auf Verfassungs- noch auf Gesetzesstufe. Das Finanzdepartement hat den Auftrag erhalten, eine Botschaft ans Parlament auszuarbeiten.

Auch die Mehrheit der Teilnehmenden sieht keinen Bedarf an einem Gegenvorschlag und ist zufrieden mit der jetzigen Gesetzeslage. Lediglich 27 Prozent wünschen sich einen Gegenvorschlag, während 17 Prozent die Juso-Initiative favorisieren.

Erbschaftssteuerreform 2015 bleibt unattraktiv

Bereits im Jahr 2015 wurde über eine Erbschaftssteuerreform abgestimmt. Diese Volksinitiative forderte die Einführung einer nationalen Erbschaft- und Schenkungssteuer von 20 Prozent auf Erbschaften ab 2 Millionen Franken. Der Ertrag sollte zu einem Drittel in die AHV und zu einem Drittel an die Kantone fliessen. Die Initiative wurde damals mit 71 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.

Einen grossen Meinungsumschwung scheint es seither nicht gegeben zu haben. Käme die Initiative heute erneut an die Urne, bliebe sie weiterhin chancenlos. Die Bevölkerung scheint daher auch an einer milderen Erbschaftssteuerreform nicht interessiert zu sein.

Zur Methodik
Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit DemoSCOPE vom 16. bis 24. Juli in deutscher und französischer Sprache durchgeführt. Nach erfolgter Datenbereinigung lagen 6558 auswertbare Interviews vor. Diese wurden mittels Propensity-Score-Gewichtung an eine unverzerrte Grundgesamtheit angepasst, um dem Selbstselektionsbias entgegenzuwirken und aussagekräftigere Resultate zu erzielen. Zusätzlich wurde eine Gewichtung der Ergebnisse anhand der Wahlbeteiligung vom Oktober 2023 vorgenommen. Unter der Annahme einer Zufallsstichprobe beträgt der maximale Fehlerbereich für Prozentangaben 1,6 Prozent. Die Umfrage wurde online auf watson.ch durchgeführt.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nationalrätin Giacometti tritt «glücklich» von der Politbühne ab
Nach sieben Jahren im Nationalrat ist die Bündner Nationalrätin Anna Giacometti (FDP) am Freitag offiziell verabschiedet worden. Im Interview mit Keystone-SDA spricht sie über die Gründe für den vorzeitigen Rücktritt, wieso das Ankommen in Bundesbern sich schwierig gestaltete, und was ihr überraschendster Moment war.
Anna Giacometti, wie fühlt es sich an, Ihre politische Karriere zu beenden?
Ich bin glücklich, weil ich weiss, dass ich zur richtigen Zeit die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich gehe, bevor jemand anfängt zu denken: «Die könnte auch langsam mal gehen.» Ich habe von mehreren Leuten gehört, dass sie es bedauern. Ich bin wirklich sehr dankbar und geehrt, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen.
Zur Story